Innovativer Co-Housing-Demonstrator startet in der Steiermark
In der steirischen Gemeinde Gutenberg ist das Forschungsprojekt CoHo Gutenberg gestartet. Ziel des Projekts ist es, auf Siedlungsebene zu untersuchen, wie energieeffizientes Bauen, gemeinschaftliches Wohnen und der sparsame Umgang mit Ressourcen kombiniert werden können. Im Zentrum steht ein Demonstrator, der als reales Forschungsfeld dient: Hier werden architektonische, technische und soziale Ansätze praxisnah erprobt und wissenschaftlich begleitet.
Ökologische Suffizienz im Fokus
Ein Kernziel von CoHo Gutenberg ist die Umsetzung von ökologischer Suffizienz. Anders als bei Effizienzstrategien, die bestehende Verbrauchsmuster optimieren, bedeutet Suffizienz eine bewusste Reduktion des Ressourcenverbrauchs auf das notwendige Maß. Im Wohnbereich heißt das, den Flächenbedarf pro Person zu verringern und gleichzeitig die Lebensqualität zu erhalten. Durch Co-Creation-Prozesse, in denen Forschende, Architekt*innen und zukünftige Nutzer*innen gemeinsam die Raumgestaltung entwickeln, entstehen Wohnräume, die private Rückzugsbereiche und gemeinschaftlich genutzte Flächen verbinden. So wird untersucht, wie Architektur Komfort, soziale Interaktion und Ressourcenschonung miteinander verbinden kann.
Anergienetz: Wärme- und Kälteversorgung auf Siedlungsebene
Ein technischer Schwerpunkt des Projekts ist das Anergienetz, gespeist durch Ringgrabenkollektoren. Die Dimensionierung und Optimierung des Netzes erfolgt in Zusammenarbeit mit AEE INTEC. Die Expert*innen analysieren das Energiesystem anhand detaillierter Simulationen und Parameterstudien, um die technische und ökologische Leistungsfähigkeit zu maximieren. Auch nach der Inbetriebnahme begleitet AEE INTEC das Projekt durch kontinuierliches Monitoring und umfassende ökologische Bewertungen, sodass die geplanten Einsparungen in der Praxis nachvollziehbar umgesetzt werden können. Auf diese Weise wird untersucht, inwieweit die Wärme- und Kälteversorgung in Kombination mit lokal erzeugter erneuerbarer Energie ökonomisch und technisch tragfähig ist.
Co-Housing als soziales Experiment
CoHo Gutenberg untersucht zudem Co-Housing als soziales Ökosystem. Analysiert wird, wie gemeinschaftliche Strukturen – von geteilter Mobilität über Kleinstlandwirtschaft bis hin zu partizipativen Organisationsformen – den sozialen Zusammenhalt beeinflussen. Das Kick-off-Meeting hat die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Architekt*innen, Gemeinde und zukünftigen Bewohner*innen eingeleitet und die Basis für den interdisziplinären Forschungsansatz gelegt.
Die Erkenntnisse aus CoHo Gutenberg werden kontinuierlich dokumentiert und werden praktikable Modelle für nachhaltiges, gemeinschaftliches Wohnen im ländlichen Raum liefern.
Auftrag/Fördergeber
Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI)
Programm
Mission Klimaneutrale Stadt – Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt 2024