„nachhaltige technologien 2|2017“

Die Fronius-Vision zu einem vollsolares Energiesystem Quelle: Adaptierte Darstellung von Fronius www.fronius.com 5 4 Die zu bewältigenden Konflikte Dieses neue Mindset und die damit verbundenen Handlungsfelder für ein zukunftsfähiges Energiesys- tem lösen allerdings vielfältige Konflikte aus. An erster Stelle sind die gravierenden Mängel beim Bereich Gebäude zu nennen. Neue Gebäude sollten so gebaut werden, dass sie den energetischen Quali- tätstest auch noch 2050 bestehen. Der Bestand wäre danach zu prüfen, ob er zu ersetzen oder zu erneuern ist. Die Finanzierung für diese Aktivitäten wäre einer- seits durch eine treffsichere Wohnbauförderung und andererseits durch neue Finanzierungsmodelle mit den Geschäftsbanken möglich. An zweiter Stelle ist auf die schweren Entscheidungs- defizite im Bereich Mobilität aufmerksam zu machen. Diese reichen von durch mangelnde Raumplanung ausgelösten Zwangsverkehr bis zu durch kontrapro- duktive Förderungen forcierten Individualverkehr. An dritte Stelle ist an die weitgehend obsoleten Geschäftsmodelle der bisherigen Anbieter von Energie zu erinnern. Nicht nur wegen behindernder Regulierungen wird deren neue geforderte Rolle als Organisatoren von integrierten Netzen noch kaum wahrgenommen. Somit bleiben die für Energie entscheidenden Akteure wie der fehlpositionierte Restaurant-Tester bis auf weiteres beim Lieferanteneigang stehen. Die erreichbaren Ziele Die meisten Diskussionen über das künftige Energie- system sind vergleichbar mit einer Person, die ver- sucht ihr Auto durch den Blick in den Rückspiegel statt durch den Blick nach vorne zu steuern. Die falsche Orientierung bei der Gestaltung unserer Energiesys- teme führt aber genauso zu einem Crash wie der nach rückwärts gerichtete Blick beim Autofahren. Ein mit dem I-Mindset in den drei wichtigsten Hand- lungsfeldern neu gestaltetes Energiesystem hat die Chance, den radikalen Anforderungen der Klimaziele zu genügen. Die Latte bei den Treibhausgasemissi- onen liegt bei einer Reduktion von mindestens 80 Prozent bis 2050. Das erscheint derzeit unvorstellbar, wenn man mit dem Blick auf der Vergangenheit ver- sucht in die Zukunft zu sehen. Wie für Österreich ein diesen Ansprüchen genügendes Energiesystem aussehen könnte, zeigt das Bild über Österreichs Energiepfade bis 2050, die über die Web- site EnergyFutures (http://energyfutures.net/) nach- vollziehbar sind. Im Ausgangsjahr 2015 beanspruchen Niedertemperatur, Mobilität und Verluste fast zwei Drittel des gesamten Energieverbrauchs. Mit den heu- te schon verfügbaren und absehbaren Technologien könnte bis 2050 das Energievolumen bei noch deutlich gesteigerten energetischen Dienstleistungen fast um die Hälfte reduziert werden. Statt dieser Variante 2050A könnte sich allerdings auch die Variante 2050B durchsetzen, die den Ener- gieverbrauch auf jetzigem Niveau stabilisiert. Damit wären allerdings unerwünschte Folgen für die CO 2 - Emissionen verbunden. Während die Variante A mit einer Expansion der Erneuerbaren von rund einem Viertel gegenüber dem jetzigen Niveau auskommt, um eine Emissionsreduktion von 80 Prozent zu errei- chen, schafft das die Variante B nicht einmal bei mehr als einer Verdoppelung. LEITARTIKEL Stefan Schleicher ist Professor am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Karl-Franzens-Uni- versität in Graz und Konsulent am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung. Aktuell koordiniert er zur Unterstützung der Integrierten Österreichischen Energie- und Klimastrategie das Projekt „Welche Zukunft für Energie und Klima? - Folgenabschätzungen für Energie- und Klimastrategien“. Österreichs Energiepfade bis 2050 Quelle: Eigene Darstellung basierend auf EnergyFutures.net Cogeneration von Elektrizität und Wärme plus Wärmepumpe Wind Elektrizität Photo-Voltaik Elektrizität Neue Werkstoffe Elektro- Mobilität Plus-Energie- Gebäude Energie- Management in integrierten Netzen Speicher für Elektrizität Wasserkraft Elektrizität Pump- Speicher 2015 2050 2050A 2050B 17 Verluste 16 Fossile 28 Fossile 27 Mobilität 37 Erneuerbare 72 Erneuerbare 21 Nieder-Temp. 17 Hoch-Temp. 11 Licht, Motore 7 Nicht-energ. 9 Verluste 8 Mobilität 7 Nieder-Temp. 15 Hoch-Temp. 10 Licht, Motore 5 Nicht-energ.

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