„nachhaltige technologien 04 | 2025"
Quelle: S-GeoHeat / AEE INTEC ie Dekarbonisierung des Wärmesektors zählt zu den größten Herausforderungen der europäischen Energiewende. Fernwärme spielt dabei eine Schlüs- selrolle – insbesondere dann, wenn sie mit niedrigen Temperaturen betrieben wird. So lassen sich erneuer- bare und industrielle Abwärmequellen direkt nutzen, die in klassischen Hochtemperaturnetzen ungenutzt bleiben würden. Wärme aus oberflächennaher Geo- thermie ist in vielen Regionen reichlich vorhanden, wird bislang jedoch nur eingeschränkt genutzt. Technische Hürden und der Bedarf an Wärmepumpen zur Temperaturanhebung bremsen ihr Potenzial. Das Projekt S-GeoHeat setzt hier an. Es kombiniert die direkte Nutzung geothermischer Quellen mit Temperaturen unter 60 °C mit gezielten Gebäude- sanierungen, der Einbindung industrieller Abwärme und digitalen Monitoringlösungen. So entsteht ein neues Konzept für eine klimaneutrale Wärmeversor- gung. Das markiert einen Paradigmenwechsel: weg von der Anpassung der Quellen an die Nachfrage, hin zur Anpassung von Netz und Verbrauch an die Quellqualität. Durch die Verbindung von Geothermie, Industrie und digitalen Lösungen bringt S-GeoHeat lokale Anforderungen in Einklang mit nationalen und EU-Klimastrategien. Demonstrationsstandorte: Von der Türkei bis nach Österreich S-GeoHeat entwickelt drei Standorte, die gemein- sam das breite Spektrum der Möglichkeiten für Niedertemperatur-Fernwärme abbilden. Jeder Stand- ort repräsentiert ein spezifisches technisches und geografisches Umfeld, doch alle verfolgen dasselbe Ziel: den Nachweis, dass geothermische Quellen und industrielle Abwärmequellen direkt und intelligent genutzt werden können. Die Provinz Samsun (Türkei) vereint vielfältige er- neuerbare Potenziale mit einer starken industriellen Basis und ist damit ein strategischer Pilotstandort für S-GeoHeat. In Havza wird Geothermie (~54 °C) bereits für Heizzwecke und Tourismus genutzt, während in Ladik eine der größten Solaranlagen der Türkei (57 MW) steht. Der rasch steigende industri- elle Energiebedarf verdeutlicht die Bedeutung der Abwärmenutzung in der Region. 1) Havza – Direkte Nutzung oberflächennaher Geothermie Die Gemeinde Havza verfügt über Brunnen, die Wasser mit 53–56 °C und stabilen Durchflüssen über 150 l/s fördern. Damit bietet Havza ideale Bedingungen für ein 55/25 °C-Netz ohne zusätzliche Wärmepumpen. Die Hauptaufgabe liegt hier auf der Nachfrageseite: Gebäude müssen durch Sanierungen und optimierte Wärmeverteilsysteme so ertüchtigt werden, dass Komfort auch bei niedrigeren Vorlauftemperaturen gesichert bleibt. D Von geothermischen Quellen zu smarten Netzen: Nieder- temperatur-Geothermie in der Fernwärme Hakan Ibrahim Tol, Lorenz Leppin Wärmenetz des Untersuchungsgebiets Havza, TR Quelle: AEE INTEC, arteria technologies 29 28 INDUSTRIELLE SYSTEME
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