ORF Salzburg zu Besuch bei den Demonstratoren im Projekt BM Retrofit

© Krobath Klima- und Energiefonds
© Krobath Klima- und Energiefonds

Effiziente Fernwärme: Abwärmenutzung als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Die Fernwärmeversorgung in Österreich steht vor großen Herausforderungen: Bestehende Netze müssen modernisiert werden, um Effizienzsteigerungen zu ermöglichen und Emissionen zu reduzieren. Das Forschungsprojekt BM Retrofit, das u.a. an zwei Standorten im Pinzgau umgesetzt wurde, zeigt eindrucksvoll, wie durch innovative Technologien (Rauchgaskondensation und Abwärme Turbinenkühlung) ungenutzte Abwärme sinnvoll genutzt werden kann. Der ORF Salzburg berichtete im März 2025 ausführlich über dieses zukunftsweisende Vorhaben und die damit verbundenen Verbesserungen für die regionale Wärmeversorgung.

Abwärmenutzung aus der Wasserkraft in Wald im Pinzgau

Bislang wurde das erwärmte Kühlwasser des lokalen Wasserkraftwerks ungenutzt in die Salzach geleitet. Dies stellt jedoch eine potenzielle Niedertemperaturquelle dar. Im Rahmen des BM Retrofit-Projekts wurde ein Konzept entwickelt, wie diese Wärme nun für eine leistungsstarke Wärmepumpe genutzt werden kann. Die Wärmepumpe, betrieben mit Strom aus dem Wasserkraftwerk, nutzt die Restwärme des Kühlwassers und versorgt damit das Fernwärmenetz in den Sommermonaten. Ein entsprechender Pufferspeicher wurde ebenso nachgerüstet und erhöht die Flexibilität im Walder Wärmenetz.

Das Resultat: Der Biomassekessel bleibt dadurch ausgeschaltet. Dies spart Brennstoff, verringert erheblich CO2-Emissionen und lokale Emissionen und erhöht die Effizienz der gesamten Anlage. Damit wird die Nutzung erneuerbarer Energiequellen optimiert, ohne dass zusätzliche Brennstoffe eingesetzt werden müssen.

Optimierung der Fernwärme in Saalfelden

Auch in Saalfelden wurde die Effizienz des Fernwärmenetzes in einem mehrstufigen Prozess signifikant verbessert und der Einsatz fossiler Energie auf ein Minimum reduziert. Davor diente ein Ölkessel oft als zusätzliche Wärmequelle, um die erforderliche Wärmemenge zu erzeugen – ein klimaschädlicher Prozess. In einem ersten Modernisierungsschritt wurde die Biomassekesselanlage an den Stand der Technik angepasst sowie mit einer Rauchgaskondensationsanlage versehen. Weiter wurde ein großer Warmwasserspeicher zur bedarfsgerechten Wärmeabgabe installiert.

Im aktuellen Modernisierungsprozess wird die Abwärme aus den Rauchgasen, die bei der Verbrennung von Biomasse entstehen, weiter genutzt. Drei leistungsfähige Wärmepumpen sorgen dafür, dass die Restwärme nicht ungenutzt verpufft. Zudem wurde der Biomassekessel mit einer innovativen CO-Lambda-Regelung ausgestattet, wodurch der Wirkungsgrad der Anlage weiter gesteigert werden konnte und den Verbrennungsprozess optimiert.

BM Retrofit: Ein Modell für die Zukunft

Das Forschungsprojekt wird von einem transdisziplinären Team bearbeitet und demonstriert mit finanzieller Unterstützung des Klima- und Energiefonds der Bundesregierung wie Wärmenetze effizienter und zukunftssicher modernisiert werden, nachhaltig Ressourcen schonen und damit langfristig eine klimafitte Wärmeversorgung zu ermöglichen.

„Derartige Konzepte zur Abwärmenutzung bieten enormes Multiplikationspotenzial für den gesamten Nah- und Fernwärmesektor. Die Nutzung der noch vorhandenen Abwärmen bei den vorgestellten Demonstratoren sind ein Paradebeispiel für die kaskadische Wärmeerzeugung und Kreislaufwirtschaft. Solche innovativen Ansätze sind die Basis für eine intelligente und nachhaltige Wärmeversorgung für Generationen“, ergänzt Joachim Kelz, Projektleiter BM Retrofit bei AEE INTEC, abschließend.

 

Technische Maßnahmen im Überblick:

  • Wald im Pinzgau:
    • Integration einer Wärmepumpe zur Nutzung der Abwärme aus der Turbinenkühlung
    • Errichtung eines zusätzlichen Wärmespeichers zur Effizienzsteigerung
    • Ziel: 100 % erneuerbare Wärmeversorgung für die Region
  • Saalfelden:
    • Optimierung des Kesselbetriebs und Steigerung des Wirkungsgrades
    • Integration eines Warmwasserspeichers zur Flexibilisierung der Wärmebereitstellung
    • Einbindung einer Rauchgaskondensationsanlage zur Nutzung bislang verlorener Wärme
    • Erweiterung des Systems mit einer Wärmepumpenkaskade zur Rücklaufanhebung
    • Ermöglichung eines gezielten Netzausbaus und Versorgung weiterer Haushalte mit erneuerbarer Wärme

Die im Pinzgau entwickelten Konzepte dienen als Musterlösung für weitere Anlagen in ganz Österreich – ein entscheidender Schritt für die Energiewende und eine ressourcenschonende Zukunft.

 

Auftrag/Fördergeber

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen der FTI-Initiative „Vorzeigeregion Energie – Green Energy Lab“ durchgeführt.

Programm

Vorzeigeregion Energie 2021

Projektkoordinator

AEE INTEC

Projektpartner

  • Bioenergie-Service Genmbh

 

Kontakt

Joachim Kelz