„nachhaltige technologien 02 | 2026"

Im Projekt wurden zusätzlich die Auswirkungen der Optimierungsmaßnahmen auf Beschäftigung und inländische Wertschöpfung untersucht. Grundlage war eine Wertschöpfungskettenanalyse mit dem multiregionalen Input-Output-Modell GLOB-IO, das 77 Länder und 45 Wirtschaftssektoren umfasst. Es verknüpft Investitionen und Betriebsausgaben der Wärmenetze mit wirtschaftlichen Folgewirkungen. Neben direkten Effekten werden auch indirekte Effekte durch Nachfrage nach Vorleistungen entlang vor- und nachgelagerter Branchen sowie induzierte Effekte durch veränderten Haushaltskonsum berücksichtigt. Die Integration von Betriebsdaten und wirtschaftlichen Statistiken sorgt für eine hohe Detailtiefe und eine realitätsnahe Abbildung; als Preisbasis diente das Jahr 2025. Ergebnisse der ökologischen und ökonomischen Bewertung In Saalfelden wurden mehrere Maßnahmen umge- setzt: die Integration einer Rauchgaskondensations- anlage in Kombination mit einer Wärmepumpenkas- kade zur Leistungssteigerung des Biomassekessels, die Optimierung des Kesselbetriebs durch einen thermischen Speicher sowie eine CO-Lambda-Re- gelung in Kombination mit einem Netzausbau und Anschluss zusätzlicher Gebäude. Dadurch kann das Treibhauspotenzial um 70% von 2.047 Tonnen auf 597 Tonnen CO 2 -Äquivalent reduziert werden. Der Großteil dieser Einsparung ist auf die Stilllegung fossiler Heizsysteme in den neu an das Wärmenetz angeschlossenen Gebäuden zurückzuführen, zudem verringerte sich der Betrieb des Gaskessels im Heiz- werk deutlich. Der fossile Primärenergieverbrauch verringert sich in einer ähnlichen Größenordnung, zugleich sinkt auch der gesamte Primärenergiever- brauch um 8%. Die Investitionen führen zu einer zusätzlichen jährlichen inländischen Wertschöpfung von rund 600.000 Euro. Auch der Beschäftigungs- effekt in Österreich ist leicht positiv. Über die Nutzungsdauer ergibt sich aus der Investition eine Reduktion der CO 2 -Emissionen von rund 800 kg pro 1.000 Euro Investition. In Wald im Pinzgau wurden ein Pufferspeicher, eine Wärmepumpe, mit der die Abwärme einer benachbar- ten Wasserkraftturbine genutzt werden kann, sowie ein elektrischer Durchlauferhitzer installiert. Dadurch kann das Treibhauspotenzial um 45% von 193 auf 105 Tonnen CO 2 -Äquivalent reduziert werden. Diese Einsparung ist hauptsächlich auf die Stilllegung des Ölkessels als Ausfallreserve und während der Revisionszeiten des Biomassekessels zurückzuführen. Der fossile Primärenergieverbrauch verringert sich in einer ähnlichen Größenordnung, zugleich sinkt auch der gesamte Primärenergieverbrauch um 2%. Die getätigten Investitionen führen zu einem Anstieg der jährlichen Wertschöpfung in Österreich Biomassekessel im Wärmenetz Kreuzstetten Foto: Klimafonds / Krobath Die Bilanz von CO 2 -Aufnahme im Waldwachstum und Freisetzung bei der Verbrennung wird in der Lebenszyklusanalyse seit Jahren diskutiert. Dabei spielt die zeitliche Verzögerung zwischen Aufnahme und Emission („Carbon Debt“) eine wichtige Rolle. Relevant ist dies vor allem auf Ebene einzelner Waldbestände. Auf Landschaftsebene kann ein nach- haltig bewirtschafteter Wald mit unterschiedlichen Altersklassen langfristig stabile Kohlenstoffspeicher erhalten. EU- und nationale Regelungen verlangen daher, dass Waldkohlenstoffvorräte nicht dauerhaft sinken. Das GHG Protocol als global wichtigster Standard für die Klimabilanzierung wird die Me- thodik für die Forstwirtschaft voraussichtlich erst nach 2027 veröffentlichen. Aufgrund der komplexen Modellierung realer Waldsysteme wurde im BM- Retrofit-Projekt ein vereinfachter symmetrischer Ansatz zur CO 2 -Bilanzierung gewählt. Methodik der Bewertung Die Optimierungsmaßnahmen der drei Wärmenetze wurden hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Treib- hausgasemissionen und Primärenergieverbrauch über den gesamten Lebenszyklus untersucht. Ver- glichen wurde jeweils ein Betriebsjahr vor und nach Umsetzung der Maßnahmen, bezogen auf dieselbe gelieferte Wärmemenge als funktionelle Einheit. Für die Analyse wurden Daten zu Energie- und Materi- aleinsatz, Anlagenkennwerten und Wärmelieferung aus Monitoring und Simulationen herangezogen. Er- gänzend flossen Hintergrunddaten aus der Datenbank ecoinvent und Literatur ein. Bewertet wurde nach den Methoden EU Environmental Footprint (EF 3.1) und Cumulative Energy Demand (CED).

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