„nachhaltige technologien 04 | 2025"

Ein kommunaler Wärmeplan zeigt auf, wie hoch der lokale Energiebedarf ist, welche Infrastruktur bereits besteht und welche erneuerbaren Potenziale genutzt werden können. Die Mehrwerte sind vielfältig: • Klimaschutz: Systematischer Umstieg auf erneuer- bare Wärmequellen und Energieeffizienzmaßnah- men reduziert Treibhausgasemissionen nachhaltig. • Versorgungssicherheit: Die Nutzung lokaler Res- sourcen - von Biomasse über Umgebungswärme und Abwärme bis Solarthermie - mindert Importab- hängigkeiten. • Planungssicherheit: Gemeinden und Energiever- sorger erhalten eine belastbare Entscheidungs- grundlage für langfristige Projekte. • Kosteneffizienz: Koordinierte Planungsprozesse vermeiden Doppelgleisigkeiten und damit verbun- dene Mehrkosten. • Regionale Wertschöpfung: Lokales Handwerk, Energieversorger und Betriebe profitieren von ei- ner wachsenden Nachfrage nach Planung, Bau und Betrieb erneuerbarer Wärmesysteme. Damit wird Wärmeplanung zu einem zentralen Be- standteil moderner kommunaler Infrastrukturentwick- lung, vergleichbar der Raum- oder Verkehrsplanung. Der Weg zum kommunalen Wärmeplan Die kommunale Wärmeplanung folgt einem klar strukturierten, mehrstufigen Vorgehen, das techni- sche Analysen, räumliche Bewertung und politische Entscheidungsprozesse integriert. Der Leitfaden beschreibt sechs aufeinander aufbauende Schritte (siehe Abbildung). Die modulare Struktur erlaubt einen schrittweisen Einstieg, auch für kleinere Gemeinden mit begrenz- ten Ressourcen. Bereits die Bestands- und Potenzi- alanalyse schafft Transparenz und eröffnet konkrete Handlungsspielräume. Praxisbeispiel Gleisdorf Wie ein solcher Prozess in der Praxis aussieht, zeigt die Stadtgemeinde Gleisdorf. Aufbauend auf mehre- ren Projekten – darunter das Sachbereichskonzept Energie als Teil des Örtlichen Entwicklungskonzepts, die Fernwärmeausbauplanung der Stadtwerke Gleis- dorf, das Forschungsprojekt GEL S/E/P [1] sowie der Klimaschutzplan [2] – entstand ein umfassender räum- licher Datensatz zu Gebäuden, Energieverbräuchen und lokalen Wärmepotenzialen. Darauf basierend wurden Szenarien und Zielbilder für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern sowie den Ausbau erneuerbarer Wärmenetze bis 2030 und 2040 entwickelt. Der nächste Schritt ist die systematische Zusammenführung und Konkretisierung dieser Er- gebnisse in einem kommunalen Wärmeplan gemäß dem Leitfaden aus dem Projekt Fossil Phase Out. Kommunale Wärmeplanung folgt einer mehrstufigen, strukturierten Vorgehensweise Quelle: AEE INTEC / AI 1. Akteursanalyse 2. Bestandsanalyse 3. Potenzialanalyse 4. Szenarioanalyse & Zielbilder 5. Wärmewende- Strategie 6. Prozessbegleitung & Verstetigung 1. Akteursanalyse: Relevante Beteiligte – Politik, Fach- stellen, Energieversorger, Betriebe, Bürger*innen – identifizieren und einbinden. 2. Bestandsanalyse: Gebäude, Energieinfrastruktur und Verbrauchsdaten erfassen; Schwerpunkte und Einsparpotenziale erkennen. 3. Potenzialanalyse: Verfügbare erneuerbare Quellen (Biomasse, Solarthermie, Abwärme, Umgebungs- wärme) identifizieren und systematisch bewerten. 4. Szenarioanalyse und Zielbilder: Realistische Entwicklungspfade und Zukunftsbilder unter technischen, ökonomischen und sozialen Aspekten entwerfen. 5.Wärmewendestrategie: Maßnahmen, Zuständig- keiten, Finanzierung und Monitoring festlegen. 6. Prozessbegleitung und Verstetigung: Institu- tionalisierung des Prozesses und Integration in bestehende Verwaltungs- und Planungsstrukturen.

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