Anergienetze – Flexible Infrastruktur für eine zukunftsfähige Energieversorgung

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Das Energiesystem im Projekt Herzogenburg (Garten der Generationen e.V.), Ausbaustufe nach Abschluss der Phase 1, Erweiterung des Anergienetzes in weiteren Bauphasen Quelle: AEE INTEC
Identifikation als Faktor für ein gelingendes Miteinander – Bewohner des Wohnquartiers Foto: Gerhard Kunz
Stadt der Zukunft-Auszeichnung Bild: (v.l.n.r.) Ronald Wytek (GdG), Markus Distelberger (GdG), Christian Fink (AEE INTEC), Margit Atzler (GdG – free press), Volker Schaffler (BMK), Ingo Leusbrock (AEE INTEC) Foto: Gerhard Kunz

Bei Wärme- und Kälteversorgungskonzepten für neu geplante oder zu renovierende Stadt- und Wohnquartiere wird immer mehr auf innovative Konzepte, wie zum Beispiel Anergienetze, gesetzt.  Es handelt sich bei diesen Netzen um (Mikro)-2-Leiter-Fernwärmenetze auf niedrigstem Temperaturniveau (ca. 4-25 °C im Jahresschnitt). An diese Anergienetze angeschlossene thermische Verbraucher, Erzeuger und Speichereinrichtungen können über das Netz Wärme austauschen. Die Netzanbindung der Verbraucher erfolgt über Wärmepumpen, welche die verbraucherseitigen Bedarfe nach entsprechender Temperaturanforderung bereitstellen. Durch das niedrige Temperaturniveau kann Energie aus erneuerbaren Quellen wie Solarthermie oder Abwärme aus Kühlprozessen effizienter in das Netz eingespeist werden.

Garten der Generationen e.V. baut in Herzogenburg (OÖ) in mehreren Bauphasen ein Mehrgenerationenwohnquartier, das mit einem Anergienetz verbunden ist. Thermisch wird das Quartier hauptsächlich durch solarthermische Kollektoren versorgt. Neben Puffertanks in den Gebäuden kommen außerdem Langzeitspeicher in Form von Fundamentspeichern, geothermischen Bohrsonden sowie einem thermisch aktivierbaren Schwimmteich zum Einsatz. Die im ersten Bauabschnitt errichteten Produktions- und Speichereinrichtungen sind mit dem Anergienetz verbunden und bilden gemeinsam mit dem Netz ein BUS-System, welches mit den weiteren Bauphasen wächst und zusätzliche Energiesystemkomponenten integrieren kann.

Die erste der vier Bauphasen wurde im September 2022 abgeschlossen. Neben einem Gemeinschaftsgebäude wurden zwei Wohngebäude mit insgesamt 24 Wohnungen errichtet, wovon zwei Wohnungen als „Co-working Space“ gewerblich genutzt werden können. Vier Wohnungen sind als Gemeinschaftswohnungen mit betreuter Pflege vorgesehen. Die Wohnungen sind mit Stand Oktober 2022 fast vollständig vergeben.

Im Forschungsprojekt Anergy2Plus erfährt die Realisierung des Wohnquartiers eine wissenschaftliche Begleitung. Vom Entwurf über die Umsetzung bis hin zur Nutzung durch die Bewohner*innen werden Fragestellungen in Bezug auf das Anlagenverhalten und zukünftige, erweiterte Systemkonfigurationen beantwortet. Ein Monitoringsystem liefert Messdaten, die einerseits zur kontinuierlichen Optimierung des Systembetriebs als auch als Grundlage für die Bewertung des ersten und die Auslegung der weiteren Bauphasen dienen. Ein wesentlicher Punkt ist dabei auch die Integration der Nutzer*innen und Bewohner*innen. Mit Hilfe von Workshops und Infoveranstaltungen wird den Bewohner*innen die Funktionsweise des Energiesystems nähergebracht. Durch die Verschneidung der Bedürfnisse der Bewohner*innen mit den möglichen Erweiterungen des Energiesystems wird zum einen Bewusstsein für Energie im Quartier geschaffen, und zum anderen ist Mitbestimmung ein wesentlicher Identifikationsfaktor für jeden einzelnen.

Ziel des Projektes Anergy2Plus ist es, grundlegendes Know-how für die Planung, Umsetzung und Nutzung eines Quartierversorgungskonzepts auf Basis kalter Fernwärme zu erlangen, welches sich auf spätere Umsetzungsvorhaben ähnlicher Konzeption anwenden lässt.

Im Rahmen der Auszeichnung stellte Ronald Wytek, Vorstandsmitglied „Garten der Generationen“, das Projekt mit seinen Meilensteinen vor, Ingo Leusbrock, AEE INTEC, ging auf das Energiekonzept des Demoprojekts näher ein. Nach Besichtigung des Technikraums und des Quartiers erfolgte die feierliche Übergabe der „Stadt der Zukunft“-Urkunden durch Volker Schaffler (Abt. III/I3, BMK) an das Projektteam.

Projektpartner
Garten der Generationen e.V.
Technisches Büro Obkircher – TBO

Kontakt
Lorenz Leppin