„nachhaltige technologien 1|2017"
Für jedes dieser Handlungsfelder liegen mit Ab- schluss der Arbeiten weitergehende Informationen und Empfehlungen zur Bearbeitung vor. Zurzeit wird an mehreren Produkten wie Leitlinien für Planer, einem ppt-Folienpool für Berater, einer Beschreibung der erforderlichen Kapazitäten und Fähigkeiten von Stadtplanern und Unterrichtsmaterialien für die Lehre gearbeitet. Diese sollen einerseits die gegenwärtige Planungspraxis unterstützen, andererseits werden aus den Erfahrungen Empfehlungen für verschiede- ne Zielgruppen (Planer, Gesetzgeber und Forscher) abgeleitet. Im Folgenden wird beispielhaft ein Aspekt näher vorgestellt. Stakeholdereinbindung Eine integrierte Energie- und Stadtplanung mit dem Ziel einer dekarbonisierten Energieversorgung hat nicht zu übersehende Auswirkungen auf die Stadt und damit Bevölkerung, beispielsweise in Fragen der Be- bauungsdichte oder der PKW-Stellplätze und anderen Mobilitätsangeboten. Darüber hinaus braucht es die für die Umsetzung entscheidenden Akteure, vor allem wenn es um Investitionen geht. Es geht also einer- seits darum, möglichst frühzeitig im Planungsprozess diese Akteure und ihre Rollen zu identifizieren. Daraus ergeben sich die verschiedenen Möglichkeiten zur ge- zielten Einbindung (informieren - beraten - einbezie- hen - zusammenarbeiten - befähigen). Vor allem wird eine Einbindung von Umsetzungspartnern nur erfolg- reich sein, wenn jeder Beteiligte einen Nutzen für sich sehen kann (Win:Win-Strategie). Beispielsweise kann der Prozess zur Entscheidungsfindung für eine ther- mische Sanierung einer ganzen Siedlung erst durch eine Strategie einer umfassenden Modernisierung mit gleichzeitiger Verbesserung der Freiflächenqua- litäten, der Öffentlichen-Verkehrs-Infrastruktur oder ähnlichem erfolgreich werden. Das bedeutet, dass im Zuge eines Planungsprozesses neben den eigentlichen Benefits aus Sicht des Planers auch die sogenannten Co-Benefits (die für die Betroffenen die eigentlichen Benefits sein könnten) betrachtet werden. Unter Umstän- den ist auch eine Anpassung bisher üblicher Planungspraktiken erforderlich. Solarenergie in der Stadtplanung Für das Handlungsfeld „Erneuerbare Energie“ bietet auch ein Forschungsvorhaben des Pro- gramms „Solares Heizen und Kühlen (SHC)“ der Internationalen Energieagentur (IEA SHC Task 51 - Solare Energie in der Stadtplanung) Metho- den, Werkzeuge und Empfehlungen zur Integration von Solarenergie in Stadtplanungsprozessen. Das internationale Team der Experten aus 12 Ländern hat unter anderem einen Katalog erarbeitet, der die welt- weiten Best Practice Beispiele für die Integration der solaren Energie im städtischen Umfeld erfasst hat. Damit werden städtische Planungsprozesse frühzei- tig unterstützt und im Rahmen der Task 51-Aktivitäten wurde dazu eine umfangreiche Publikation erarbeitet. Einzelne Österreichische Städte können bereits auf eine gute Grundlage bei der Bearbeitung der einzelnen Handlungsfelder zurückgreifen. So haben die Städte Salzburg und Wien mit ihren jeweiligen Masterplänen und Rahmenstrategien auch die erfor- derlichen organisatorischen Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Umsetzung von Energiestrategien in Kommunen geschaffen. (siehe auch Artikel „Strategien für eine zukunftswei- sende Stadtentwicklung“ in dieser Ausgabe) Schlussfolgerungen Die Erreichung der Klimaschutzziele braucht auch den Beitrag der Stadtplanung, umerfolgreich zu sein, denn auf der Ebene von Gebäudeverbünden bzw. Siedlungen lassen sich relevante Fragen wie Nutzungsmischung, Bebauungsdichte, Energieversorgung oder Mobilität behandeln. Aus vielfältigen Gründen wird dieses Potenzial aber oft nicht genutzt. Die vorgestellten Arbeiten versuchen daher einen Beitrag zu leisten mehr Energie in Stadtplanungsprozesse zu bringen, indem die wesentlichen Handlungsfelder aufgezeigt und Lösungsansätze präsentiert werden. Zugleich braucht es neben technologischen Entwicklungen noch weit mehr an Bemühungen, um ein wechsel- seitiges Verständnis von Energie- und Stadtplanung aufzubauen, was zu Innovationen in der Gestaltung von Planungsprozessen führen wird. Letztendlich geht es auch um Klarheit darüber, bei wem die Ener- gieplanungskompetenz für ganze Siedlungen bzw. Stadtteile liegt. Zielsetzung Zielsetzung Erneuerbare Energie Gesetzliche Rahmenbedingungen Unterstützungssysteme Monitoring Stakeholders Sozio-ökonomische Kriterien Organisatorische Rahmenbedingungen Status quo-Analyse Potenzialanalyse Projektentwicklung Umsetzung Monitoring Wettbewerbe KOMMUNE GEMEINDE Neun Handlungsfelder für die Umsetzung von Energiestrategien in Kommunen Quelle: SIR, 2016
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