„nachhaltige technologien 3|2018“
am Markt. Ein Beispiel dafür ist der österreichische Anbieter aWATTar, der einen dynamischen Stromtarif mit stündlichen Preisen anbietet (aWATTar GmbH., 2018). Die Abbildung zeigt beispielhaft die Tarifinfor- mationen für einen Tag mit stündlicher Auflösung. Die unteren Balken zeigen den Preis pro Kilowattstunde, der jeweils für eine Stunde gilt. Als Zusatzinformation wird im oberen Bereich angezeigt, wie hoch der Ertrag aus erneuerbaren Energiequellen (Wind- und Sonnen- energie) ist. Es ist zu erkennen, dass der Strompreis mit der Erzeugung korreliert – die Energie ist also bei hoher Produktion aus Wind- oder Sonnenenergie billiger. Selbstverständlich wirkt sich auch das allge- meine Verbrauchsverhalten auf den Preis aus, mit entsprechenden Spitzen in den Morgen- und Abend- stunden. Interessant für die Flexibilisierung von Verbrauchern ist, wie groß der Unterschied zwischen teuren und günstigen Stunden ist. Wird beispielsweise eine Kilo- wattstunde anstatt zwischen 8 und 9 Uhr morgens mit einem Strompreis von 6,19 Cent nachts zwischen 3 und 4 Uhr mit einem Strompreis von 3,62 Cent verschoben, beträgt die Einsparung 2,57 Cent. Welche Verbraucher sind flexibel? Die Bandbreite an Energieverbrauchern, die im priva- ten Umfeld für eine Flexibilisierung genutzt werden können, ist sehr breit. Angefangen von Großverbrau- chern wie Wärmepumpen, Elektroautos oder Warm- wasserboiler bis hin zu Haushaltsgeräten stehen Ver- braucher zur Verfügung. Im gewerblichen und industriellen Umfeld können zusätzliche Potenziale zur Verfügung stehen. Verbraucher im Zusammen- hang mit thermischen Prozessen in Gebäuden (Raum- heizung, Klimaanlagen usw.) eignen sich aufgrund der thermischen Trägheit von Gebäuden besonders gut für eine Flexibilisierung, ohne dass ein Komfortverlust für die Nutzer bemerkbar ist. Darüber hinaus sind der Verbrauch und damit das absolute Einsparungspoten- zial dieser Geräte im Vergleich zu beispielsweise Haushaltsgeräten sehr groß. Für das Heben der Potenziale muss der Betrieb dieser Geräte zeitlich in Phasen mit einem niedrigen Ener- giepreis geschoben werden. Dies kann entweder ma- nuell durch die Anpassung des Nutzerverhaltens er- folgen (die Waschmaschine wird bei Sonnenschein und entsprechender Eigenproduktion eingeschaltet) oder aber durch geeignete Technik automatisiert wer- den. Erfahrungsgemäß sollte die Automatisierung bereits in der Planung und Beschaffung berücksich- tigt werden, um teure Nachbauten zu verhindern. Dies kann durch geeignete Geräte mit entsprechenden Schnittstellen sowie durch Automatisierungssysteme erreicht werden, die mit Energieversorgern kommuni- zieren können oder zumindest die Option ei- ner Nachrüstung von Kommunikationsschnitt- stellen besitzen. Optimierungspotenziale Neben dynamischen Energiepreisen können flexible Verbraucher in Gebäuden auch dazu genutzt werden, möglichst viel Energie einer eigenen Erzeugungsanlage (beispielsweise einer PV-Anlage) im Gebäude zu verbrauchen. Dies hat zur Folge, dass weniger Energie aus dem Versorgungsnetz bezogen werden muss und damit die Kosten sinken. Die Erlöse für die Einspeisung über- schüssiger Energie aus PV-Anlagen sind im Allgemei- nen wesentlich niedriger als die Kosten für den Bezug der gleichen Menge Energie aus dem Netz. Den Eigen- nutzungsgrad zu heben bedeutet also, Energiekosten zu senken und damit auch die Amortisationszeit einer PV-Anlage zu verkürzen. In der Modellgemeinde Köstendorf in der Nähe von Salzburg wurde die Eigenverbrauchsquote von 40 Gebäuden (überwiegend Einfamilienhäuser) unter- "Zeit- und lastvariable Tarifsysteme im Strom- und Wärmemarkt sehe ich als einen zentralen Hebel zur Einbindung eines höheren Anteils an Erneuerbaren. Wenn zusätzlich verschiedenste Energieträger wie Fernwärme, Gas, Strom, PV-Anlagen oder Windkraft gekoppelt und zentral gesteuert kombiniert werden, kann der Anteil weiter gehoben werden. Zentral ist jedoch ein Kostenvorteil für den Kunden. Dieser kann aus meiner Sicht vor allem durch eine ausgewogene Besteuerung fossiler Energieträger erzielt werden." Anton Schuller , Klima- und Energie Modellregionsmanager in der Smart City Hartberg Beispiel für dynamischen Strompreis auf Stundenbasis Quelle: aWATTar GmbH., 2018 0 :00 1:00 2:00 3:00 4:00 5 :00 6 :00 7:00 8:00 9:00 10:00 11 :00 12:00 13:00 14:00 15 :00 16:00 17:00 18:00 19 :00 20:00 21:00 22:00 23 :00 0 5 10 15 20 25 30 6.0 5.0 4.0 3.0 2.0 1.0 0.0 Strompreis (Cent/kWh) Windenergie (GW) Sonnenenergie (GW)
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