„nachhaltige technologien 04 | 2024"
17 16 ioniergeist in Meldorf Überschusswärme nutzbar machen – mit diesem Credo packte Meldorf bereits um die Jahrtausendwende die Dinge pragmatisch an. Seit mehr als 20 Jahren wird das örtliche Schwimmbad bereits mit Abwärme aus der örtlichen Druckerei beheizt. Doch warum die Wärme nicht nur bei Überschuss sinnvoll nutzen, sondern auch für die kalte Jahreszeit speichern? Ein Blick zu unseren dänischen Nachbarn – Vorreiter in der Nahwärmeversorgung – lieferte den entschei- denden Impuls: Ein Erdbeckenwärmespeicher ver- sprach die Umsetzung der Idee in einem vertretbaren wirtschaftlichen Rahmen und – anders als bei klassi- schen Tankspeichern – einer akzeptablen Einbindung in das Landschaftsbild. Die Randbedingungen vor Ort standen auf Grün: Ausreichend verfügbare Flächen, kombiniert mit kurzen Wegen zwischen Erzeugung, Einspeicherung und Abnehmern sowie die Umwid- mung eines bislang landwirtschaftlich genutzten Gebäudes zur zukünftigen Technikzentrale. Einfach kann jede(r) Als deutlich herausfordernder erwiesen sich die auf den ersten Blick verborgenen Randbedingungen: Durch den hohen Grundwasserspiegel und die ober- flächennah anstehenden Weichböden des Baugrunds mussten Konzepte entwickelt werden, die eine bauli- che Umsetzung ermöglichten. Mit der nötigen Entschlossenheit und einem starken Projektteam ließen sich diese Herausforderungen jedoch stemmen. Anfang 2021 wurde eine Innovati- onspartnerschaft aus der Taufe gehoben. Neben be- reits im Vorfeld gewonnenen örtlichen Unternehmen bereicherten Ramboll und Solmax mit ihrer Expertise aus mehreren primär in Dänemark erfolgreich umge- setzten Projekten das Vorhaben. Von der Idee zum Projekt Die Innovationspartner trugen mit ihrem technischen Input zur Schaffung der raumordnerischen Vorausset- zungen bei und nach den konkreten Planungen für die Umsetzung erfolgte bereits im Herbst 2021 der Spatenstich für das Projekt. Geplant wurde ein Erdbeckenwärmespeicher mit ei- nem Wasservolumen von 43 000 m³ für die saisonale Speicherung von mehr als 1,5 GWh Wärme unter den geplanten operativen Randbedingungen von max. 90 °C Speichertemperatur und einem Niedertempe- ratur-Netz bei 85/70-50 °C. Für die Herstellung der Baugrube mit einem Durchmesser von über 90 Me- tern und einer Tiefe von circa 11 Metern mussten insgesamt 60 000 m³ Boden bewegt werden. Außer- dem wurden während der temporären Absenkung des Grundwassers 1,6 Mio. m³ Wasser aus dem Boden gefördert. Für die Abdichtung des Speicherbeckens wurden jeweils etwa 10 000 m² an Schutzlage sowie einer temperaturbeständigen Kunststoffdichtungs- bahn von Solmax verbaut, welche bereits bis zu einer Dekade in dänischen Wärmespeichern im Einsatz ist. P Stefan Maretzki, Thomas Labda Erdbeckenspeicher Meldorf während der Bauphase im Oktober 2022 Foto: Solmax Meldorf: Deutschlands erster Erdbeckenwärmespeicher legt los GROSSWÄRMESPEICHER
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