„nachhaltige technologien 02 | 2023"

doppelung in der Fernwärmeversorgung bedeutet. Der Anteil an regenerativen Energiequellen in der Fernwärmerzeugung ist dabei mit Ausnahme von Skandinavien noch sehr gering. Gegenwärtig wird die benötigte Wärme in Städten überwiegend zentral mit wenigen Erzeugungsanla- gen bereitgestellt. Zukunftssichere Lösungen ermög- lichen es, lokale Ressourcen mit einem hohen Anteil an regenerativen Energiequellen (Solarthermie, Geothermie, Umweltwärme, Abwärme, Kombination mit Wärmepumpentechnologien und Speichern) zu erschließen und diese in einem nachhaltigen Trans- formationsprozss (Dekarbonisierungs-Roadmap) in bestehende Wärme- und Kältenetze zu integrieren. Parallel zur richtigen Kombination der technischen Lösungen müssen die notwendigen regulatorischen und organisatorischen Hemmnisse durch eine aktive Integration von Stakeholdern, neue Innovations- und Geschäftsmodelle, nachhaltige Finanzierungsmög- lichkeiten und rechtlich-politische Rahmenbedingun- gen adressiert werden. EU-Projekt RES-DHC Das Projekt RES-DHC befasst sich mit den vielfäl- tigen Herausforderungn der Marktakzeptanz zur Erreichung eines höheren Anteils an regenerativen Energiequellen in städtischen Fernwärme- und Kältenetzen und beschäftigt sich insbesondere mit der Entwicklung von Lösungen und Instrumenten zur Förderung von Umsetzungsprojekten und der lang- fristigen Steigerung der regionalen Wertschöpfung und Klimaneutralität in den Städten. ie ehrgeizigen europäischen Ziele, die Treib- hausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren, lassen sich nur duch eine konsequente Steigerung der Energieeffizienz und durch den nach- haltigen Ersatz fossiler Energieträger mit erneuerba- ren Alternativen erreichen. Städtische Wärme- und Kältenetze basierend auf erneuerbaren Energien können zum Gelingen der Wärmewende in urbanen Gebieten beitragen. Sechs europäische Regionen haben im EU-Projekt RES-DHC „Renewable Energy sources for district heating and cooling“ Strategien, Maßnahmen und Aktivitäten für verbesserte Rah- menbedingungen, technische Realisierungskonzep- te, einen besseren Zugang zu Anlagenfinanzierung und Geschäftsmodellen entwickelt, um bestehende urbane Fernwärme und -kältenetze auf einen ho- hen Anteil an erneuerbaren Energien umzustellen und die Akzeptanz zu verstärken. Insgesamt wurden 38 Maßnahmen in den sechs Regionen identifiziert und mit der Umsetzung gestartet. Rahmenbedingungen für städtische Fernwärme Im Wärme- und Kältesektor bieten vor allem die vor- handenen Fernwärme- und Kältenetze in Europa ein enormes Potential urbane Regionen mit klimaneut- raler Wärme zu versorgen und eine nachhaltige Ver- sorgungssicherheit und Wertschöpfung in der Region zu gewährleisten. Derzeit werden etwa 60 Millionen Menschen in der EU mit Fernwärme versorgt, sodass der Versorgungsgrad mit Fernwärme von 20 Prozent in Zentraleuropa bis über 50 Prozent in Nordeuropa liegt. In Österreich ist ein ökonomisches Potenzial bis zu 50 Prozent 1 erreichbar, was nahezu eine Ver- D Dekarbonisierungsstrategie für städtische Wärme- und Kältenetze Carina Seidnitzer-Gallien, Michael Salzmann, Ingo Leusbrock, Stefan Thalmann, Laure Deschaintre 1 Büchele, R., et.al. (2021): Potenzial für eine effiziente Wärme- und Kälteversorgung, Wien. Solares Großspeicherprojekt HELIOS zur rege- nerativen Fernwärmeversorgung der Stadt Graz – Endausbau mit 8.400 m² Kollektorfläche bis 2023/2024 geplant Foto: Energie Graz 19 18 ENERGIEWENDE IN STÄDTEN UND GEMEINDEN

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