Der Weg zu klimafitten Biomasseheizwerken
In Österreich wird rund die Hälfte des Gesamtenergieverbrauchs für die Wärmeversorgung (Raumheizung und -kühlung, Warmwasser, Prozesswärme) verwendet. Dabei wurden 2023/24 rund 40 Prozent des gesamten Wärmebedarfs durch erneuerbare Wärmequellen gedeckt, im Fernwärmesektor beträgt der Anteil der Erneuerbaren rund 50 Prozent und wird hauptsächlich durch Biomasse bereitgestellt. Weiter wird uns aktuell die Notwendigkeit der Abkehr von Brennstoffimporten und fossilen Energieträgern nicht allein durch den Klimawandel, sondern durch geo- und energiepolitische Entwicklungen bewusst gemacht. Die rasche und vollständige Diversifizierung sowie Defossilisierung des Wärmesektors stellen daher eine zentrale Herausforderung dar. Dazu sind neben entsprechenden politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen speziell Projekte an der Schnittstelle zwischen Forschung und Demonstration wie „BM Retrofit“ notwendig.
Das Projektteam arbeitet an neuen Wegen, um Biomasseheizwerke effizienter, ressourcenschonender und wirtschaftlicher zu betreiben. Dabei stehen Rauchgaskondensation, Wärmepumpen und Speichertechnologien im Fokus. Ziel ist es, Emissionen zu reduzieren, erneuerbare Energie besser zu nutzen und die Versorgungssicherheit langfristig zu stärken.
In BM Retrofit wurde ein ganzheitlicher methodischer Ansatz entwickelt, welcher auf technischen, organisatorischen und systemischen Maßnahmen basiert. Diese intelligente Kombination ermöglichte, bestehende Wärmenetze an zukünftige Anforderungen anzupassen und weiterzuentwickeln. Die daraus resultierenden Konzepte wurden in drei Demonstratoren (Wald im Pinzgau, Saalfelden und Kreuzstetten) anhand spezifischer Anwendungsfälle (z.B. Integration von Absorptionswärmepumpen, thermohydraulische Simulationswerkzeuge, vorausschauende Regelungskonzepte, etc.) umgesetzt. In der aktuellen Ausgabe des Magazins Nachhaltige Technologien gibt es einen entsprechenden Artikel dazu.
Dieser methodische Forschungsansatz ermöglichte die Implementierung von intelligenten Energiesystemen bei den drei Demonstratoren, um die Gesamteffizienz und Flexibilität bei reduzierten Emissionen zu erhöhen, die bestmögliche Nutzung lokal verfügbarer Energiequellen zu ermöglichen, Synergien bestehender Infrastrukturen auszuschöpfen und ein zukunftssicheres, nachhaltiges und wirtschaftliches System zu schaffen. Die entwickelten systemischen Lösungen positionieren die Demonstratoren als national und europäisch relevante Vorreiter und zeichnen sich durch eine hohe Skalierbarkeit aus .
Im Rahmen eines Online-Talks Anfang November wurden Lösungsansätze zur Modernisierung und Optimierung von biomassebasierten Heizwerken vorgestellt.
Parallel wurde ein Ideenwettbewerb in Form einer digitalen Ideenbox auf der Plattform Stadt.Land.Ideen, durchgeführt. Gesucht wurden kreative Ansätze, wie Heizwerke und Wärmenetze noch stärker in die Kreislaufwirtschaft eingebunden werden können – etwa durch die Nutzung regionaler Ressourcen oder neue Geschäftsmodelle. Studierende, Gemeinden, Unternehmen sowie engagierte Bürger*innen waren eingeladen, ihre Ideen einzureichen. Die besten Beiträge werden im Jänner 2026 dem Projektkonsortium präsentiert.
Alle Ergebnisse des Projekts BM Retrofit werden bei der Mitteleuropäischen Biomassekonferenz 2026 (CEBC 2026) und im Rahmen eines dort stattfindenden Workshops präsentiert. Dort gibt es einen kompakten Überblick über neueste technologische Entwicklungen – von innovativen Regelstrategien bis zu integrativen Speicherlösungen – und Impulse für die Wärmewende der Zukunft. Eingeladen sind Betreiber*innen, Planer*innen, Technologieanbieter*innen, Kommunen, Fachleute aus der Wärmebranche sowie alle, die den Austausch zwischen Forschung, Technik und Praxis suchen. Neben spannenden Vorträgen bietet der Workshop Gelegenheit, Fragen zu stellen und Kontakte zu knüpfen.
Auftrag/Fördergeber
Programm
Vorzeigeregion Energie – Green Energy Lab
Projektkoordinator
Projektpartner
- AIT Austrian Institute of Technology GmbH (AIT)
- BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH (BEST)
- Bioenergie-Service registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung (BIS)
- Ing. Leo Riebenbauer GmbH (LEO)
- Energieagentur Obersteiermark GmbH (EAO)
- EQUANS Energie GmbH (EEN)
- JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH (JR)
- Pink GmbH (PNK)
- Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation (SAG)
- StadtLABOR Innovationen für urbane Lebensqualität GmbH (SLG)
- StepsAhead Energiesysteme GmbH (STEP)
- Technische Universität Wien Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe (TUW)