„nachhaltige technologien 04 | 2025"
Foto: AdobeStock/ronedya Hakan Ibrahim Tol, Stefan Retschitzegger, Maksym Terletsky ahrzehntelange Gasabhängigkeit, veraltete In- frastruktur aus der Sowjetzeit und Kriegsschäden stellen die Fernwärmeversorgung der Ukraine vor immense Herausforderungen. Dennoch begrüßen die Kommunen die Energiewende als Chance und verbinden Modernisierung und erneuerbare Energien mit einer erhöhten Resilienz. Unter dem Motto „bes- ser wiederaufbauen“ sollen resiliente, nachhaltige Systeme den Weg in eine friedliche Zukunft ebnen. Wärmewende in der Ukraine unter Krisenbedingungen Von der EU finanzierte Projekte wie „Support DHC“ und „Enable DHC“ bieten ukrainischen Städten strategische Orientierung und fördern die Moder- nisierung, die Integration erneuerbarer Energien und die Resilienz der Fernwärmeversorgung. Dieser Artikel vergleicht die Transformationsansätze von Lviv, Poltava und Stryi, drei Städten unterschiedlicher Größe und Komplexität, die jeweils unterschiedliche Herausforderungen auf dem Weg zur Dekarbonisie- rung bewältigen müssen. Die einzigartigen Beispiele bieten Skalierbarkeit und Reproduzierbarkeit und unterstützen die landesweite Anpassung integrierter Ansätze für eine umweltfreundliche Zukunft. Lviv | Strategie auf Metropolebene Lviv, die größte Stadt der Westukraine mit rund 750 000 Einwohnern, hat eines der größten Fern- wärmesysteme des Landes. Das von Lvivteploenergo betriebene und 2024 mit Zaliznychteploenergo fusionierte System umfasst über 170 Kesselhäuser sowie ein Heizkraftwerk und versorgt mehr als 7 500 Gebäude. Fast die gesamte Versorgung basiert auf Erdgas, während die alternde Infrastruktur zu anhal- tenden Wärmeverlusten und Ineffizienzen führt. Bei den meisten angeschlossenen Gebäuden handelt es sich um Mehrfamilienhäuser aus der Sowjetzeit mit schlechter Wärmedämmung und begrenzten Regelungsmöglichkeiten der Versorgungssysteme. Die Stadt hat von 2020 bis 2022 einen zukunfts- orientierten Strategierahmen entwickelt, darunter den SECAP (Sustainable Energy and Climate Action Plan), den Aktionsplan „Grüne Stadt“ und das Inte- grierte Stadtentwicklungskonzept 2030, der auf die Reduzierung der Treibhausgasemissionen und eine höhere Effizienz der Wärmeversorgung abzielt. Die langfristigen Ziele sind ehrgeizig: 35 Prozent CO 2 - Reduktion bis 2030 und 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2050, in Übereinstimmung mit den Klima- und Energierichtlinien der EU. In diesem Zusammenhang spielt die Zusammen- arbeit mit AEE INTEC im Rahmen des „Support DHC“-Projekts eine katalytische Rolle. AEE INTEC unterstützt die Vorbereitung eines Fernwärmeplans, eines 10-Jahres-Investitions- und Betriebsplans, der erneuerbare Energien und Abwärmequellen integriert. Machbarkeitsstudien befassen sich mit dem Poten- zial von Abwasserwärmepumpen, Geothermie und energetischer Biomassenutzung, während zukünftige Speicheroptionen zur Erhöhung der Flexibilität in Betracht gezogen werden. Diese großstädtische Initiative zeigt, wie integrierte Planung und die Einbindung erneuerbarer Energien die Fernwärme als Motor für eine nachhaltige Stadtentwicklung neu positionieren können. J Fernwärme in der Ukraine: Impulse aus Lviv, Poltava und Stryi
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2