„nachhaltige technologien 2|2017“

Variante 2: Vorgehängte hinterlüftete Fassade (V02) Im Brüstungsbereich wird ein neuer Betonfertigteil als Rohbaukonstruktionmontiert.Darauf,sowieaufdenbe- reits existierenden Betonfertigteilen im Sturzbereich, wird die vorgehängte hinterlüftete Fassade montiert. Die Unterkonstruktion wird als Standard-Aluminium- Konstruktion mit Wandwinkelstützen und Tragprofilen ausgeführt. Darauf wird eine Fassadenplatte aus Faserzement befestigt. Als Wärmedämmmaterial ist Steinwolle vorgesehen. Vorgehängte hinterlüftete Fassaden gelten als bauphysikalisch zuverlässige Kon- struktionen mit besonders gutem Kondensations- und Schlagregenschutz. Zusätzlich weisen harte Fassaden- bekleidungen eine deutlich längere Nutzungszeit auf bzw. sind leichter reparaturfähig. Die Fassadenplatten werden in vielen Farben und auch als glatte oder struk- turierte Oberfläche angeboten. Variante 3: Vorgehängte hinterlüftete Fassade - Vorfertigung (V03) Die Tragkonstruktion der Module besteht hauptsäch- lich aus Holz, diese werden im Werk vorgefertigt und vor Ort am Gebäude montiert. In die Module können aktive Komponenten wie PV-Module oder Solarthermie-Kollektoren integriert werden, ebenso wie Haustechnikkomponenten, z. B. Lüftungselemente, Warmwasser- und Heizungsrohre. Zunächst muss der Zustand der vorhandenen Tragkon- struktion und ihre Tragfähigkeit sehr genau beurteilt werden. Schulgebäude aus Fertigteilen haben meist eine regelmäßige Fassadentypologie. Somit ist eine wirtschaftliche thermische Sanierung mit großflächi- gen Modulen sehr gut möglich (siehe auch wiederkeh- rende architektonische Elemente im Titelbild). Vorfertigung bedarf einer längeren Planungsphase, jedoch ist eine sehr rasche Umsetzung Vorort möglich und für eine hohe Wirtschaftlichkeit gewünscht. Vor- weg muss das Gebäude mit Lasertechnik digital in 3D vermessen werden. Somit werden die Unebenheiten und Toleranzen des Bestandes erfasst und dienen als Grundlage für die weitere Werkplanung. Nach der digitalen Vermessung erfolgt die Fertigung der Fassa- denmodule im Holzbauunternehmen. Diese bestehen aus einer Holzriegelkonstruktion mit Dämmstoffaus- fachung und einer hinterlüfteten Fassadenbekleidung. Grundsätzlich können bei vorgefertigten hinterlüfteten Fassaden viele verschiedene Arten von Fassadenplat- ten und Dämmmaterialien gewählt werden. Die Art der Dämmung und Fassadenbekleidung wirken sich jedoch auf Kosten und Ökologie aus. Fensterkonstruktionen und Sonnenschutzeinrichtungen etc. sind bei vorgefer- tigten Fassadenmodulen bereits integriert. Der große Vorteil bei thermischen Schulsanierungen mit vorgefertigten Modulen ist die Bauzeit. Um den Schulbetrieb möglichst wenig zu stören, muss sich in der Regel der Umbau auf die Ferienzeit beschränken. Bewertung der Fassaden-Sanierungskonzepte Mit dem im Projekt entwickelten Scoring-Werkzeug wurden die drei Sanierungsvarianten für die Fassade bewertet, und es zeigte sich, dass Variante 3 die zuvor definierten Anforderungen auch unter Berücksichti- gung der Kosten am besten erfüllt. Die im Werk vorge- fertigte hinterlüftete Holzfassade punktet deutlich mit der Bewertung für den raschen Bauablauf, den nied- rigen Lebenszykluskosten, sowie durch ökologische Aspekte. Nachteile zeigen sich in den Kosten für die Herstellung, welche jedoch bei einer ganzheitlichen Betrachtungsweise ausgeglichen werden. Fazit und Ausblick Mit dieser Forschungsarbeit zu nachhaltigen Schulsa- nierungenwurdemittels Checklisten für Bestandserhe- bungen, Bewertungskriterien für Sanierungsvarianten und Kostenvergleichen ein wertvoller Beitrag für Eigen- tümerInnen und NutzerInnen geschaffen, welcher eine Hilfestellung für zukünftige optimale Sanierungen und Modernisierungen bietet. 11 10 SCHWERPUNKT FASSADEN Dipl.-Ing. Dr. Anna Maria Fulterer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dipl.-Ing. Dr. Karl Höfler ist Leiter des Bereichs Bauen und Sanieren bei AEE INTEC. a.m.fulterer@aee.at Weiterführende Informationen: • www.vs-jaegergrund.at/Projekt/15%2016/RESPIRE/RESPIRE.htm • www.aee-intec.at/index.php?seitenId=11&publikationenId=316 • www.oib.or.at/de/oib-richtlinien • www.oib.or.at/sites/default/files/bpv.pdf ( Bauproduktenverordnung)

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