„nachhaltige technologien 04 | 2025"
uf nationaler und auf EU-Ebene besteht ein breiter Konsens darüber, dass die Nutzung erneu- erbarer Energiequellen weiter forciert wird, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Europaweit wurden daher unter anderem im Rahmen des Green Deal sowie im Maßnahmenpaket „Fit für 55“ Ziele zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und Umgestaltung der Energiesysteme festgelegt. Um diese Ziele zu erreichen, muss der langfristigen Planung und Nachhaltigkeit der Wärmeversorgung besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. In Ös- terreich wird rund die Hälfte des Gesamtenergiever- brauchs für die Wärmeversorgung (Raumheizung und -kühlung, Warmwasser, Prozesswärme) verwendet. Dabei wurden 2023/24 rund 40 Prozent des gesamten Wärmebedarfs durch erneuerbare Wärmequellen gedeckt, im Fernwärmesektor beträgt der Anteil der Erneuerbaren rund 50 Prozent und wird hauptsäch- lich durch Biomasse bereitgestellt. Weiter wird uns aktuell die Notwendigkeit der Abkehr von Brennstoff- importen und fossilen Energieträgern nicht allein durch den Klimawandel, sondern durch geo- und energiepolitische Entwicklungen, bewusst gemacht. Die rasche und vollständige Diversifizierung sowie Defossilisierung des Wärmesektors stellen daher eine zentrale Herausforderung dar. Dazu sind neben entsprechenden politischen und gesetzlichen Rah- menbedingungen speziell Projekte an der Schnitt- stelle zwischen Forschung und Demonstration wie „BM Retrofit“ notwendig. Die Rolle von biomassebasierten Wärmenetzen in Österreich Während vor 50 bis 70 Jahren die Wärmeversorgung auf Basis fossiler Brennstoffe und fossiler KWK-Anla- gen in den österreichischen Städten realisiert wurde, begann man ab etwa 1990 in ländlichen Gebieten mit der Umsetzung von sogenannten Nahwärmenetzen auf Basis fester Biomasse. Derzeit sind in Österreich ca. 2 500 Biomasseheizwerke und ca. 150 Biomasse- KWK-Anlagen in Betrieb. Öl- und/oder Erdgaskessel dienen zur Spitzenlastabdeckung und als Backup. Biomassebasierte Wärmenetze spielen somit eine wichtige Rolle als effiziente und flexible Lösung für die Energiewende. Insbesondere für Nahwärmenetze der ersten und zweiten Generation besteht ein erhöhter Nachrüs- tungs- und Modernisierungsbedarf, um den aktuellen und zukünftigen technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen in Verbindung mit einem nachhaltigen und strategischen Ausbau des Wärmesystems gerecht zu werden. In der Praxis fehlt häufig ein systemischer und ganzheitlicher Ansatz bei der Konzeptentwicklung und es bleibt meist bei einzelnen, nicht aufeinander abgestimm- ten Maßnahmen. Das bedeutet, dass das vorhandene Potenzial nicht voll ausgeschöpft wird. A Joachim Kelz, Stefan Retschitzegger Erfolgreiche Modernisierungs- massnahmen in biomassebasierten Fernwärmenetzen in Österreich Eröffnung und Tag der offenen Tür in Wald im Pinzgau im Rahmen von BM Retrofit mit Vertreter*innen des Projektteams und relevanten Akteuren und Interesssensgruppen Foto: Klimafonds Krobath 9 8 TRANSFORMATION DER FERNWÄRME
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