Leitfaden zur Partizipation im Wohnbau

© AEE INTEC / Anna Fulterer
© AEE INTEC / Anna Fulterer

Gemeinsame Entscheidungen können herausfordernd sein, zahlen sich jedoch langfristig aus – besonders, wenn die Betroffenen aktiv einbezogen werden. Dies gilt insbesondere im Wohnbau, wo Menschen oft in Wohnräumen leben, die sie zwar ausgewählt, aber nicht mitgestaltet haben. Bauträger errichten in der Regel Gebäude, die sich an gesetzlichen Vorgaben und allgemeinen Erfahrungswerten orientieren, um den Bedürfnissen von Käufern oder Mietern gerecht zu werden. Dadurch entstehen zwar technisch hochwertige Wohngebäude, doch nutzerspezifische Anpassungen, insbesondere in Gemeinschafts- und Außenbereichen, bleiben häufig aus.

Ein Grund dafür ist, dass die Bedürfnisse künftiger Bewohner*innen häufig von den Annahmen einer durchschnittlichen Zielgruppe abweichen. Zudem haben sich die Anforderungen an Wohnräume in den letzten Jahren erheblich verändert. Ein anschauliches Beispiel dafür sind Abstellplätze und Ladestationen für E-Bikes: Während sie im selbstbestimmten Bauen und Sanieren bereits eine große Rolle spielen, werden sie im konventionellen Wohnbau kaum berücksichtigt. Dabei erweitern diese Fahrräder nicht nur den Bewegungsradius, sondern eignen sich auch hervorragend für den Transport von Einkäufen oder Gepäck. Um diese Möglichkeiten zu nutzen, benötigen Bewohner*innen jedoch geeignete Abstellplätze und Ladestationen. Diese Wünsche werden häufig geäußert, sind aber gesetzlich nicht vorgeschrieben und werden daher in den Planungen von Bauträgern meist übersehen.

Im Projekt „SmartMainstreaming“ entwickelte AEE INTEC gemeinsam mit dem StadtLABOR Graz, dem Bauträger WEGRAZ und dem Planungsteam von schwarz.platzer.architekten über mehrere Jahre hinweg ein Wohnbauprojekt, das auch die Einbindung der zukünftigen Bewohner*innen umfasste. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind nun öffentlich zugänglich und im Leitfaden „Ein partizipatives Planungs-, Entwicklungs- und Vertriebsmodell“ zusammengefasst.

Der kompakte Leitfaden fasst auf nur acht Seiten die zentralen Aspekte der partizipativen Gebäudeentwicklung zusammen. Zunächst wird die Motivation hinter partizipativen Prozessen erläutert und aufgezeigt, welche Ziele und Ergebnisse sich dadurch erreichen lassen. Anschließend werden die konkreten Schritte erklärt, die für eine erfolgreiche Umsetzung notwendig sind.

Die partizipative Entwicklung wird in einzelne Phasen unterteilt, wobei jede Phase detailliert beschreibt, welche Aufgaben abzuwickeln sind, welche Ergebnisse angestrebt werden und welche Herausforderungen berücksichtigt werden sollten. Der Prozess beginnt mit der Entwicklungsphase und umfasst die Planung sowie die Umsetzung. Besonders betont wird die Bedeutung der Betriebsphase, in der die Bewohner*innen weitgehend eigenverantwortlich ihre Siedlung weiterentwickeln und optimieren können.

Obwohl der Leitfaden auf den Erfahrungen aus dem Projekt „SmartMainstreaming“ basiert, in dessen Rahmen eine neue Wohnsiedlung entstand, richtet er sich auch an jene, die die Sanierung, Weiterentwicklung oder den Betrieb von Einfamilienhäusern, Quartieren oder bestehenden Siedlungen verbessern möchten.


Auftrag/Fördergeber


Programm

Smart Cities Demo – Living Urban Innovation 2019

Projektkoordinator

StadtLABOR – Innovationen für urbane Lebensqualität GmbH

Projektpartner


Kontakt

Anna Maria Fulterer