„nachhaltige technologien 2|2017“
7 6 SCHWERPUNKT FASSADEN 40 Jahren so gewählt, dass er der Lebensdauer von Fassadenelementen entspricht. Vorteile von Fassadenintegration und Vorfertigung Durch die minimalinvasive Sanierung können die Bewohner während der Sanierungszeit in ihren Woh- nungen bleiben. Ein weiterer zentraler Vorteil ist die In- tegration der Versorgungsstränge in das vorgefertigte Fassadenelement. Dadurch müssen die Rohrleitungen nicht aufwändig im Gebäude neu verlegt werden. Wei- ters führt die bewusste Doppelnutzung von einzelnen Bauteilen zu Synergien und somit zu Kostenreduktions- potenzialen (z. B. sind Energieumwandlungselemente wie Solarthermie und Photovoltaik gleichzeitig auch Witterungsschutz). In den angestellten ökonomischen Gesamtbetrachtungen wurden diese Vorteile mit berücksichtigt. Beim Sanierungsstandard HWB 15 liegen die Lebens- zykluskosten der Konzepte „PV + zentrale WP“ und „PV direkt“ für die meisten der untersuchten Varianten unterhalb der Lebenszykluskosten der Referenzsa- nierung, beim Konzept „PV + zentrale WP“ liegt das Optimum bei rund 100 m² PV-Fläche, während beim Konzept „PV direkt“ die Kosten mit der installierten PV-Fläche kontinuierlich ansteigen (siehe Abbildung). Neben den Kosten für eine Sanierungsvariante ist aber gleichzeitig die eingesparte Primärenergie zu berück- sichtigen und diese liegt bei HWB 15 ca. zwischen 50 % und 70 %, bei HWB 30 ca. zwischen 40 % und 63 %. Bei den beiden dezentralen Konzepten sind jeder Wohnung PV-Flächen zugeordnet, die einen Teil des Strombedarfs decken können. Für jedes Konzept wur- den unterschiedliche PV-Flächen betrachtet, die sich an den tatsächlich am Gebäude vorhandenen Flächen orientieren. Die kleinste Fläche beinhaltet nur die Südfassade, dann werden sukzessive die Ost- und die Westfassade sowie die Dachflächen hinzugenommen. Simulationen Für die Referenzsanierung eines Gebäudes mit 12 Wohnungen und 680 m² Wohnfläche wurden zwei ver- schiedene energetische Standards betrachtet: HWB 30 kWh/m² BGF a (sehr guter Niedrigenergiestandard) und HWB 15 kWh/m² BGF a (Passivhausstandard). Als Referenzanlage für die Raumheizung wurde eine zentrale Gas-Brennwerttherme vorgesehen. Die Warmwasserbereitung erfolgt über elektrisch beheizte Speicher (150 l pro Wohnung). Für beide thermischen Sanierungsstandards wurden die Primärenergieeinsparungen für die verschiedenen Konzepte mit unterschiedlichen PV-Flächen (für die WP auch ohne PV) im Vergleich zur jeweiligen Refe- renzsanierung ermittelt. Um die Konzepte auch im Hinblick auf wirtschaftli- che Konkurrenzfähigkeit gegenüber konventionellen Sanierungen zu bewerten, wurden die Lebenszyklus- kosten ermittelt. Der Betrachtungszeitraum wurde mit Primärenergieeinsparung, % Lebenszykluskosten, € € 850.000 € 800.000 € 750.000 € 700.000 € 650.000 € 600.000 € 550.000 € 500.000 € 450.000 100 0 200 300 400 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% HWB 15: Lebenszykluskosten HWB 30: Primärenergieeinsparung HWB 30: Primärenergieeinsparung HWB 30: Lebenszykluskosten HWB 30: Lebenszykluskosten Referenzsanierung HWB 15: Lebenszykluskosten Referenzsanierung Exemplarischer Vergleich der Primärener- gieeinsparungen und der Lebenszyklus- kosten zweier Sanierungskonzepte. Beim Sanierungsstandard HWB 15 liegen die Lebenszykluskosten der Konzepte „PV + zentrale WP“ und „PV direkt“ für die meisten der untersuchten Varianten unterhalb der Lebenszykluskosten der Referenzsanierung. Die Primärenergie- einsparung gegenüber der Referenzsanie- rung liegt für HWB 15 je nach Variante zwischen 50 % und 70 %. „Abgestimmte Gesamtkonzepte für den Geschoßwohnbau, die eine schnelle, effiziente und kostengüns- tige Sanierung ermöglichen, sind für Kunden von hoher Relevanz. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Vaillant GmbH unter anderem mit speziellen Entwicklungen und neuen Ansätzen zur Integration von hoch- effizienter und erneuerbarer Heizungstechnik in die Gebäude. Aufgrund des dafür notwendigen integralen Systemansatzes sind für uns Forschungspartner wie z.B. AEE INTEC, die über spezifische Kompetenzen im Bereich der Gebäudetechnik als auch im Bereich der Bauphysik verfügen, von großer Wichtigkeit.“ Frank Salg, Head of Technology Development, Vaillant GmbH Zentrale WP + PV PV Fläche, m 2 PV direkt
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