Biomasse-Nahwärme im neuen Gewand
Über 60 Vertreter*innen der Nah- und Fernwärme-Branche, Förderstellen und Verwaltung trafen sich im Juni zur QM Fachtagung in Salzburg. Die QM Fachtagung 2026 stand unter dem Thema „Biomasse im neuen Gewand“ und zeigte, dass Biomasse-Wärmenetze künftig nicht mehr nur als reine Kessel- und Verteilnetzinfrastruktur verstanden werden können. Im Mittelpunkt standen neue Systemansätze für integrierte Wärmesysteme.
Ein wesentliches Ergebnis der Veranstaltung war, dass die Transformation von Wärmenetzen klare Rahmenbedingungen und professionelle Projektentwicklung benötigt. Förderungen setzen weiterhin wichtige Investitionsimpulse; zugleich steigen die Anforderungen an Qualitätssicherung und Förderungsabwicklung. Damit gewinnt die frühe Abstimmung zwischen Betreiber:innen, Planer:innen, Qualitätsbeauftragten und Förderungsstellen zusätzlich an Bedeutung.
Auch aktuelle regulatorische Entwicklungen wurden als zentrale Treiber diskutiert. Im Fokus steht dabei insbesondere die künftig verpflichtende Gasnetzstilllegungsplanung, deren rechtlicher Rahmen sich derzeit noch in Ausarbeitung befindet. Im Zusammenhang mit der kommunalen Wärmeplanung wird erwartet, dass hiervon wichtige Impulse ausgehen. Für Gemeinden bedeutet dies, Wärmenetze, erneuerbare Energiequellen, Abwärme, Stromnetze und Gasnetzstrukturen integriert zu betrachten. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern erfordert eine vorausschauende Alternativenplanung, eine belastbare Datengrundlage sowie eine regelmäßige Abstimmung zwischen den beteiligten Akteuren.
Nur eine systematische und langfristig angelegte strategische Wärmeplanung kann dafür den passenden Rahmen schaffen. Am Beispiel Gleisdorf wurde gezeigt, wie Geodatenmanagement, GIS-basierte Analyse, Energiemodellierung und Szenarienbewertung zu einem übertragbaren Planungsansatz verbunden werden können, um den fossilen Ausstieg durch datenbasierte Wärmeplanung zu unterstützen. Im Best-Case-Szenario konnte damit eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um bis zu 82 % erreicht werden. Gleichzeitig stieg der Anteil erneuerbarer Primärenergie von derzeit 39 % auf 87 %.
Die technischen Beiträge zeigten ergänzend dazu Lösungen, um Biomasse-Wärmenetze durch Speicher, Power-to-Heat, Wärmepumpen und Abwärmenutzung flexibler und emissionsärmer zu machen. Beispiele aus Fernitz, Wald im Pinzgau und Saalfelden verdeutlichten, dass Sommerbetrieb, Teillast und Ersatz fossiler Spitzenlasten zentrale Optimierungsfelder sind. Bestehende Netze können erhebliche Potenziale zur Effizienz- und Kostenoptimierung aufweisen. Lebenszyklusanalysen ergänzen diese Perspektive durch die Bewertung von Maßnahmen über den gesamten Lebensweg und zeigen substanziell gesenkte Treibhausgasemissionen durch die untersuchten Maßnahmen.
Insgesamt bleiben Biomasse-Wärmenetze damit zentrale Bausteine der Wärmewende, die das volle Potenzial nur dann entfalten können, wenn sie systemisch geplant, effizient betrieben und technologisch weiterentwickelt werden.
Auftrag/Fördergeber
Programm
klimaaktiv Heizwerke und Wärmenetze