„nachhaltige technologien 02 | 2025"
Durch die Verwendung der R-Grundsätze lassen sich für die Produktion vier grundlegende zirkuläre Stra- tegien definieren. Ermöglichung von Kreisläufen Diese Strategie berücksichtigt die Zirkularität bereits bei der Produkterstellung, nämlich in der Planung, der Entwicklung beziehungsweise dem Design der Produkte und Komponenten (z. B. Verwendung um- weltfreundlicher Inputs, Anwendung von Ökodesign). Hier spielen vor allem die Prinzipien Rethink (Neu denken, zirkuläre Produkte designen und intensiver nutzen) sowie Reduce (Reduktion des Verbrauchs natürlicher Ressourcen) eine wesentliche Rolle, wodurch weitere zirkuläre Prinzipien und Strategien ermöglicht werden. Ein sogenanntes Good Practice- Beispiel hierfür ist der größte heimische Produzent für Ziegelmauerwerke und keramische Dachsysteme, Wienerberger. Das Unternehmen berücksichtigt bereits bei der Entwicklung der Produkte bzw. in der Design-Phase die Rückführbarkeit – so wurde eine 90-prozentige Wiederverwendbarkeit bzw. Rezyklierbarkeit der Neuprodukte durch Analysen und entsprechender Festlegung von Designkrite- rien erreicht. Daraus entstand beispielsweise der Fassadenziegel „ClickBrick“, welcher ohne Mörtel in den Fassadenverbund gebracht wird und daher leicht zurückgebaut und anschließend wiederverwendet werden kann. Zusätzlich werden recycelte Rohstoffe in den Produktionsprozess eingebracht und mit Computersimulationen eine gleichbleibende Quali- tät und Effizienzsteigerung mit 10 Prozent weniger Materialeinsatz erreicht. Schaffung neuer Kreisläufe Dies ist eine weitere Strategie der Produkterstel- lung und bezieht sich vor allem auf Material- bzw. Produktsubstitutionen von bisher nicht vorhandenen Kreisläufen. Dies kann beispielsweise bei industriel- len Synergien Anwendung finden, wo ein Abfall- bzw. Nebenprodukt eines produzierenden Unternehmens von einem anderen Unternehmen als Inputfaktor für dessen Produktion verwendet wird, wodurch Abfall vermieden, Ressourcen eingespart und Kostenvor- teile genutzt werden können. Ein österreichisches Beispiel mit Good Practice-Charakter ist hierbei die Kooperation zwischen der Privatbrauerei Stiegl und dem Start-Up easyVEGAN. Es wurde eine innovative Möglichkeit entwickelt, um den Reststoff aus der Bierherstellung als Rohstoff für Fleischalternativen zu verwerten. Hierbei wird der als Nebenprodukt anfallende Biertreber von Stiegl durch easyVEGAN für pflanzenbasierte Treberburger und Treberbällchen in den Lebensmittelkreislauf geführt. Bislang bestand die Herausforderung, den Biertreber innerhalb eines kurzen Zeitfensters zu verarbeiten, um ein Verderben zu vermeiden, weshalb die rund 19.000 Tonnen jährlich als Futtermittel in der Landwirtschaft genutzt wurden. Verlängerung von Kreisläufen Bezogen auf die Produktnutzung mit Fokus auf den möglichst langen Erhalt des Wertes eines Produkts bzw. von Komponenten, steht diese Strategie in Verbindung zu den Prinzipien der Wiederverwendung (Reuse), Reparatur (Repair) und Wiederaufbereitung (Refurbish und Remanufacture). Produzierende Unternehmen können eine erhöhte Wertschöpfung erzielen, wenn geeignete Geschäftsmodelle etabliert und beispielsweise eigene Produktmodelle wieder zum Hersteller rückgeführt werden, um deren Kom- ponenten in neue Modelle einzuarbeiten. Diese Vor- gehensweise sollte in Kombination mit dem Design der Produkte (Kreisläufe ermöglichen) erfolgen. Ein Good Practice-Beispiel ist hierbei der österreichi- sche Büromöbelhersteller Wiesner-Hager. Dieser hat eine Kreislaufstrategie inklusive Designkriterien und Rücknahmesystem für gebrauchte Büromöbel entwickelt, um deren Bestandteile wiederzuverwen- den, Materialressourcen einzusparen und den CO 2 - Ausstoß zu reduzieren. Die Möbelstücke werden von Wiesner-Hager nach einer gewissen Nutzungsdauer zurückgenommen, in die einzelnen Komponenten zerlegt, wiederverwendbare Teile aufbereitet, für neue Möbelstücke eingesetzt und anschließend als Refurbed-Produkte wiederverkauft. Je nach Produkt können dadurch bis zu 80 Prozent an Materialeinsatz eingespart werden. 1 Pöchhacker Innovation Consulting GmbH (2024) im Auftrag des BMK: Betriebliche Anwendungsfelder der Kreislaufwirtschaft in der Produktion. Good Practice Sammlung 2 Potting J, Hekkert M, Worrell E, Hanemaaijer A, 2017. Circular Economy: Measuring innovation in product chains. PBL Netherlands Environmental Assessment Agency, The Hague Abbildung 1: Grundsätze der Kreislaufwirtschaft Quelle: BMK 1 basierend auf Potting et al. 2 Refuse Überflüssig machen Rethink Neu denken und zirkulär designen Reduce Reduzieren Reuse Wiederverwendung Repair Reparatur Refurbish Verbessern Remanufacture Wiederaufbereiten Repurpose Anders weiternutzen Recycle Recycling Recover Thermische Verwertung 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Intelligente Nutzung und Herstellung von Produkten und Infrastruktur ZUNEHMENDE ZIRKULARITÄT Verlängerte Lebensdauer von Produkten, Komponenten und Infrastruktur Wiederverwerten von Materialien 7 6 IM KREIS GEDACHT - WEGE ZUR ZIRKULÄREN WIRTSCHAFT
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