S-GeoHeat – Niedertemperatur-Fernwärme mit oberflächennaher Geothermie

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Dekarbonisierung erfordert die Integration erneuerbarer Energiequellen, insbesondere in Industrie- und Gebäudebereichen, da ein beträchtlicher Teil der CO2-Emissionen aus diesen Sektoren stammt. Die Nutzung von Geothermie als alternative Wärmequelle, kombiniert mit der Einspeisung überschüssiger Industrieabwärme in Fernwärmenetze, kann einen konkreten Beitrag zur CO2-Reduzierung im Gebäudesektor leisten. Niedertemperatur-Fernwärmenetze bieten ein großes Potenzial, den Wärmebedarf der Endnutzer effizient zu decken. Während Einzelenergiequellen bewährt sind, wirft die Erweiterung auf mehrere Quellen noch einige Forschungsfragen in Bezug auf die Steuerung und die Wirtschaftlichkeit für alle beteiligten Stakeholder auf. Eine optimale Integration von Geothermie und industrieller Abwärme in solche Netze erfordert eine ganzheitliche Betrachtung, um die technische und wirtschaftliche Machbarkeit sicherzustellen.

Das europäische Projekt S-GeoHeat „Shallow-Geothermal sourced Low-Temperature District Heating“ stellt sich dieser Herausforderung, indem es oberflächliche geothermische Quellen und industrielle Abwärme mit Gebäudesanierungskonzepten auf der Nachfrageseite einzigartig kombiniert. Neben der Planung eines entsprechenden Fernwärmenetzes konzentrieren sich die Hauptaktivitäten auf die Entwicklung von Gebäudesanierungsstrategien, die an Niedertemperatur-Wärmenetze angepasst sind. Intelligente Steuerung und Blockchain-basierte Leistungsmessungen sollen einen bedarfsgerechten, sicheren und transparenten Betrieb des Warmwassersystems und der Wärmeerzeugungsanlage gewährleisten.

Das Konzept der Fernwärmeanwendung basiert auf zwei aktiven geothermischen Quellen in Havza und Hamamayagi in der türkischen Region Samsun sowie der Nutzung von Abwärme eines nahegelegenen Zementwerks (Akcansa). Gebäudesanierungskonzepte werden in die Sanierungsplanung eines bestehenden Hotels in der türkischen Stadt Havza in der Provinz Samsun integriert. Zur Validierung der entwickelten Steuerungsmodelle werden Messdaten aus einem Fernwärmenetz in Österreich herangezogen.

Dr. Hakan Ibrahim Tol

Dr. Hakan Ibrahim Tol

Arbeitsschwerpunkte:

Fernwärme /-kälte