Wärmepumpen-System zur Sanierung im Geschoßwohnbau mit Energy Globe Nominierung ausgezeichnet
Jetzt ist es an der Zeit, die vielen Ideen zur Energiewende in die Umsetzung zu bringen, appellierte Wolfgang Neumann der Gründer des Energy Globe bei der Auszeichnung der steirischen Preisträger 2024. Die GWS Gemeinnützige Alpenländische Gesellschaft für Wohnungsbau und Siedlungswesen m.b.H. und AEE – Institut für Nachhaltige Technologie unterstützt diesen Aufruf, und haben gemeinsam ein innovatives kaskadiertes Wärmepumpen System mit PV-Anlage umgesetzt. Dafür wurden GWS und AEE INTEC anlässlich des Energie Globe Styria 2024, unter 63 Einreichungen, mit einer Nominierung ausgezeichnet.
Das mit einer intelligenten Regelung speziell für Radiatorsysteme ausgestattete neue Heizsystem in einem Mietobjekt aus den 1940er Jahren in Liezen (Obersteiermark) wurde im Rahmen des EU-Projektes „HAPPENING“ (Programm Horizon 2020) realisiert. Ziel war es die fossilen Wärmeerzeuger, Elektroheizungen und Einzelöfen der 18 Wohnungen durch ein innovatives Wärmepumpenkonzept und Eigenproduktion von Solarstrom zu ersetzen, den hohen Temperaturanforderungen im Altbau gerecht zu werden und eine hohe Akzeptanz bei den Mieter*innen zu schaffen. Dadurch soll es möglich sein, das Konzept auf weitere Mietobjekte mit den gleichen Anforderungen auszurollen. Mit der Implementierung des neuen Heizsystems konnten die CO2-Emissionen des Objekts um 2/3 reduziert werden, wodurch jährlich über 31 Tonnen CO2 eingespart werden. Ein umfassendes Monitoringsystem wurde installiert, um die Betriebsdaten zu analysieren, den Anlagenbetrieb zu optimieren und die Erwartungswerte zu bestätigen.
Die GWS möchte zukünftig die Sanierung der Bestandsobjekte auch nach dem Modell des in Liezen präsentierten Projektes vornehmen und so schrittweise die Gebäudehülle verbessern und die fossilen Heizsysteme aus dem Gebäudebestand entfernen. Mit dem demonstrierten Gesamtkonzept müssen bei Bestandsobjekten bilanziell nur ca. 20 % der erforderlichen Energie für Warmwasser und Heizung aus dem Stromnetz bezogen werden und es wird ein erneuerbarer Deckungsbeitrag von rund 95 % (Bezug österreichischer Strommix) erreicht.
Neben den ökologischen Vorteilen der Umstellung des Heizsystems auf Wärmepumpen, wird auch ein erheblicher Komfortgewinn durch die Zentralheizung in den Wohnungen gegenüber den Einzelöfen erzielt und die teils mühsame Handhabe des Brennstoffs (Heizöl, Kohle, Scheitholz) fällt vollständig weg. Weiters zeigt sich durch das innovative System, dass das teilweise bestehende Abgabesystem (Radiatoren) genutzt werden kann und die Bewohner*innen durch den Umbau nicht zu sehr gestört werden. Auch in Bezug auf die Heizkosten wird, gegenüber dem bisherigen Heizsystem, für die Bewohner*innen eine deutliche Reduktion erwartet.
Projektbeschreibung:
Bestandsobjekte mit dezentralen Heizungen stellen eine besondere Herausforderung bei der Umstellung des Heizsystems auf erneuerbare Energien dar. Die GWS hat sich daher entschieden, ein Pilotprojekt in einem typischen Wohnbau aus den 1940er-Jahren, in dem Raumwärme und Warmwasser bisher individuell für jede Wohnung durch Öl-, Kohle-, Holz- und Elektroeinzelöfen, Gasthermen sowie Elektro-Warmwasserboiler bereitgestellt wurden, umzusetzen. Die Rahmenbedingungen für die Errichtung einer zentralen Wärmeversorgung auf Basis von Wärmepumpen ist in diesem Gebäudetyp sehr herausfordernd, aber durch das entwickelte innovative Wärmepumpensystem mit Kaskade, PV-Anlage und intelligenter Regelung gut umsetzbar. Sogenannte „Südtiroler-Siedlungen“ in ähnlicher Bauweise gibt es in Österreich in sehr großer Zahl, alleine die GWS vermietet rund 800 Wohnungen in solchen Objekten, und in vielen Fällen sind diese noch mit Einzelöfen und/oder fossilen Brennstoffen beheizt. Daher wird eine sehr hohe Multiplizierbarkeit für das entwickelte Anlagenkonzept gesehen. Vor der Umstellung des Heizsystems wurde die thermische Gebäudehülle (Fassaden, Kellerdecken, oberste Geschossdecken und Fenster) des zweigeschossigen Wohngebäudes in Ziegelbauweise einer umfassenden energetischen Sanierung unterzogen.