Grazer Stadtquartier wird unabhängig von Gas

© AEE INTEC / Thomas Ramschak

Graz ist die zweitgrößte österreichische Pionierstadt im Programm „Klimaneutrale Stadt“. Im Rahmen dieser vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie sowie dem Klima- und Energiefonds unterstützten Initiative begleitet Graz vier Vorzeige-Quartiere bei der Transformation in Richtung Klimaneutralität.
Im Bereich des ehemaligen Areals der Tagger-Mühle entsteht eines der vier wegweisenden neuen Stadtquartiere. Die lokale Entwicklung, die sich über mehrere Ausbaustufen erstreckt, transformiert ein einstiges Industrieareal in einen durch erneuerbare Energie versorgten Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum für die Grazer Stadtbevölkerung. Die finale Ausbaustufe wird 31.000m² Nutzfläche aufweisen.

Das Herzstück dieser Transformation liegt in der Energieversorgung. Anstelle fossiler Versorgung mit Erdgas setzen die Entwickler der BAR Vermögensverwaltung GmbH dabei auf erneuerbare Energiequellen, mit dem Ziel der vollständigen Versorgung des Quartiers durch nachhaltige Technologien. Die Versorgungsanlagen werden dabei in mehreren Phasen umgesetzt, welche sich an den jeweiligen Ausbaustufen des Gesamtquartiers orientieren. Durch diesen seriellen Ansatz konnte die ehemalige Gasversorgung bereits jetzt komplett abgeschaltet und der Verbrauch der bereits genutzten Flächen ausschließlich durch erneuerbare Energie gedeckt werden.
Zurzeit sind am Areal drei Grundwasser-Wärmepumpen installiert. Die Umsetzung einer vierten, kaskadisch genutzten Hochtemperaturwärmepumpe wird gerade durchgeführt. In der finalen Ausbaustufe sind insgesamt fünf Wärmepumpen geplant, die das Areal im Winter mit Wärme und durch den reversiblen Betrieb im Sommer mit Kälte versorgen. Die sommerliche Kälteversorgung wird weiters zur Warmwasserbereitung genutzt (Bi-generation) und erzeugt so einen doppelten Nutzen der eingesetzten elektrischen Energie.
Die benötigte elektrische Energie wird ebenfalls am Areal erzeugt. Dies erfolgt durch einen Mix von Kleinwasserkraft (140 kWp, 8300 Betriebsstunden pro Jahr) und gebäudeintegrierter PV (365 kWp in der letzten Ausbaustufe), inklusive lokalem Stromspeicher (225 kWh Batterien). Der erzeugte Strom kommt nicht nur den Gebäuden zugute, sondern wird über ein E-Mobility Konzept auch für nachhaltigen Transport genutzt. Die Errichtung von 13 E-Ladestationen findet gerade statt.
Das Tagger-Areal ist durch die vielen innovativen Ansätze vor Ort auch ein lebendiges Experimentierfeld für neue Technologien und Umsetzungsschauplatz nationaler und internationaler Forschungsprojekte. Im nationalen Projekt HybridLSC (Vorzeigeregion Green Energy Lab) wird zurzeit die Wärmepumpennutzung und Energieverteilung am Areal optimiert, während das internationale EU-Projekt EXCESS die Implementierung außenliegender Bauteilaktivierung begleitet. Erste Fassadenelemente sind bereits mit dieser Technologie umgesetzt.
Das Quartier Tagger-Areal ist daher nicht nur ein Meilenstein für die Grazer Stadtentwicklung, sondern auch Symbol für den Wandel und die Anpassungsfähigkeit im urbanen Raum.

Auftraggeber / Fördergeber des Projektes HybridLSC:
Klima- und Energiefonds

Programm:
Vorzeigeregion Green Energy Lab

Projektkoordinator:
TU Wien – Energy Economics Group

Projektpartner:


Konakt:
Michael Gumhalter