Machbarkeitsstudie als Wegweiser für serielle Sanierung veröffentlicht

© Cornelia Ninaus, AEE INTEC

Der Gebäudesektor ist einer der größten Energieverbraucher und CO₂-Verursacher in Österreich. Gleichzeitig sind viele Gebäude sanierungsbedürftig. Konventionelle Sanierungen sind jedoch oft teuer, dauern lange und bedeuten erhebliche Belastungen für die Bewohner*innen. Um die Klimaziele zu erreichen, braucht es daher Verfahren, die schnell, effizient und in großem Maßstab umsetzbar sind.

Die Serielle Sanierung bietet genau das: Anstatt zahlreiche zeitintensive Einzelschritte direkt auf der Baustelle umzusetzen, werden komplette Fassaden- und Dachelemente industriell vorgefertigt. Diese Module sind bereits mit Fenstern, Wärmedämmung sowie integrierter Haustechnik ausgestattet. Grundlage bildet eine durchgängige digitale Prozesskette – beginnend mit einer präzisen 3D-Bestandsaufnahme über die BIM-gestützte Planung (Building Information Modeling) bis hin zur werkseitigen Produktion. Die vorgefertigten Elemente können anschließend innerhalb weniger Wochen vor Ort montiert werden. Dadurch verkürzen sich Bauzeiten erheblich, Belastungen für Anwohner und Umwelt werden reduziert, eine gleichbleibend hohe Ausführungsqualität wird gewährleistet und eine präzise Kostenplanung ermöglicht.

Die nun veröffentlichte Machbarkeitsstudie „MasSan – Serielle Sanierungskonzepte & -modelle in Österreich“ zeigt: Rund 71.500 Gebäude – vor allem im mehrgeschossigen Wohnbau – eignen sich für serielle Sanierung. Aufgrund aktueller rechtlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ist davon derzeit jedoch nur etwa ein Sechstel wirtschaftlich umsetzbar.

Ergebnisse und Handlungsempfehlungen
Um das volle Potenzial auszuschöpfen, braucht es neben technischen Innovationen vor allem klare strukturelle und regulatorische Rahmenbedingungen: einheitliche Standards, Anpassungen in Bauordnung und Mietrecht sowie die konsequente Integration digitaler Planungsprozesse.

Ein zentrales Handlungsfeld ist die Förderpolitik. Die Studie empfiehlt ein Maßnahmenpaket aus Zuschüssen, steuerlichen Anreizen, zinsgünstigen Krediten und Bonusregelungen für hohe Energiestandards.

Skalierung als Schlüssel
Noch sind serielle Sanierungen im Einzelfall oft teurer als herkömmliche Verfahren. Internationale Erfahrungen zeigen jedoch: Mit steigender Stückzahl sinken die Kosten deutlich. Projektbündelungen, standardisierte Ausschreibungen und Quartiers-Pilotprojekte schaffen Synergien und erhöhen die Wirtschaftlichkeit.

Koordination als Erfolgsfaktor
Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen: Unabhängige Marktentwicklungsteams übernehmen erfolgreich die Schnittstellenarbeit zwischen Forschung, Bauwirtschaft, Wohnungswirtschaft und Politik. Eine vergleichbare Struktur könnte auch in Österreich helfen, Standards zu etablieren, Projekte zu bündeln und den Wissenstransfer gezielt voranzutreiben.

Fazit: Serielle Sanierung ist technisch machbar, wirtschaftlich skalierbar und sozial verträglich – wenn die empfohlenen Maßnahmen umgesetzt werden. Sie kann ein zentraler Hebel der klimaneutralen Gebäudewende in Österreich werden.

Auftrag/Fördergeber

Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur

Programm

Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt

Projektkoordinator

RENOWAVE.AT

Projektpartner

 

Kontakt

Cornelia Ninaus