„nachhaltige technologien 3|2016"
EE INTEC und REENAG entwickelten mögliche Umsetzungen von erneuerbaren Energien- und Energieeffizienzmaßnahmen für Österreichs Auto- bahninfrastruktur. Darunter fallen 2.200 Straßenki- lometer, 125 Tunnel, zahlreiche Park- und Rastplätze sowie Autobahnmeistereien und Bürostandorte. Energieverbrauch Status quo In einer Vorstudie wurden die Energieverbräuche der verschiedenen Verbrauchssektoren nach Energieträ- gern aufgeschlüsselt. Die Tunnelstandorte haben einen jährlichen Stromverbrauch von 82,9 GWh/Jahr und sind damit der größte Energieverbraucher der ASFINAG (44%). Daneben sind die Standorte mit Heiz- und Strombedarf sowie die Betriebsflotte mit Treib- stoffbedarf die wesentlichen Verbrauchssektoren. Im Folgenden soll im Detail auf die Tunnelstandorte als größtem Energieverbraucher eingegangen werden. Die Studie umfasste jedoch auch Umsetzungspoten- ziale für Rastplätze und Autobahnmeistereien. Potenziale von erneuerbaren Energieträgern für Tunnelstandorte Der Strombedarf der rund 125 Autobahn-Tunnel in Österreich setzt sich vor allem aus Beleuchtung und Belüftung zusammen. Der Einsatz von erneuerbaren Energieformen, vor allem von Photovoltaik (PV), ist deshalb günstig, weil der Bedarf tagsüber steigt, und weil nachts die Beleuchtung gedimmt werden kann. Ein hoher Eigenverbrauchsanteil und eine gute Wirtschaftlichkeit sind dadurch möglich. Konkret wurde für die Tunnelstandorte der Einsatz von Windkraftanlagen, Kleinwasserkraftwerken und Photovoltaik-Anlagen evaluiert. Unterschiedliche Vor- studien in den einzelnen Teilen sollten genutzt werden. Wind Das mögliche Windertragspotenzial wurde mittels dem Global Wind Atlas [1] für verschiedene Standorte abgeschätzt und eine Vorauswahl getroffen. Für die ausgewählten 20 Standorte wurde mittels Scoring System mit folgenden Kriterien eine Umsetzbarkeit überprüft: • Genehmigungssituation lt. Raumordnung • Geeignete Eigenflächen vorhanden • Eigener Energiebedarf lokal gegeben • Standortbedingte Errichtungskosten Das Scoring-System ergab ein näher zu untersuchen- des Potenzial für Gleinalmtunnel, Pfändertunnel, Tauerntunnel, Plabutsch und Neumarkt (OÖ). Es wurden auch verschiedene innovative Formen der Windkraftnutzung evaluiert. Die Einbettung von Windturbinen in Brücken kann zwar optisch anspre- chend gelöst werden, allerdings waren Sicherheits- bedenken bezüglich der Statik ein K.o.-Kriterium für eine Umsetzung in bestehenden Brückenbauten. Für die Nutzung des Kolbenschub-Effekts gibt es im Ver- suchsstadium befindliche Ansätze mit Technologien, die durch die Schwingung eines Kunststoffbands oder eines Kunststoffstabes Strom induzieren. Der Kamin- effekt in vertikalen Tunnelschächten liegt nur bei 2 m/s, sodass er als weitere Windenergiequelle nicht in Betracht kommt. Wasser In diesem Teil der Untersuchung wurden auf der Grundlage einer bereits der ASFINAG vorliegenden Machbarkeitsstudie die verfügbaren Kleinwasser- kraftpotenziale im unmittelbaren räumlichen Umfeld A Foto: ASFINAG ASFINAG - Energieeffizienz und Erneuerbare Energien Wolfgang Glatzl, Christoph Brunner, Lorenz Artaker, Winfried Braumann, Thomas Steiner, Andreas Fromm
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