ISEC 2026 in Graz: Internationale Plattform für die Transformation von Energiesystemen

Welcome Session & Keynote Tag 1. Rana Ghoneim (UNIDO), Christoph Brunner (AEE INTEC), Urban Peyker (Klima- und Energiefonds), Werner Ressi (Energie Steiermark AG), Christian Fink (AEE INTEC) © LippZahnschirm
Welcome Session & Keynote Tag 1 vlnr. Christoph Brunner (AEE INTEC), Aleš Prešern (Siemens Energy), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (BMWET), Kandeh Yumkella (ehem. Generaldirektor UNIDO), Christian Fink (AEE INTEC) © LippZahnschirm
Plenary Session & Keynote Tag 2: vlnr. Christian Fink (AEE INTEC), Michael Aumer (BMWET), Michelle Shipworth (UCL), Sabine Mitter (BMIMI), Gabriela Straka (respACT), Lieve Helsen (KU Leuven), Andreas Hauer (ZAE Bayern), Christoph Brunner (AEE INTEC) © LippZahnschirm
Best Poster Award: vlnr. Christian Fink (AEE INTEC), Thomas Kienberger (Montanuniversität Leoben), Michel Haller (OST-Ostschweizer Fachhochschule), Hannah Görigk (RWTH Achen), Marie Fischer (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE), Christoph Brunner (AEE INTEC) © LippZahnschirm
AEE INTEC Geschäftsführung mit LR Willibald Ehrenhöfer, Moderator Bernhard Weingartner und den Gewinnern des Science Slam: vlnr. Christoph Brunner (AEE INTEC), LR Willibald Ehrenhöfer (Land Steiermark), Huy Doc Nguyen (HES-SO), Fabian Sander (Centria-ammattikorkeakoulu Ltd.), Astrid Leitner (BEST Bioenergy and Sustainable Technologies), Jasmin Pfleger (AEE INTEC), Pakdad Langroudi (HCU Hamburg), Christian Fink (AEE INTEC), Hans Schnitzer (AEE INTEC), Bernhard Weingartner (ARGE Wissenschaftskommunikation, S&B Weingartner) © LippZahnschirm
Geschäftsführung AEE INTEC mit Vertretern aus den Ministerien BMIMI, BMWET und BMLUK © LippZahnschirm
vlnr. Magdalena Ertl, Sabine Mitter und Isabella Warisch (alle BMIMI) © LippZahnschirm

Die 4. Internationale Konferenz für erneuerbares Heizen und Kühlen in integrierten städtischen und industriellen Energiesystemen (ISEC 2026) fand vom 14. bis 16. April 2026 im Messecongress Graz statt. Gemeinsam mit unseren Ko-Organisatoren United Nations Industrial Development Organization (UNIDO) und RHC-ETIP durften wir als AEE INTEC erneut ein internationales Fachpublikum in Graz willkommen heißen. Für uns war es besonders eindrucksvoll zu sehen, wie sich rund 550 Teilnehmer*innen aus 42 Ländern und fünf Kontinenten über drei Tage hinweg intensiv zu Forschung, technologischen Entwicklungen und Umsetzungsstrategien der Energiewende ausgetauscht haben.

Die ISEC ist für uns weit mehr als eine Konferenz. Sie ist ein Ort, an dem sichtbar wird, wie eng wissenschaftliche Forschung, industrielle Anwendung und politische Rahmenbedingungen heute miteinander verbunden sind – insbesondere im Bereich der Wärme- und Kälteversorgung, der für das Gelingen der Energietransformation eine zentrale Rolle spielt.

Konferenzprogramm entlang der gesamten Energietransformation

Die Welcome Session des ersten Tages wurde von unseren Geschäftsführern und Conference Chairs Christoph Brunner und Christian Fink eröffnet. Hochrangige Redner*innen wie Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Start-ups und Tourismus), Urban Peyker (stv. Geschäftsführer Klima- und Energiefonds) sowie Hon. Dr. Kandeh Kolleh Yumkella (ehemaliger UNIDO-Direktor) gaben richtungsweisende Impulse. Renommierte Keynotes von Rana Ghoneim (Chief of the Division for Energy and Climate Action UNIDO), Aleš Prešern (Geschäftsführer Siemens Energy Austria & Slowenien) sowie Werner Ressi (Vorstand Energie Steiermark) beleuchteten globale Transformationsprozesse, technologische Dynamik und konkrete Umsetzungspfade der Energiewende. Während Rana Ghoneim die internationale Perspektive in den Fokus stellte und auf die Bedeutung globaler Initiativen wie die Belém-Deklaration einging, betonte Aleš Prešern die Dynamik technologischer Entwicklungen und die Notwendigkeit, Geschwindigkeit in der Umsetzung deutlich zu erhöhen. Werner Ressi zeigte anhand konkreter Beispiele, wie Energie Steiermark mit gezielten Investitionen in erneuerbare Energien, Netze und Speicherlösungen die Energiewende aktiv vorantreibt – mit dem Ziel einer nachhaltigen, sicheren und zugleich leistbaren Energieversorgung.

In den insgesamt 20 Sessions sowie vier Workshops wurden zentrale Themen der Energiewende vertieft behandelt, darunter die Weiterentwicklung von Fernwärme- und Fernkältesystemen hin zu effizienten Netzinfrastrukturen auf Basis erneuerbarer Energien und industrieller Abwärme, die Transformation von Gebäuden zu energieeffizienten und weitgehend CO₂-armen Strukturen, die Nutzung industrieller Abwärme, Energiespeicher, Digitalisierung, sektorübergreifende Energiesysteme sowie Carbon Management. Besonders wertvoll war dabei der starke Praxisbezug vieler Beiträge, der den direkten Transfer von Forschung in Anwendung sichtbar machte.

Politik als Teil des gemeinsamen Dialogs

Wichtigen Impuls setzte Elisabeth Zehetner (BMWET), Staatssekretärin für Energie, Start-ups und Tourismus, die die Bedeutung von Innovationskraft, unternehmerischer Dynamik und beschleunigter Umsetzung für das Gelingen der Energiewende hervorhob. Ebenso unterstrich Willibald Ehrenhöfer, Landesrat für Wirtschaft, Arbeit, Finanzen, Wissenschaft und Forschung, die Rolle der Steiermark als Forschungs- und Industriestandort und die Bedeutung regionaler Innovationssysteme für die Transformation.

In der Plenary Session des zweiten Konferenztages gaben anschließend Sabine Mitter (Verantwortliche IEA-Forschungskooperation BMIMI), Mag. Michael Aumer (Abteilungsleiter Energieeffizienz und Wärme BMWET) und Dr. Thomas Schleker (Europäische Kommission DG Research and Innovation) Einblicke in aktuelle politische Rahmenbedingungen sowie nationale und europäische Förderprogramme. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere neue EU-Initiativen zur Unterstützung der Energie- und Wärmewende.

Ebenso durften wir zahlreiche Vertreter*innen der Ministerien Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET), Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLUK), der Österreichischen Forschungsförderungs GmbH (FFG) sowie des Klima- und Energiefonds (KLIEN) begrüßen. Darunter, Isabella Warisch (Abteiliungsleiterin Energie- und Umwelttechnologien BMIMI), Judith Neyer (Abteilungsleiterin Strategische Energiepolitik BMWET) sowie Julia Weihs (Referentin Nachhaltige Konsummuster und Ressourcennutzung BMLUK)

Auch der zweite Konferenztag setzte auf wissenschaftlicher Ebene einen starken Fokus auf zentrale Zukunftsfragen der Energiewende. Die Keynotes von Prof. Dr. Michelle Shipworth (UCL Energy Institute), Dr. Andreas Hauer (ZAE Bayern) und Prof. Dr. Lieve Helsen (KU Leuven) beleuchteten diese aus unterschiedlichen Perspektiven – von gesellschaftlicher Verantwortung über Energiespeicher als Flexibilitätsinstrument und die Flexibilisierung des Energiesystems bis hin zum klimaneutralen Umbau des Gebäudesektors durch die Kombination von Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Systemintegration.

Dinner Speech von gesellschaftspolitischer Relevanz

Spannend war die Dinner Speech von Hon. Dr. Kandeh Kolleh Yumkella (ehemaliger UNIDO-Direktor). Seine Botschaft war klar: Die Energiewende muss Afrikas zentrale Rolle als Lieferant kritischer Rohstoffe und als zukünftiger Energie- und Industriestandort stärker einbeziehen und erfordert dafür verbindliche internationale Kooperationen, abgestimmte politische und wirtschaftliche Strategien sowie fair gestaltete Wertschöpfungsketten, die über Länder- und Sektorgrenzen hinweg greifen und nachhaltige Entwicklung ermöglichen.

Forschung, Industrie und Umsetzung im direkten Dialog

Ein wesentliches Merkmal der ISEC ist der direkte Austausch zwischen Forschung und industrieller Praxis. Im Format „Meet the Industry“ kamen Energieversorger, Industrieunternehmen, Technologieanbieter und Forschungseinrichtungen zusammen, um zentrale Fragestellungen der Energiewende zu diskutieren. Die Moderation übernahm Markus Simbürger (Green Tech Valley Cluster). Beteiligt waren unter anderem Energie Steiermark, Wien Energie, GREENoneTECH, AGFW, EQUA, LINK3, WKO, BIOGEST, GAW, Siemens Energy, Energie Graz, Towern3000, EU Solaris, Geo5, HYDRO GmbH, Terra Green, BEST Bioenergy and Sustainable Technologies, REVEAL, ECOP, PINK sowie das ICS Internationalisierungs Center Steiermark. Der Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger (GBV) war durch die ÖWG-Wohnbau vertreten. Im Fokus standen praxisnahe Diskussionen zu Umsetzungsmöglichkeiten und zukünftigen Kooperationen.

Ein weiterer inhaltlicher Höhepunkt war der Best Poster Award im Rahmen der Closing Session, bei dem aus 150 wissenschaftlichen Beiträgen herausragende Forschungsarbeiten ausgezeichnet wurden und damit die hohe Qualität der eingereichten Forschung unterstrichen wurde. Die Auszeichnung wurde von Prof. Dr. Thomas Kienberger (Montanuniversität Leoben) begleitet. Prämiert wurden Hannah Görigk (RWTH Aachen), Marie Fischer (Fraunhofer ISE) und Dr. Michel Haller (OST – Ostschweizer Fachhochschule). Die Bewertung der „Best Poster“ erfolgte anhand von vier Kriterien: Innovation, Struktur, Layout/Design sowie Relevanz für Markt und Industrie. Entscheidend war, wie neuartig und praxisnah die Inhalte sind und wie klar und ansprechend sie präsentiert wurden.

Technical Tour, Side Events und internationale Vernetzung

Im Rahmen der ISEC fanden insgesamt 19 Side Events statt. Neben Treffen zu EU-Projekten und unterschiedlichen IEA-Taskmeetings aus den Bereichen erneuerbare Wärme- und Kältenetze, industrielle Dekarbonisierung, Dekarbonisierung des Gebäudesektors sowie Kreislaufwirtschaft, wurde in Kooperation mit UNIDO verschiedene Exkursionen organisiert. Dazu zählte einerseits eine Technical Tour zu zentralen Industrieprojekten in der Steiermark, darunter das voestalpine Werk in Kindberg mit Einblicken in die moderne Stahlrohrproduktion und Qualitätsprüfung, das „Renewable Gasfield“ in Gabersdorf als eines der ersten grünen Wasserstoff-Leuchtturmprojekte Österreichs sowie der Siemens Energy Standort Wollsdorf mit Fokus auf Transformatoren für die Integration erneuerter Energiesysteme. Die Tour verdeutlichte eindrucksvoll die industrielle Umsetzung der Energietransformation in der Region.

Weiters besuchte eine nigerianische Delegation mit Vertreter*innen aus Ministerien, Verbänden und Universitäten das ICS Internationalisierungscenter Steiermark und tauschte sich dort mit Geschäftsführer Karl Hartleb über internationale Kooperations- und Entwicklungsperspektiven aus. Darauffolgende Programmpunkte waren der Besuch des solaren Speicherprojekts HELIOS sowie der Puntigamer Brauerei in Graz, die durch gemeinsame Forschungsprojekte eng mit AEE INTEC verbunden sind.

Fazit: ISEC als gemeinsamer Entwicklungsraum

Die ISEC 2026 hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig internationale Fachkonferenzen für die Gestaltung der Energietransformation sind. Für uns als Veranstalter steht dabei im Mittelpunkt, Forschung nicht isoliert zu betrachten, sondern sie im kontinuierlichen Austausch mit allen relevanten Akteuren weiterzuentwickeln – von der Technologieentwicklung bis zur praktischen Umsetzung.

Die Vorbereitungen für die ISEC 2028 starten bereits diesen Sommer; die nächste Konferenz findet von 28. bis 30. März im Messecongress Graz statt.

Die Conference Proceedings sowie Präsentationen stehen in Kürze unter www.isec-conference.at zur Verfügung. Die Full Paper Publication erfolgt in Zusammenarbeit mit TIB Open Publishing und wird bis Ende Mai veröffentlicht.

Projektleitung / Organisator

AEE – Institut für Nachhaltige Technologien

Co-Organisatoren

 

Kontakt

Christoph Brunner

Christian Fink