„nachhaltige technologien 04 | 2025"

15 14 Genau solchen Transformationen widmete sich in den vergangenen Jahren ein Projekt der Internatio- nalen Energieagentur (IEA DHC TS5). Ein internationales Projekt für die Wärmewende Das Projekt IEA DHC TS5 - Integration of Renewa- ble Energy Sources into existing District Heating and Cooling Systems, geleitet von der AGFW 1 aus Deutschland, wurde im Rahmen des Technology Collaboration Programmes on District Heating and Cooling (IEA DHC) durchgeführt. Ziel war es, die Dekarbonisierung bestehender Fernwärme- und -kältesysteme zu beschleunigen und die Erfahrungen aus unterschiedlichen Ländern zu bündeln. Unter ös- terreichischer Beteiligung durch AEE INTEC entstand eine umfassende Methodik, wie Wärmenetze ihren Anteil erneuerbarer Energie systematisch erhöhen können – von der strategischen Planung bis zur prak- tischen Umsetzung. Die Arbeiten gliederten sich in vier Subtasks: • Subtask A: Analyse des Standes der Technik und Bewertung von Technologien zur Nutzung erneu- erbarer Wärmequellen (Solarthermie, Geothermie, Großwärmepumpen, Abwärme, Speicher) • Subtask B: Transformation bestehender Wärme- netze – Methoden, Werkzeuge und Beispiele für die Umstellung auf hohe Anteile erneuerbarer Energie • Subtask C: Integration dezentraler Erzeuger und erneuerbarer Einspeisung an Netzperipherien • Subtask D: Nichttechnische Rahmenbedingungen – Akteursbeteiligung, politische Instrumente und Handlungsempfehlungen ärmenetze sind zentrale Bausteine der Ener- giewende – und zugleich eine ihrer größten Heraus- forderungen. Viele bestehende Systeme basieren noch auf fossilen Energieträgern, während politische Zielvorgaben und steigende Energiepreise rasch neue Lösungen verlangen. Die Frage lautet daher: Wie kann ein bestehendes Fernwärmenetz Schritt für Schritt in Richtung erneuerbarer Energiequellen transformiert werden, ohne die Versorgungssicher- heit oder Wirtschaftlichkeit zu gefährden? Ein Beispiel liefert die Stadt Kapfenberg (Österreich). Der traditionsreiche Industriestandort in der Ober- steiermark steht für den Wandel von einer fossil geprägten Wärmeversorgung hin zu einem integ- rierten, erneuerbaren Energiesystem. Ausgehend von einem fast ausschließlich von Erdgas versorg- ten Fernwärmemix, mit dem primär der Stadtkern mit öffentlichen Gebäuden sowie Wohngebäuden versorgt wird, gibt es nunmehr einen Fahrplan, wie diese Fernwärme nicht nur 100 Prozent Versorgung darstellen, sondern auch weiter in der Anschlusszahl ausbauen kann. Hierzu sollen insgesamt 40 Millionen Euro investiert werden, um damit ca. 15 000 t CO 2 pro Jahr einzusparen. Zentrale Elemente sind dabei die Nutzung von Biomasse und industrieller Abwärme, die Einbindung von Großwärmepumpen (mit unter anderem der lokalen Abwasserreinigungsanlage als Quelle) sowie der Aufbau von Speicherlösungen, um saisonale Schwankungen auszugleichen. Hierzu wurden in verschiedenen Schritten und Forschungs- projekten schlussendlich Transformationspfade ent- wickelt, die eine flexible, wirtschaftliche und lang- fristig CO 2 -neutrale Wärmeversorgung ermöglichen. Kapfenberg zeigt exemplarisch, wie sich Forschung, Nachhaltigkeit, Stadtplanung und Energieversorgung zu einer umsetzbaren Transformationsstrategie verbinden lassen. W Vom fossilen Wärmenetz zum resilienten Energiesystem - Transformation in der Praxis Ingo Leusbrock, Thomas Pauschinger Foto: MVV Energie AG Mannheim 1 https://www.agfw.de/ TRANSFORMATION DER FERNWÄRME

RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2