„nachhaltige technologien 2|2017“

Bau und Test von Fassadenelementen Für vielversprechende Konzepte wurden funktionelle Bauteilentwürfe zur Zusammenführung von Gebäude- technikelementen und hochwärmegedämmten Holz- tragsystemen erstellt und hinsichtlich architektoni- scher, bauphysikalischer und funktioneller Anforde- rung untersucht. Ein erstes Funktionsmuster einer eingeschoßigen Modellfassade mit einem Fenster- element, einem Gebäudetechnik-Versorgungsschacht und einem PV-Modul (siehe Titelbild) wurde gefertigt und auf unterschiedlichen Prüfständen hinsichtlich Eignung untersucht. Dabei beinhaltet der Gebäude- technik- Versorgungsschacht neben den Verteilleitun- gen für Raumheizung sowie Kaltwasser und Abwasser- strängen eine hinsichtlich der Geometrie speziell entwickelte Solewärmepumpe und die zugehörigen Soleleitungen. Die Modellfassade wurde verschiedenen Tests unterzo- gen, z. B. wurden die Luftschalldämmung des gesam- ten Moduls, die Schallintensität bei eingeschalteter Wärmepumpe, die Luftdurchlässigkeit und die Schlag- regendichtheit geprüft. Alle Testergebnisse sind soweit zufriedenstellend, kleinere Verbesserungspo- tenziale in Bezug auf die Aufhängung der Wärme- pumpe zeigten sich bei der Schallintensitätsmessung bei eingeschalteter Wärme- pumpe, da es hier zu Körper- schallübertragung auf das Fensterelement kam. Opti- mierungsvorschläge hierzu liegen aber bereits vor. Dipl.-Ing. Dagmar Jähnig, M.Sc. und Dipl.-Ing. Thomas Ramschak sind wissenschaftliche Mitarbeiter, d.jaehnig@aee.at Prok. Ing. Christian Fink ist Leiter des Bereichs Thermische Energietechnologien und hybride Systeme bei AEE INTEC. Dr. Bettina Nocke war bis März 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bereichs Thermische Energietechnologien und hybride Systeme bei AEE INTEC. Dipl.-Ing. David Venus ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dipl.-Ing. Dr. Karl Höfler ist Leiter des Bereichs Bauen und Sanieren bei AEE INTEC. Danksagung: Das Projekt „Vorgefertigte Fassadenelemente mit maximal integrierten HVAC-Komponenten und –systemen zur Bestandssanierung“ wurde im Rahmen des Forschungs- und Technologie- programmes e !MISSION.at – Energy Mission Austria des österreichischen Klima- und Energiefonds gefördert. Forschungsteam: AEE INTEC (Koordinator) TU Graz – Labor für konstruktiven Ingenieurbau TBH Ingenieur GmbH Nussmüller Architekten ZT GmbH Kulmer Holz-Leimbau GesmbH Vaillant GmbH Schallintensitätsmessung im Terzfrequenzband 200 Hz, roter Bereich: Fensterelement, Mitte Versorgungsschacht mit Wärmepumpe. Schallintensität in dB mit der Referenzgröße 1e-12 W/m² Quelle: TU Graz „Die Firma Kulmer Holz-Leimbau GesmbH ist ein produzierendes Holzbauunternehmen aus dem Raum Gleisdorf. Neben den Leistungsfeldern in der Realisierung von Hoch- und Ingenieursbauwerken von der Planung über die Produktion bis hin zur Montage liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit in der Sanierung von Wohngebäuden mit Holzfertigteilen. Hier konnten in den letzten Jahren zahlreiche innovative Pro- jekte umgesetzt werden. Durch die Zusammenarbeit mit AEE INTEC wurde insbesondere die Integration von Haustechnikkomponenten in die Fassade an mehreren Objekten verwirklicht. Durch die gemeinsame stetige Weiterentwicklung möchten wir unsere Vorreiterrolle in diesem Sektor ausbauen.“ Christian Liebminger, Projektleiter bei Kulmer Holz-Leimbau GesmbH Ausblick Sowohl die Ergebnisse aus den theoretischen Untersu- chungen als auch die Erkenntnisse aus den Arbeiten an den Funktionsmustern haben im gegenständlichen Forschungsprojekt gezeigt, dass die Kopplung von Bau- technik und Gebäudetechnik in vorgefertigten Fassa- denelementen ein hohes Potenzial besitzt, herkömmli- che Sanierungsabläufe entscheidend zu vereinfachen, Kosten zu reduzieren und den Primärenergiebedarf deutlich zu senken. Neben dem Geschoßwohnbau sind aber auch andere großvolumige Gebäudetypen (Hotels, Heime, Bürogebäude, etc.) durchaus prädestiniert für den Einsatz hochintegrierter und vorgefertigter Fassadenelemente. Essentiell dabei sind der interdis- ziplinäre Zugang und die konsequente Betrachtung der Kosten über den gesamten Lebenszyklus. Unterstützt durch weiterführende Forschungs- und Demonstrati- onsprojekte kann dieser Ansatz einen zentralen Beitrag zur Steigerung der Sanierungsrate und somit zur Errei- chung der Klimaschutzziele leisten.

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