„nachhaltige technologien 04 | 2023“

Serielles Sanieren nimmt Fahrt auf Nach erfolgreicher Pilotphase auf europäischer Ebene sehen wir auch in Deutschland eine Dynamik und Aufbruchsstimmung, die Mut macht. 49 serielle Sanierungsprojekte wurden fertiggestellt, 25 sind im Bau, 146 weitere befinden sich in unterschiedlichen Planungs- und Vorbereitungsphasen. Mittlerweile ist die nächste Stufe der Marktentwicklung erreicht – der Sprung von Piloten zu Portfolios. Bis 2027 will die Gewobau Erlangen 6 000 Wohneinheiten seriell sanieren. Weitere Wohnungskonzerne sind dabei, die in den Pilotprojekten gewonnenen Erkenntnisse sukzessive auf die Sanierung größerer Bestände zu übertragen. Parallel dazu erweitert die Bauwirtschaft ihre Kapazitäten. Aus einer unkonventionellen Idee hat sich ein in- novatives Marktsegment entwickelt, das mit einem Sanierungsvolumen von über 100 Mrd. Euro attraktive Geschäftschancen entlang der gesamten Wertschöp- fungskette eröffnet. Das Netzwerk ist auf rund 300 engagierte Akteure gewachsen. Aufbauend auf den Erfahrungen der Pilotphase und verstärkt durch die Förderung denken, planen und realisieren 28 Gesamt- lösungsanbieter, 150 Zulieferer, 60 Architektur- und Planungsbüros sowie 50 Wohnungsunternehmen Sanierung neu. Große Player wie Saint-Gobain, Knauf, Sto, Vaillant, Vonovia und LEG sind in die serielle Sanierung eingestiegen und senden mit ihrem En- gagement ein wichtiges Signal in den Markt. Erste Gigafabriken zur industriellen Herstellung vorgefertig- ter Elemente sind in konkreter Planung. Attraktive Förderung gibt Rückenwind Laut dem Klimaschutzgesetz müssen die CO 2 -Emis- sionen im Gebäudebereich bis 2030 um 45 Prozent sinken (von 120 auf 67 Millionen Tonnen pro Jahr). Parallel dazu muss der Heizenergiebedarf aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit erneuerbarer Energien deutlich reduziert werden. Bislang wurden die Ein- sparziele im Gebäudesektor dreimal in Folge verfehlt. Grund dafür ist die viel zu niedrige Sanierungsrate von einem Prozent, die selbst bei einer Sanierung auf Null- energieniveau nur zu einer jährlichen CO 2 -Einsparung von einem Prozent führt. Um die Klimaneutralität im Gebäudesektor bis 2045 zu erreichen, ist eine Ver- fünffachung der Sanierungsquote notwendig. Da sich weder Fachkräfte noch Fördermittel verfünffachen lassen, müssen die zur Verfügung stehenden Res- sourcen so effizient wie möglich eingesetzt werden. Serielles Sanieren eröffnet hier die Chance, mit der gleichen personellen und finanziellen Ausstattung mehr energetische Sanierungen in kürzerer Zeit um- zusetzen. Bei schnellem Markthochlauf könnten so bis 2045 mindestens 25 Millionen Tonnen CO 2 pro Jahr eingespart werden. Die zu sanierenden Gebäude in Erlangen vor der Sanierung Foto: dena | Nico Gorsler Die Gebäude in Erlangen nach der seriellen Sanierung Foto: dena | Nico Gorsler Backpacker in der Fassade ersetzen die Strangsanierung Foto: dena | Nico Gorsler 7 6 SERIELLES SANIEREN

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