Bürgerenergiegemeinschaft Augustinum: Nachhaltige Energie trifft soziale Verantwortung
Der Campus Augustinum in Graz vereint vielfältige Bildungseinrichtungen unter einem Dach – darunter das bischöfliche Gymnasium, eine private pädagogische Hochschule, ein Internat, einen Kindergarten und eine Praxisvolksschule. Mit einem jährlichen Stromverbrauch von rund einer Million Kilowattstunden stellt der Energiebedarf des Campus eine erhebliche Herausforderung dar. Eine kürzlich installierte Photovoltaikanlage kann derzeit etwa 13 % dieses Bedarfs decken – ein erster, wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Eigenversorgung.
Nun geht das Augustinum einen Schritt weiter: Mit der Gründung der Bürgerenergiegemeinschaft (BEG) Augustinum werden Eltern, Alumni und Mitarbeiter*innen eingeladen, überschüssige Energie aus privaten Photovoltaikanlagen zur Verfügung zu stellen. Ziel ist es, durch direkte Beteiligung einen gemeinschaftlich getragenen Beitrag zur Energiewende zu leisten.
Energiemengen sinnvoll verbinden
Viele Haushalte erzeugen unter der Woche tagsüber PV-Strom, den sie mangels Eigenverbrauchs ins öffentliche Netz einspeisen – häufig zu wenig attraktiven Konditionen. Gleichzeitig fällt genau in diesen Zeiten am Campus der höchste Energiebedarf an, etwa für den Unterrichts- und Internatsbetrieb. Die BEG Augustinum ermöglicht es, diese Potenziale zu koppeln: Erzeugerinnen und Verbraucherinnen werden direkt miteinander verbunden – ohne zwischengeschaltete Energielieferanten.
Mehrwert für Bildungsgerechtigkeit
Der wirtschaftliche Vorteil aus dem direkten Energieaustausch – konkret die erzielten Einsparungen – kommt dem Sozialfonds des Augustinums zugute. Dieser Fonds unterstützt Schüler*innen, deren Familien sich die Schulgebühren sonst nicht leisten könnten. So trägt die Energiegemeinschaft nicht nur zu einer umweltfreundlicheren Versorgung bei, sondern auch zur sozialen Durchlässigkeit im Bildungsbereich.
„So verbindet die Energiegemeinschaft den Einsatz für eine umweltfreundliche Zukunft mit der Förderung von Bildungsgerechtigkeit – ein einzigartiger Beitrag zur Gemeinschaft.“
(BEG Augustinum)
Stimmen der Gründungsmitglieder
Claudia Pein, eine der Initiatorinnen der BEG, betont den gesellschaftlichen Auftrag solcher Modelle:
„Die vielen Krisen unserer Zeit verlangen ein anderes Wirtschaften. Es geht darum, die Werte des Aufeinanderbezogenseins – mit der Natur und unter Menschen – zu erkennen und auch im wirtschaftlichen Handeln umzusetzen. Solidarische Energiegemeinschaften leisten einen Beitrag zu regionaler, nachhaltiger und zukunftsfähiger Versorgung mit Energie.“
Für Georg Glatz, ebenfalls Gründungsmitglied, steht die langfristige Verantwortung im Zentrum:
„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.“
(Marie von Ebner-Eschenbach)
Warum eine Bürgerenergiegemeinschaft – und keine regionale?
Obwohl Energiegemeinschaften in der Regel von der Möglichkeit profitieren, Netzgebühren zu reduzieren, hat sich das Augustinum bewusst für die Form einer Bürgerenergiegemeinschaft entschieden – auch wenn dabei die vollen Netzgebühren anfallen. Zwei Aspekte waren dafür ausschlaggebend:
- Im Bereich des zuständigen Umspannwerks (Graz Zentrum) wird nur wenig erneuerbare Energie erzeugt – eine regionale Energiegemeinschaft ist daher kaum realisierbar.
- Über eine BEG können Zählpunkte aus ganz Österreich eingebunden werden. Das eröffnet vielen Menschen mit Bezug zum Augustinum – unabhängig vom Wohnort – die Möglichkeit zur aktiven Mitwirkung.
Auftrag/Fördergeber
Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BM IMI)
Programm
Leuchttürme für resiliente Städte 2040