Live-Demonstration der seriellen Sanierung an einem Studentenwohnheim in Graz
Am 05. Dezember 2025 wurde in der Grünen Gasse in Graz die dritte LIVE-DEMO zur Seriellen Sanierung im Rahmen des von AEE INTEC geleiteten Forschungsprojekts RENVELOPE durchgeführt. Mehr als 35 hochkarätige Vertreter*innen aus Immobilien- und Wohnungswirtschaft, Bauwirtschaft, Forschung sowie der öffentlichen Verwaltung waren vor Ort, um die RENVELOPE-Methode direkt am Objekt zu erleben.
Im Mittelpunkt stand eine zukunftsweisende Form der energetischen Gebäudesanierung, die innovative Technik mit Nachhaltigkeit und hoher Umsetzungseffizienz verbindet. Im Rahmen der Seriellen Sanierung werden modular vorgefertigte Fassadenelemente eingesetzt, die sämtliche bautechnischen und energetischen Funktionen – wie beispielsweise ein Lüftungssystem, eine PV-Anlage sowie eine Luftwärmepumpe – enthalten und innerhalb weniger Tage auf der Baustelle montiert werden können.
Als Demonstrationsobjekt für die RENVELOPE-Sanierungsmethode diente ein sechsgeschossiges Studentenwohnheim der Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft aus dem Jahr 1972.
Wie bereits bei der Live-Demo am 14. November in der Arenberggasse in Wien bot auch dieser Termin die Gelegenheit für eine fachliche Diskussion. Impulse lieferten Christian Fink und Tobias Weiß (beide AEE INTEC), Martin Minich-Marantidis (Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft) sowie Wolfgang Amann (IIBW), moderiert wurde die Diskussion von Cornelia Ninaus (AEE INTEC).
Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die Finanzierungsmöglichkeiten, die Potenziale der Seriellen Sanierung in Österreich sowie die Abläufe auf der Baustelle. Die gemeinsame Einschätzung der Teilnehmenden zum Thema Potenzial fiel klar aus: Die serielle Sanierung großvolumiger Bestandsgebäude bietet enormes Potenzial – sie ist minimalinvasiv, qualitativ hochwertig, sauber und schnell umsetzbar. Die größte Hürde, um das Potenzial auszuschöpfen, liegt bei den Finanzierungsmöglichkeiten. Mehr serielle Sanierungen werden mittelfristig zu niedrigeren Sanierungskosten führen. Offen bleibt jedoch, wie der Markthochlauf initial angestoßen werden kann, ohne auf Forschungsprojekte wie RENVELOPE angewiesen zu sein.
Von den Fachexperten kamen in der Diskussion zahlreiche Vorschläge, die den Hochlauf der seriellen Sanierung unterstützen würden. So würden z.B. Anpassungen im Mietrechtsgesetz (MRG) dazu führen, dass die Energiekosteneinsparung den Bewohner*innen zugutekommt und somit eine Kostenumlegung möglich wird. Gleichzeitig wurden Potenziale zur Kostensenkung in der Standardisierung der Methode geortet, wie z.B. in den Prozessabläufen (Planung, Fertigung, Montage) sowie der konsequenten Prozessdigitalisierung. Ein zentraler Vorteil der seriellen Sanierung wurde in der einfachen Möglichkeit im Sommer die Gebäude zu kühlen gesehen. Schlussendlich herrschte Einigkeit, dass eine größere Anzahl an seriell sanierten Gebäuden wichtige Erkenntnisse liefern, Dynamik in der Fertigteilbranche generieren und durch den Wettbewerb auch die Kosten senken würden.
Das Demonstrationsobjekt in der Grünen Gasse 48 in Graz zeigt exemplarisch die konkreten Leistungs- und Umsetzungspotenziale der RENVELOPE-Sanierungsmethode: Der sechsgeschossige Stahlbetonbau mit einer Bruttogeschossfläche von 1.265 m² wurde nach früheren Teilsanierungen an Fassade, Dach und Fenstern in den Jahren 2025/2026 seriell weiterentwickelt. Dies umfasste die Umstellung von einer Stromdirektheizung auf ein System aus Luftwärmepumpe und fassadenintegrierter Bauteilaktivierung sowie die Integration eines Gründachs und einer Fassadenbegrünung.
Die energetischen Kennwerte verdeutlichen die Wirkung der Maßnahmen an Gebäudehülle und Anlagentechnik: Der U-Wert (auch als K-Wert bezeichnet; er beschreibt den Wärmedurchgang durch ein Bauteil – je niedriger der Wert, desto besser ist die Wärmedämmung) konnte von 0,41 auf 0,14 W/m²K verbessert und der Heizwärmebedarf um rund 60 % reduziert werden. Gleichzeitig unterstreicht die kurze Montagezeit der Module von 17.11. bis 05.12.2025 – insgesamt rund zwei Wochen – die hohe Umsetzungseffizienz der seriellen Vorgehensweise.
Ein begleitendes, schrittweises Monitoring, unter anderem zu Energieverbräuchen, Innen- und Außentemperaturen, Behaglichkeit, Dachstrahlung sowie den Laufzeiten der Luftwärmepumpe, sowie ergänzende Aktivitäten zur Optimierung von Betrieb, Bauprozess und Kosten schaffen darüber hinaus die Grundlage, die Lösung nicht nur technisch zu validieren, sondern auch hinsichtlich Reproduzierbarkeit und Wirtschaftlichkeit für eine breitere Anwendung weiterzuentwickeln.
Auftrag/Fördergeber
Programm
Vorzeigeregion Energie – Green Energy Lab
Projektkoordinator
Projektpartner
- evon GmbH
- FH JOANNEUM GmbH
- Forschung Burgenland GmbH
- Geberit Huter GmbH
- Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen
- Sonnenkraft GmbH
- Landesimmobilien Gesellschaft
- Neoom Gruppe
- Nussmüller Architekten
- REENAG Holding GmbH
- Renowate GmbH
- Strobl Bau-Holzbau GmbH
- Sozialbau AG
- TBH Ingenieur GmbH
- Towern 3000
- TU Wien
- Wien Energie