„nachhaltige technologien 4|2018“

11 10 m Jahr 2016 betrug der Raumwärmebedarf Ös- terreichs ca. 87 TWh/a (Gesamtenergiebedarf: 311 TWh/a) 1 . Ein Viertel davon wird über netzgebundene Wärmeversorgung durch mehr als 2000 Fernwärme- systeme bereitgestellt. Damit spielt der Nah- und Fernwärmesektor bereits heute eine zentrale Rolle in der Energieversorgung Österreichs. Durch die be- reits installierte Infrastruktur (ca. 5.400 km Leitungs- länge 2 ), das vorhandene Ausbaupotenzial besonders im dichten urbanen Raum, den Einsatz neuer Kon- zepte, Technologien und erneuerbarer Energieträger, der Nutzung von Möglichkeiten zur Sektorkopplung und die dadurch erreichbaren Beiträge zur Dekarbo- nisierung unseres Energiesystems erhält der Sektor zukünftig eine gesteigerte Bedeutung. Flexibilitätselemente als zentrale Bausteine eines zukünftigen Energiesystems In einem nachhaltigen und vollständig dekarboni- sierten Energiesystem werden z. B. große Anteile an erneuerbaren, mitunter volatilen Energieträgern, in- tegrierte Sektorkopplung, dezentralisierte Energie- umwandlungsstrukturen, etc. zu einer erheblich ge- steigerten Systemkomplexität führen. Gleichzeitig müssen die Versorgungssicherheit gewahrt sowie die Energiekosten für die Endkunden erschwinglich bleiben. Dies kann nur durch eine erhöhte Flexibili- tät des Gesamtsystems, das ein intelligentes Zusam- menspiel von tech- nischen Elementen und nicht-techni- schen Elemen- ten erlaubt, erreicht wer- den. Fernwärmesysteme eignen sich hervorragend für Maßnahmen zur Erhöhung der Flexibilität in Bezug auf Sektorkopplung, der Integration erneuerbarer Energiequellen, der Abwärmenutzung, den Einsatz von Wärmespeichern, neuen Betriebsstrategien und der Integration des Nutzers. Diese Flexibilisierungs- potenziale können noch gesteigert werden, wenn ganzheitliche Ansätze verfolgt werden sowie neue wissenschaftliche Methoden für Simulation und Op- timierung in der Planung, Implementierung und im Betrieb eingesetzt werden. Das Leitprojekt „Thermaflex“ Genau hier setzt das Leitprojekt „Thermaflex“ an, das sich innerhalb der Vorzeigeregion „Green Energy Lab“ schwerpunktmäßig mit der Erhöhung der Ener- gieflexibilität und den daraus resultierenden CO 2 - Emissionsreduktionen im Fernwärmesektor beschäf- tigt. 27 Projektpartner (Fernwärmenetzbetreiber, Technologieanbieter und Forschungseinrichtungen) bearbeiten in acht Arbeitspaketen die Identifikation, die simulationsgestützte Planung, Bewertung und Auswahl als auch die Umsetzung in Kombination mit detailliertem Monitoring und daraus resultierender Optimierung von Flexibilisierungsmaßnahmen. Im Fokus stehen dabei sieben beispielhafte Demonstra- toren in Fernwärmeversorgungsgebieten von kleinen, mittleren und großen Städten. Das Fördervolumen für Thermaflex und ausgewählte Demonstratoren be- trägt ca. acht Mio. Euro und macht dieses Projekt in Bezug auf das gesamte Fördervolumen zum größten Projekt im Zuge der zweiten Ausschreibung des Pro- gramms „Vorzeigeregion Energie“. I Mehr Flexibilität und mehr Erneuerbare in der netzge- bundenen Wärmeversorgung Christian Fink, Ingo Leusbrock 1 BMWFW, 2017: Energie in Österreich - Zahlen, Daten, Fakten; Bundesministerium für Wissen- schaft, Forschung und Wirtschaft; Wien, 2017 2 FGW, 2017: Zahlenspiegel 2017 - Erdgas und Fernwärme in Österreich; Wien, 2017 Technische Komponenten • Erneuerbare • Biomasse • Solarenergie • Wärmepumpen • Geothermie • Etc. • Abwärmeeinkopplung • Energiespeicher Nicht-technische Maßnahmen • Nutzerintegration • Stakeholderintegration • Innovative Geschäftsmodelle Systemische Ansätze • Sektorkopplung • Regelungsintelligenz • Maßnahmen zur Senkung der Netztemperaturen • Monitoring und Optimierung • Integrierter Planungsprozess • Kopplung mit räumlicher Energieplanung Flexibilität in der Fernwärme Beispiele möglicher Flexibilisierungselemente im Fernwärmesektor Quelle: AEE INTEC VORZEIGEREGION ENERGIE

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