„nachhaltige technologien 3|2016"
Dipl.-Ing. Wolfgang Glatzl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bereichs Industrielle Prozesse und Energiesysteme – IPE bei AEE INTEC . w.glatzl@aee.at Dipl.-Ing. Christoph Brunner ist Leiter des Bereichs Industrielle Prozesse und Energiesysteme bei AEE INTEC . c.brunner@aee.at Lorenz Artaker MMSc ist Senior Project Manager der REENAG Holding. Dr. Winfried Braumann ist Managing Director der REENAG Holding. Dipl.-Ing. Thomas Steiner ist Nachhaltigkeitsbeauftragter der Abteilung Technische Koordination der ASFINAG Holding. Dipl.-Ing. Andreas Fromm ist Leiter der Abteilung Technische Koordination der ASFINAG Holding. Potenziale von erneuerbaren Energieträgern bei Rastplätzen und Autobahnmeistereien In einer Studie der Universität für Bodenkultur Wien wurde sehr detailreich das Potenzial der Biomasse der Autobahnbegleitflächen erhoben [2]. Die Ergeb- nisse der Studie wurden übergeleitet in ein internes Nutzungskonzept, bei dem Eigenholz (Biomasse der Autobahnbegleitflächen) in Biomasse-Heizungen von nahen Autobahnmeistereien genutzt werden können. Außerdem wurde unter Berücksichtigung des jetzigen Energieverbrauchs der Rastplätze der Einsatz von Photovoltaik und Solarthermie in verschiedenen Va- rianten und Kombinationen überprüft und berechnet. Darüber hinaus wurde mit Vorstand und Nachhaltig- Zusammenfassung und Ausblick In Summe beträgt das mittelfristig umsetzbare Po- tenzial an Energieerzeugung bzw. -einsparung 25.311 MWh/a. Bezogen auf den derzeitigen, für den Betrieb von Österreichs Autobahninfrastruktur notwendigen Endenergieverbrauch von 187.870 MWh/a sind das Ein- sparungen von 13,5%. Darüber hinaus wurden mit der ASFINAG langfristige Strategien für ein nachhaltiges und innovatives Ener- gie- und Ressourcen-Konzept erarbeitet. Aufgrund des Netz-Charakters der hochrangigen Straßeninfrastruk- tur ergeben sich neue Chancen für eine intelligente Verschränkung mit den Energienetzen der Zukunft. Die mögliche Nutzung dieser Infrastruktur für zukünf- tige Konzepte der Elektro- oder Wasserstoff-Mobilität stellt für die ASFINAG große Herausforderungen, aber auch große Chancen dar. Aus der Analyse der PV-Standorte ergeben sich vier konkrete Handlungsempfehlungen: Tunnelstandorte mit guter solarer Einstrahlung und genügend Flächenangebot für eine PV-An- lage. Zusätzlich handelt es sich tendenziell um mittlere und größere PV-Anlagen, was sich posi- tiv auf die spezifischen Kosten auswirkt. Zur zweiten Gruppe gehören ebenfalls sehr at- traktive Standorte mit großer möglicher PV-Flä- che. Allerdings sollten hier zusätzliche Flächen identifiziert werden, um das gute Potenzial bes- ser auszunutzen. In der dritten Gruppe befinden sich viele kleine Tunnel, die in der Grafik eine untergeordnete Rolle zu spielen scheinen. Allerdings kann de- ren Potenzial erheblich gesteigert werden, wenn man die 100%-Eigenverbrauchs-Prämisse lockert und eine teilweise Einspeisung in das Stromnetz in Kauf nimmt. Die Standorte dieser Gruppe haben solare Ein- strahlungswerte von unter 1.000 kWh/kWpeak und sollten deshalb nicht primär mit einer PV- Anlage ausgestattet werden. Umsetzen! Weitere Flächen suchen! Einspeisung forcieren! Abwarten! keitsteam der ASFINAG der abstrakte Ansatz disku- tiert, dass die Rastplätze eine weitaus bedeutendere Rolle für die Energiezukunft Österreichs spielen könnten. Aufgrund ihrer Verteilung entlang des hoch- rangigen Straßennetzes in ganz Österreich könnten die ASFINAG Rastplätze eine ideale Infrastruktur für ein flächendeckendes Ladestationen-Netz für Elekt- roautos darstellen. Dadurch muss auch der Einsatz von erneuerbarer Energieformen wie Photovoltaik neu überdacht und berechnet werden. Zum anderen fällt an den Rastplätzen ein erheblicher Anteil an Abwässern aus WC-Anlagen an, wobei der in diesem Abwasser enthaltene Stickstoff in konventio- nellen Abwasserreinigungsanlagen für hohe Energie- kosten sorgt. Durch Nutzung dieser Stickstoffverbin- dungen in Form von Ammonium könnte der Stickstoff schon vor Einleitung in eine Abwasserreinigungsan- lage gewonnen und als Pflanzennährstoff verwertet werden. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt wollen AEE INTEC und ASFINAG diese Fragestellung näher untersuchen. Quellen: [1] DTU 2016 – Global Wind Atlas www.globalwindatlas.com [2] Universität für Bodenkultur Wien, Interuniversitäres Department für Agrarbiotechnologie 2009 – Erstellung eines Konzeptes zur alternativen Nutzung von Autobahnbegleitflächen
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