„nachhaltige technologien 04 | 2025"
Vom BIM-Modell zum lebenden Datengerüst Im Collective Research Forschungsprojekt „building Twin“ wurde von AEE INTEC, unter der Leitung der Österreichischen Bautechnik Vereinigung (ÖBV), eine offene Plattform entwickelt, die genau diesen Ansatz verfolgt. Beteiligt waren zahlreiche Industriepartner, darunter die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), Energie Steiermark, die Landesimmobiliengesell- schaft (LIG), Nussmüller Architekten, pde Integrale Planung und PORR. In der Planungsphase werden heute meist Building Information Modeling (BIM)-Modelle eingesetzt, die neben dem 3D-Gebäudemodell auch umfangreiche Informationen zu Materialien, technischen Kennwer- ten und Ausstattungen enthalten. Doch sobald die Ausführungsphase beginnt, entstehen Brüche: Viele ausführende Unternehmen haben keinen Zugriff auf das BIM-Modell oder nicht die notwendige Software, um Daten zu ergänzen. Stattdessen werden Infor- mationen in Excel-Listen, PDF-Dateien oder E-Mails verteilt - und der Datenfluss zwischen Planung und Ausführung reißt ab. Die „buildingTwin“ Plattform schließt genau diese Lücke. Sie ermöglicht den Upload und die nieder- schwellige gemeinsame Nutzung von BIM-Modellen auf Basis des offenen Standards IFC (Industry Foun- dation Classes), sodass Modelle aus verschiedenen Softwarelösungen eingebunden werden können. Nach dem Hochladen sind die Gebäudemodelle für alle be- rechtigten Nutzer*innen direkt über einen beliebigen Webbrowser zugänglich - ohne Spezialsoftware. Über eine intuitive Benutzeroberfläche lassen sich nicht nur 3D-Modelle betrachten, sondern auch Bauteilinformationen einsehen, Attribute anpassen oder ergänzen. Zudem können Dokumente wie Fotos, Datenblätter oder Wartungsanleitungen direkt in wenigen Schritten mit den jeweiligen Bauelementen verknüpft werden. So bleibt jede Information räum- lich dort auffindbar, wo sie hingehört. Gleichzeitig ermöglicht es auch Akteur*innen, die bislang nur schwer in den Prozess eingebunden werden konnten, z. B. aufgrund kostenintensiver, proprietärer Soft- warelösungen oder fehlenden Fachwissens – welches häufig nur größeren Büros zur Verfügung steht, einen niederschwelligen Zugang und eine aktive Beteiligung. Während Gebäudedokumentationen traditionell in digitalen Datenarchiven oder Ordnerstrukturen verschwinden, wächst buildingTwin kontinuierlich weiter. Die dort gespeicherten Informationen lassen sich direkt im Gebäudebetrieb einsetzen - als Er- gänzung zu bestehenden CAFM-Systemen (Computer Aided Facility Management). Da alle Daten und Do- kumente im Modell räumlich verortet sind, können Wartungsteams sie im Bedarfsfall auch über ein Smartphone oder Tablet direkt vor Ort abrufen. Ein Klick genügt, um die relevanten Informationen oder Handbücher zum betroffenen Bauteil zu öffnen. Einblick in den laufenden Betrieb Ein vollständiger digitaler Zwilling besteht aber nicht nur aus statischen Daten. Um die tatsächliche Performance eines Gebäudes zu verstehen, braucht es auch die Einbindung der zeitlichen Dimension - dynamische Betriebsdaten: Energiebedarf, Tem- peraturen, Luftfeuchtigkeit oder CO 2 -Werte. Diese Daten liegen in größeren Gebäuden zwar oft in der Gebäudeleittechnik vor, sind dort aber meist nur für wenige Personen zugänglich. Die Plattform buildingTwin erlaubt es, Zeitreihen- und Sensordaten in Echtzeit einzubinden und mit dem BIM-Modell zu verknüpfen. So werden etwa Temperaturwerte räumlich im 3D-Modell visualisiert, Abbildung 1 - In der Web-Oberfläche können sowohl Attribute aus dem BIM-Modell, wie Raumbezeichnungen, als auch Live-Messda- ten räumlich verortet im 3D Modell visualisiert und ausgewertet werden Quelle: AEE INTEC 27 26 GEBÄUDE
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