„nachhaltige technologien 03 | 2025"
eine Temperatur von 18 bis 30 °C an einen Zwi- schenkreis. Bei dieser Temperatur wird die Wärme gespeichert und je nach Bedarf an die einzelnen Gebäude weiterverteilt. Durch diese vergleichsweise niedrige Temperatur werden die Wärmeverluste im Speicher und in den Ringleitungen geringgehalten. In den Heizkellern der einzelnen Gebäude befinden sich dann Wasser/Wasser-Wärmepumpen, die als „Booster“ arbeiten. Sie heben die Temperatur auf das für den Heizkreis oder die Warmwasserbereitung nötige Temperatur. Dabei hat jede Wohnung ihre eigene Booster-Wärmepumpe. Das trägt den indivi- duellen Heizkonzepten der Wohnungen Rechnung. Um im Falle einer Fehlfunktion die vorgeschriebenen Temperaturen für die Warmwasseraufbereitung sicherzustellen, steht ein elektrischer Heizstab als Back-up bereit. Eine Photovoltaik-Anlage in Ost-West- Ausrichtung mit einer Spitzenleistung von 27,7 kW liefert Strom für die Wärmepumpen. Nicht vor Ort genutzter Solarstrom wird ins Netz gespeist. Eine umfassende Messtechnik machte es möglich, alle re- levanten Energieflüsse zu erfassen und auszuwerten. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Energieeffizienz Der für den Endbericht ausgewertete Pilotbetrieb dauerte vom August 2023 bis Juli 2024. Die monatlich gemittelte Außentemperatur lag in diesem Zeitraum zwischen knapp 20 °C und – 1°C. Die zentralen Außenluftwärmepumpen hielten ihre Arbeitszahl auch in den Wintermonaten über 3, über das gesamte Jahr gerechnet kamen sie auf eine Jahresarbeitszahl von 3,5. Die dezentralen Booster- Wärmepumpen kamen auf eine Jahresarbeitszahl von 3,8. Das ist auch der energetischen Sanierung zu verdanken, die für vergleichsweise niedrige Tempe- raturanforderungen in den Wohnungen sorgte. Die monatlich gemittelte Vorlauftemperatur im Heizkreis bewegte sich in der Regel zwischen 40 und 50 °C, die Warmwassertemperaturen lagen nur für die Warm- wasserbereitstellung über 55 °C. Als Jahresarbeitszahl für das Gesamtsystem ergibt sich ein Wert von 1,8. Dabei sind alle elektrischen Verbräuche in der Wärmeversorgung einbezogen, also auch die Verteilerpumpen und Heizstäbe. Wie bei Pilotprojekten üblich ist dabei noch Luft für Ver- besserung. Am Projektanfang lief die Regelung nicht optimal, ab Februar 2024 gab es dann Probleme mit einer Außenluftwärmepumpe. Mit einem eingespiel- ten und optimierten System könnten die Werte also noch deutlich besser sein. Einsparung von Primärenergie und Treibhausgasemissionen Zusätzlich hat das Team von AEE INTEC den Anteil er- neuerbarer Energien in der Jahresbilanz des Systems betrachtet. Als erneuerbare Energien gelten dabei nicht nur der vor Ort erzeugte Solarstrom, sondern auch die von der Luftwärmepumpe aus der Umge- bung entzogene Energie. Als Erneuerbare angesetzt wurde auch der Ökostromanteil im Strommix aus dem Netz sowie der ins Netz gespeiste Solarstrom in dem Maße, wie er im österreichischen Strommix fossile Primärenergie ersetzt. Im Vergleich zum Referenzsystem, das den Zustand vor der Installation des HAPPENING-Systems wider- spiegelt, konnte der Anteil erneuerbarer Energien von 42 % auf 76 % gesteigert werden. Gleichzeitig sank auch der Gesamtbedarf nicht-erneuerbarer Primärenergie im Vergleich zum Referenzsystem um 68 %. In Bezug auf die Treibhausgasemissionen ist der Rechenansatz ähnlich. Auch hier gilt: Strom, der durch die PV-Einspeisung aus dem allgemeinen Strommix verdrängt wird, kommt der Bilanz des HAPPENING-Systems zugute. So erzielte dieses ge- genüber dem Referenzsystem eine CO 2 -Einsparung von 82 %. Wirtschaftlichkeit und Komfort Auch bei Wirtschaftlichkeit und Komfort ist bisherige System der Vergleichsmaßstab. Die Kalkulation ist auf eine Reihe von Annahmen gestützt. Das beginnt damit, dass der Wärmepumpenhersteller und Projekt- partner INNOVA seine Prototypen für das Pilotprojekt zur Verfügung stellte. Einen Marktpreis gibt es daher nicht. Das Projektteam behalf sich mit dem Listen- preis und kalkulierte einen marktüblichen Nachlass von 40 Prozent ein. Zudem trieben zwei Faktoren die Anteil erneuerbarer Energien [%] Elektrischer Strom [kWh] Aug. 23 Sep. 23 Okt. 23 Nov. 23 Dez. 23 Jan. 24 Feb. 24 Mrz. 24 Apr. 24 Mai. 24 Jun. 24 Jul. 24 150 % 125 % 100 % 75 % 50% 25 % 0 % 12 000 10 000 8 000 6 000 4 000 2 000 0 Vom Netz bezogener Strom (kWh) Ins Netz eingespeister Strom (kWh) Verbrauchter Strom (kWh) Anteil erneuerbarer Energien (%) Strombilanz und Anteil erneuerbarer Energien im HAPPENING System Grafik: AEE INTEC
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