Expertenworkshop zur Rolle von Gebäuden als flexibles Element in unseren Energiesystemen
In vielen Diskussionen rund um die Energiewende wird Gebäuden eine wichtige Rolle als flexibles Element zugewiesen: Gebäude können als thermische oder elektrische Speicher fungieren, sie können in Lastmanagement-Ansätzen zur Glättung von Netzspitzen oder als Verbraucher in Schwachlastzeiten eingesetzt werden oder sie können als Prosumer, also als Energieverbraucher und -erzeuger, eingebunden werden. Wie dieses Potenzial tatsächlich genutzt werden kann, welche technischen und nicht-technischen Herausforderungen zu lösen sind und wie eine Umsetzung in verschiedenen Ländern aussehen kann, ist derzeit Gegenstand internationaler Forschung.
Zu diesem Thema laufen unter anderen zwei Projekte im Rahmen der IEA (Internationale Energieagentur): Der IEA EBC Annex 84 (Demand Management of Buildings in Thermal Networks), beschäftigt sich primär mit dem Potenzial von Gebäuden als flexibles Lastmanagement-Element in Fernwärmenetzen. Hierbei werden sowohl die sozialen und technischen Herausforderungen untersucht und wie diese für verschiedene Gebäudetypologien, Klimazonen und lokale Bedingungen überwunden werden können, als auch wie die Digitalisierung des Wärme-/Kältebedarfs die Aktivierung der Nachfragesteuerung erleichtert.
Der IEA ES Task 43 (Standardized use of building mass as storage for renewables and grid flexibility), fokussiert sich darauf, das Konzept der thermischen Bauteilaktivierung für eine weitreichende Integration auf internationaler Ebene vorzubereiten und die Vorteile dieser Speicher auf lokaler, Stadtteil- bzw. Stadtebene nutzbar zu machen.
Beide IEA-Aktivitäten trafen sich am 09.04.2024 in Graz zu einem Workshop, um Ideen auszutauschen und daran zu arbeiten, wie man gemeinsam das vorhandene Potenzial von Gebäuden auch wirklich nutzbar machen kann. Mehr als 25 internationale Experten*innen diskutierten unter anderem über nicht–technische Herausforderungen wie den schwierigen Schritt von der Forschung Richtung zur tatsächlichen Markteinführung und das Fehlen von Geschäfts- und Tarifmodellen für Energieversorger und Wärmenetzbetreiber. Genereller Konsens bestand darin, dass die einzelnen Technologien vorhanden und marktreif sind, die tatsächliche Markteinführung aber daran scheitert, dass die Zusammenführung von allen technischen, nicht-technischen und wirtschaftlichen Komponenten der nächste Schritt ist. Hierzu bedarf es jedoch einer Vielzahl von großmaßstäblichen Umsetzungs- und Demonstrationsprojekten, um das Potenzial tatsächlich aufzuzeigen und die verbleibenden Fragestellungen gemeinsam zu bearbeiten und zu lösen.
Fördergeber:
Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG)
Kontakt:
Ingo Leusbrock