„Nachhaltige Technologien 2 | 2022"

Labor“, ein nationales schwedisches Labor, das Wissenschaftlern Röntgenstrahlen für die Forschung zur Verfügung stellt. Die andere Forschungseinrichtung ist die „European Spallation Source (ESS)“, eine mul- tidisziplinäre Forschungseinrichtung, der 13 europäische Länder angehören. Das Versorgungsnetz in Brunnshög ist Teil einer Vereinbarung, die 2013 zwischen der Gemeinde Lund und den lokalen Infrastrukturanbietern geschlossen wurde. Kraftringen ist der kommunale Energieversorger in der Region Lund, der auch Eigentümer und Betreiber dieses Niedertemperatur-Wärmeverteilungsnetzes ist. Die erste Wärmelieferung aus dem Niedertempe- raturnetz erfolgte im September 2019. Im Endausbau kann die jährlich verfügbare Abwärme aus den For- schungslabors auf etwa 200-250 GWh pro Jahr geschätzt werden. Allerdings wird der erwartete Wärmebedarf der Gebäude im Jahr 2035 nur 23 GWh betragen. Die Herausforderung ist daher, diese überschüssige Wärme im bestehenden Fernwärmesystem von Lund zu nutzen und ist Teil laufender Projekte. Für alle Neubauten wird der Gebäudestandard in Brunnshög auf Nearly Zero Energy Building (NZEB)- Niveau liegen. Der erwartete spezifische Gebäude- wärmebedarf für die Planung des Wärmeverteilnetzes beträgt 36 kWh/m 2 /a. Das Verteilnetz ist für eine Vorlauftemperatur von 65 °C und eine Rücklauftem- peratur von 35 °C ausgelegt. Es wird eine klassische Netzkonfiguration mit zwei parallelen Leitungen und einer Übergabestation in jedem Gebäude geben. Die gewählte Vorlauftemperatur ist die Mindestvorlauf- temperatur, mit der die schwedische Gesetzgebung bezüglich der Legionellenthematik im Warmwasser- zirkulationssystem der angeschlossenen Gebäude m Rahmen des „District Heating and Cooling Colla- boration Programme“ der Internationalen Energie- agentur wurde ein Projekt (IEA DHC Task TS2 1 ) gestartet und mittlerweile abgeschlossen, um konkrete Infor- mationen zu liefern, damit die Einführung von Nieder- temperatur-Fernwärmesystemen (NTFW) einfacher möglich wird. Am Projekt nahmen insgesamt acht Nationen mit insgesamt 15 Partnern, darunter auch österreichische Institute, teil. Im Laufe des Projekts wurden weltweit über 165 Implementierungen identi- fiziert, die bestätigen, dass Niedertemperatur-Fern- wärmesysteme ein globaler Trend sind. Eine Reihe von Fallstudien wurde im Detail untersucht. Der Reifegrad der Fallstudien war unterschiedlich und reichte vom Labormaßstab bis zur vollständigen Umsetzung. Aus diesen Fallstudien wurden dann Best Practices und Faktoren, die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit bei der Implementierung von NTFW-Systemen stark beein- flussen, abgeleitet. Die Ergebnisse der Untersuchungen sowie die Fallstudien wurden in einem Guidebook zusammengefasst 1 . Fallstudie Brunnshög in Lund, Schweden Ein prominentes Beispiel wurde in Lund, Schweden, umgesetzt. Die Entwicklung der Stadt Lund ist stark von der Entwicklung der Universität Lund beeinflusst. So soll die Stadt in mehreren Schritten bis 2035 um ein neues großes Wohngebiet namens Brunnshög im Nordosten der Stadt erweitert werden. Die erste Phase wird 110 Hektar und eine Gebäudefläche von 0,64 Millionen m 2 umfassen. Innerhalb dieses Ent- wicklungsgebietes wurden zwei große Forschungsein- richtungen angesiedelt. Die erste ist das „MAX IV- Implementierung von Niedertemperatur- Fernwärme Kristina Lygnerud 1 Weitere Infos unter https://www.iea-dhc.org/the-research/annexes/2017-2021-annex-ts2. Das entwickelte Guidebook ist hier auch zu finden. Guidebook zur Implementierung von Niedertemperatur-Fernwärme Quelle: IEA DHC Annex TS2 1 I 15 14 WÄRMENETZE IM WANDEL

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