Neues Sanierungskonzept mit energieaktiven Fassaden erfolgreich demonstriert
Früher wurde in der Grazer Puchstraße in den Taggerwerken Tierfutter produziert. Nach dem endgültigen Aus 2004, startete 2012 die Transformation des Areals in ein multifunktionales Geschäfts-, Kultur-, und Sportzentrum mit unterschiedlichsten gewerblichen Nutzungen wie Urban Manufacturing, FabLabs sowie Büros. Heute ist das kultige Industriegelände ein Ort für Kreativität, Nachhaltigkeit und Innovation.
Auf einer Bruttogeschoßfläche von insgesamt rund 32 000 m², verteilt über 17 Bauten, bietet das Areal enormes Potenzial für viel Neues. Für den Immobilienverwalter BAR ist die Revitalisierung des Areals ein wichtiges Anliegen. Die Nutzung der Fassade zur Steigerung der Energieeffizienz in Kombination aus vor Ort erneuerbarer Energieproduktion ist dabei eine entscheidende und erfolgsversprechende Maßnahme sowie der größte ökologische Hebel für den Immobilienverwalter. Nahezu alle bereits transformierten Gebäude sind hochwertig thermisch saniert und produzieren über fassadenintegrierte Photovoltaikelemente erneuerbaren Strom.
Doch für Christian Kossegg, Eigentümer der BAR Vermögensverwaltung GmbH, ist das nicht genug. Das Areal soll aus energetischer Sicht autark werden und mehr Energie produzieren, als es selbst verbraucht. Zentral wichtig ist dabei, dass die bestehende Gas-Versorgungsanlage im neuen Gesamtkonzept substituiert wird und ein intelligentes Zusammenspiel der neuen Elemente, wie Grundwasserwärmepumpen, Erweiterungen der Photovoltaik-Anlage, Kleinwasserkraftwerk im Mühlgang mit einer geplanten Umsetzung im Winter 22/23 und die umfangreiche Nutzung vorhandener Speichermassen die Erreichung des Plus-Energie-Standards möglich macht. Um dies zu schaffen, unterstützt das EU-Projekt „EXCESS“ (FleXible user-CEntric Energy poSitive houseS) den dafür notwendigen Transformationsprozess. Eine neue Generation von energieaktiven Fassaden wird zum Einsatz kommen, die neben fassadenintegrierter Photovoltaik auch aktive Heiz- bzw. Kühlelemente beinhalten, um die vertikalen Bauteilmassen (Bestandsaußenwände) aktiv als Wärme- oder Kältespeicher zu bewirtschaften.
Die energieaktive Fassade, die von AEE INTEC entwickelt wurde, setzt dabei auf konsequente Umsetzung von vorgefertigten modularen Elementen. Durch die Kombination mehrerer konstruktiver und technologischer Ansätze wird sichergestellt, dass die vorhandene Speicherkapazität der Bestandswände optimal genutzt wird. Ein spezielles Streifendesign der vorgefertigten, aber in ihren Dimensionen (Länge sowie Breite) variabel fertigbaren, aktiven Elemente passt sich optimal an Unebenheiten der Bestandswand an. Angepresst wird über ein System aus unterschiedlich druckfesten Dämmschichten und dem speziellen Montageprozess der Fassade, bei dem der Druck über das „Eingleiten“ und die komprimierbaren Dämmebenen aufgebaut wird – dadurch sind keinerlei nachtägliche Arbeiten wie Einputzen von Rohrleitungen oder Einblasen der Dämmung vor Ort erforderlich.
Nach erfolgreicher Evaluierung des Montageprozesses anhand eines vorgefertigten Funktionsmoduls erwies sich die verfolgte Methode als so vielversprechend, dass der Immobilienverwalter die Modulgröße auf bis zu 3 mal 12 Meter vergrößern will. Dadurch ist das entwickelte Konzept vergleichsweise einfach und kostengünstig auch im größeren Maßstab anwendbar und skalierbar. Im nächsten Schritt wird bis Ende 2022 / Anfang 2023 ein gesamtes Geschoß und bis Ende 2023 das gesamte Gebäude inklusive Innenausbau mit den aktiven Energiefassaden ausgestattet.
Projektpartner
Joanneum Research
AEE INTEC
VTT
CENER
VITO
Suite5
Prospex Institute
CORDIUM
AAE
TRYCSA
ICLEI EURO
CGSOFT
Urbatelier
BAR
Muovitech
Gebwell
Basso
Tom Allen Senera
Dualsun
Schwarzl IT
NETx
Kontakt
Thomas Ramschak