„nachhaltige technologien 04 | 2025"

Ausbildung von Fachkräften für die Wärmeversorgung von morgen Thomas Pauschinger, Dominik Rutz, Sabrina Metz, Ingo Leusbrock Foto: AdobeStock/Wosunan ie Dekarbonisierung des Energiesektors rückt die Wärmeversorgung ins Zentrum der europäischen Klimastrategien. Fernwärme- und Fernkältesysteme gelten dabei als Schlüsseltechnologien für eine kli- maneutrale Zukunft. Doch die Branche steht vor einer doppelten Herausforderung: Neben der technischen Transformation fehlt es zunehmend an qualifizier- ten Fachkräften. Planer*innen, Installateur*innen, Ingenieur*innen und Betreiber*innen werden überall gesucht – und das über Ländergrenzen hinweg. Maßgeschneiderte Qualifizierungsangebote Das im Herbst 2024 gestartete EU-LIFE-Projekt 1 „Skills4DHC“ entwickelt neue Qualifizierungsan- gebote, um Fachkräfte im Fernwärmesektor zu gewinnen und zu sichern. Das Projekt wird von WIP - Renewable Energies aus Deutschland koordiniert und umfasst Partnerorganisationen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Österreich, Italien, Irland, den Niederlanden und Estland. Ziel ist es, in enger Zusammenarbeit mit Wärmenetzversorger*innen und Bildungsträgern passgenaue Ausbildungs- und Trainingsangebote für alle Zielgruppen zu schaf- fen – von Quereinsteiger*innen bis zu erfahrenen Ingenieur*innen. Das Projekt gliedert sich in fünf zentrale Hand- lungsfelder: die Entwicklung länderübergreifender Ausbildungsmaterialien und Angebote für einen universellen Einsatz in englischer Sprache, sowie spezielle Ausbildungsangebote angepasst an regionale Bedürfnisse: Trainings-Programme für Fachakademiker*innen, Behörden und Verwaltun- gen, die Integration von Inhalten zu Fernwärme und -kälte in Universitätslehrpläne, berufliche Ausbildungslehrgänge für Handwerk und Gewerbe sowie Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung. Diese Struktur trägt den vielfältigen Bedarfen Rechnung – von Rohrleitungsmonteur*innen über Fachingenieur*innen bis zur Genehmigungsbehörde. Wo liegt der konkrete Weiterbildungsbedarf? Erste Analysen verdeutlichen den Handlungsdruck. So zeigt eine Mitgliederbefragung des AGFW 2 in Deutschland, dass 97 Prozent der befragten Un- ternehmen Fortbildungsbedarf sehen. Besonders gefragt sind praxisnahe Angebote, die technisches Wissen mit wirtschaftlichen, regulatorischen und digitalen Kompetenzen verbinden. Ähnliche Ergeb- nisse liefern die Erhebungen in den Partnerlän- dern: Während Österreich vor allem handwerklich ausgebildete Fachkräfte sucht, gibt es auch einen Fortbildungsbedarf für Mitarbeiter*innen von Ge- meinden und Raumplaner*innen. Hingegen liegt der Engpass in Italien in der fehlenden Bekanntheit von Fernwärme und auch bei entsprechenden Studien- angeboten. In Irland wiederum ist es der Mangel an praktischen Lernmöglichkeiten, da bislang nur wenige Wärmenetze in Betrieb sind. In Estland sehen die Befragten aus dem Fernwärmesektor den größten Qualifizierungsbedarf in der Anwendung digitaler Technologien – von der datengestützten Netzopti- mierung bis hin zum Einsatz künstlicher Intelligenz (AI) für Regelungsstrategien und Betriebsführung. In den Niederlanden steht der Fachkräftebedarf vor D 1 https://cinea.ec.europa.eu/programmes/life_en 2 https://www.agfw.de/

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