„nachhaltige technologien 03 | 2025"

17 16 Industrielle Symbiosen in Brauereien Viele Brauereien verfolgen seit Jahren das Ziel, ihre Energieversorgung zunehmend auf erneuerbare Quellen umzustellen und Abwärme oder Reststoffe konsequent zu nutzen. Einzelne Standorte konnten so bereits zeigen, dass sich durch den Einsatz ei- gener Reststoffe, den Bezug erneuerbarer Energien und die Einbindung in industrielle Symbiosen ein weitgehend klimaneutraler Braubetrieb realisieren lässt. Industrielle Symbiose wird hier in der Praxis erprobt und erfolgreich umgesetzt. Im Jahr 2006 wurde in der Brauerei Göss sukzessive mit der Energieumstellung hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung begonnen. Nach der Errichtung einer Biogasanlage zur Abwasservorreingung und Integration des Biogases in den Erdgaskessel wurde 2007 eine Produktionsstätten-übergreifende Fern- wärmeleitung zwischen der Holzverarbeitung Mayr Melnhof und der Brauerei errichtet. Dabei wird in einem Biomassekraftwerk mit Holzrinde Wärme erzeugt, die als Fernwärme über eine rund 800 m lange Leitung zur Brauerei geführt und über Wärme- tauscher in ein Heißwassernetz der Brauerei übertra- gen, welches die Flaschen-, Fass-, und Dosenabfüllung versorgt. Damit wurden 55-60 % der benötigten thermischen Energie aus CO 2 -neutralen Quellen ab- gedeckt. Um diese Zahl weiter zu erhöhen, wurden umfangreiche Projekte gestartet, um interne Effi- zienzmaßnahmen zu erarbeiten und darauf aufbauend erneuerbare Energie im Betrieb optimiert einzubinden. Nutzung organischer Reststoffe In verschiedenen Brauereien wurde zudem erprobt, organische Reststoffe wie Biertreber für die Biogaser- zeugung zu nutzen. Solche Anlagen können die Spit- zenlasten in der Energieversorgung abfedern und den Erdgasbedarf der Produktion erheblich reduzieren. 2015 konnte in Göss eine Monofermentation von Biertreber gemeinsam mit der BDI erfolgreich umgesetzt werden. Bei der Fermentation der Brauerei-Reststoffe in Biogas können ca. 36 MJ/hl Nutzenergie erzeugt werden, (Ba- sis 15.000 t/a Frischtreber bei 900.000 hl Bierausstoß, Umwandlungswirkungsgrade zu Nutzenergie Biogas 90%). Die Biogasproduktion zur Dampferzeugung passt sehr gut zum Energiebedarf der Brauerei. Nach der Umsetzung von Maßnahmen zur besseren Wär- menutzung musste die neue Energieversorgung vor allem schnell auf Spitzenlasten reagieren können, etwa im Sudhaus. Da das Biogas problemlos in die vorhandenen Gasbrenner eingespeist werden kann, eignet es sich dafür besonders gut. Seitdem deckt das aus Abwasser und Treber gewonnene Biogas den gesamten Erdgasbedarf der Brauerei. Seit 2025 wird auch eine Gas-Aufbereitungsanlage betrieben und die Integration des Biogases in das Ferngasnetz rea- lisiert. Die Anlage besteht im Wesentlichen aus vier Teilanlagen. Diese sind die Biogasreinigungsanlage (Aminwäsche), ein Biofilter, die Dampfkesselanlage und eine Gas-Einspeise-Station. Zur Trocknung des gereinigten Biogases ist eine Kälteanlage erforderlich, zur Wärmeversorgung ein Heißwasserkessel. Damit konnte einerseits die Produktionskapazität erhöht werden, und es kann nun auch das Biogas über die Produktionsgrenzen genutzt werden. Sobald an der Brauerei kein Gasbedarf anfällt, wird das Biogas über die Aufbereitungsanlage ins örtliche Gasnetz eingespeist. Somit können 9000 MWh/a dem Gasnetz zur Verfügung gestellt werden. Umstellung auf Heißwasserverteilsysteme Ein weiterer wichtiger Schritt war die weitere Umstel- lung auf Heißwasserverteilsysteme, um neben Fern- wärme auch Solarenergie einbinden zu können. Sämt- liche thermisch versorgten Prozesse in Brauereien arbeiten in einem Temperaturbereich zwischen 35 °C und 105 °C, wodurch eine Integration von Heißwasser- systemen zur Energieverteilung grundsätzlich möglich wird. Eine Umstellung auf eine andere Energiever- sorgung erfordert allerdings eine Neugestaltung der Prozesstechnik bzw. zumindest eine Adaptierung der herkömmlichen Apparate, um Wärmetauscherflächen entsprechend neu auszulegen. Die errichtete thermi- sche Solaranlage mit einer Größe von 1 375 m² und 200 m³ Heißwasserspeichers versorgt in der Brauerei Göss vorranging den Prozess des Maischens. Das Mai- schen steht am Beginn des Bierherstellungsprozesses, es ist ein Prozessschritt des Brauprozesses, bei dem die im Malz enthaltene Stärke enzymatisch in Zucker (Würze) umgewandelt wird. Bei der realisierten solarthermischen Versorgung des Maischprozesses wird Heißwasser bei einer Tempera- tur von 95 °C erzeugt und die darin enthaltene Wärme über innovative Wärmetauscher an die Maische übertragen. Die gesamte Anlage hat eine thermische Spitzenleistung von 1 MW und deckt etwa 30 Prozent der benötigten Energie des Prozesses ab. Energieströme in der Brauerei Göss Quelle: BDI Heißwasser- netz Dampfnetz Dampferzeuger Heißwasser Verlust 683 MWh Wärmeverlust 683 MWh BHKW 530 MWh 5.884 MWh 1.913 MWh 2.253 MWh 2.691 MWh 6.409 MWh 1.122 MWh 9.176 MWh 8.326 MWh 6.923 MWh Grüner Strom Substrate Biogasanlage Biogas ARA Solarwärme Fernwärme INDUSTRIELL-URBANE SYMBIOSEN

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