Membranprozesse in Bioraffinerien: Austausch an der TU Wien stärkt die internationale Zusammenarbeit

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Am 10. Oktober 2025 fand an der Technischen Universität Wien ein zentrales Treffen des Projekts IEA IETS Task 17 (2024–2026) statt. Vertreter*innen von AEE INTEC, der TU Wien sowie der internationale Task-17-Leiter Prof. Frank Lipnizki (Lund University) trafen sich, um den wissenschaftlichen Austausch zu Membranprozessen in Bioraffinerien zu intensivieren und die zukünftige Zusammenarbeit im internationalen Task-17-Netzwerk zu planen.

Im Mittelpunkt standen aktuelle Forschungsarbeiten zu Membrandestillation, zur Rückgewinnung flüchtiger Stoffe wie Ammoniak und zu neuen Membranmodulen für Feststoffströme. Die Partner besichtigten die Labore und das Technikum der TU Wien, tauschten sich über aktuelle Versuchsdaten aus und diskutierten die Integration österreichischer Entwicklungen in die neue Guideline 4.0 „Membranes in Biorefineries“.

Aktuelle Forschungsarbeiten und Ergebnisse

Projekt Cornerstone:
In diesem Forschungsprojekt werden verschiedene Verfahren zum Einsatz der Membrandestillation für die Aufbereitung industrieller Wasserströme – entwickelt unter anderem aus der Papierindustrie – sowie neue fluorfreie Polyolefin-Hohlfasermembranen zur Rückgewinnung von Ammoniak getestet.

Die Membrandestillation ist ein thermisch getriebener Trennprozess, bei dem ein temperaturinduzierter Dampfdruckunterschied Wasserdampf durch eine hydrophobe Membran transportiert, sodass sauberes Permeat entsteht und gelöste Stoffe vollständig zurückgehalten werden.

Besonders vielversprechend ist die oszillationsgestützte Membrandestillation, bei der das Wasser leicht in Bewegung versetzt wird. Hier zeigen die Messungen höhere Stofftransportraten als bei herkömmlichen DCMD-Verfahren (Direct Contact Membrane Distillation), bei denen warmes Wasser auf der Membran verdampft und auf der kühlen Seite wieder kondensiert.

Projekt SolPol6:
In SolPol6 wird getestet, wie gut neu entwickelte PE-Hohlfasermembrane Ammoniak zurückgewinnen. Die Ergebnisse zeigen, dass sie ähnliche Leistungen wie klassische PTFE-Membranen erreichen. PTFE-Membranen bestehen aus einem chemisch sehr stabilen Kunststoff, der Dampf durchlässt, aber flüssiges Wasser blockiert – daher werden sie oft als Standard in der Membrandestillation verwendet. Die neuen PE-Membranen sind fluorfrei, also umweltfreundlicher.

Auch hier zeigt die oszillationsgestützte DCMD eine verbesserte Trennleistung, und die neuen Membranen erreichen insgesamt eine vergleichbare Effizienz wie die herkömmlichen PTFE-Systeme.

Stärkung des Netzwerks und strategische Ausrichtung

Das Treffen markierte den offiziellen Beitritt der TU Wien zum internationalen Task-17-Netzwerk und betont die aktive Rolle Österreichs bei der Leitung des Subtasks „Emerging Membrane Processes“. Erste Beiträge für die Guideline 4.0, die bis Ende 2026 veröffentlicht wird, wurden präsentiert.

AEE INTEC koordinierte das Treffen und diskutierte gemeinsam mit Prof. Lipnizki und Prof. Michael Harasek die strategische Ausrichtung künftiger Kooperationen mit europäischen Forschungseinrichtungen und Membranherstellern. Neben Workshops und Veröffentlichungsaktivitäten wurden Schwerpunkte auf fluorfreie Membranmaterialien, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in industriellen Bioraffinerien gesetzt.

Guideline 4.0 – zentrales Wissensdokument

Die Guideline 4.0 „Membranes in Biorefineries“ fasst den aktuellen Stand von Forschung und industrieller Anwendung zu Membranprozessen in Bioraffinerien zusammen. Sie richtet sich an Forschung, Industrie und Entscheidungsträger*innen und wird bis 2026 durch Beiträge aus dem internationalen Task-17-Netzwerk erweitert. Die Guideline dient als zentrales Nachschlagewerk für neue Entwicklungen in Membrantechnologie und Bioraffinerie-Prozessen.

Mit dem Wiener Treffen wurde ein wichtiger Meilenstein des ersten Projektjahres erreicht: Der internationale Austausch stärkt nicht nur die wissenschaftliche Vernetzung, sondern erhöht auch die internationale Sichtbarkeit österreichischer Forschung im Kontext der Energiewende.

 

Auftrag/Fördergeber

IEA Task 17: Membranprozesse in Bioraffinerien (2024-2026)

Programm

IEA Industrielle Energietechnologien und Systeme (IETS TCP)

Projektkoordinator

AEE INTEC

Projektpartner

Technische Universität Wien: Institut für Verfahrenstechnik und technische Biowissenschaften

Kontakt

Christoph Höfer