Live-Demonstration in der Arenberggasse: Eine multifunktionale und serielle Sanierung mitten in Wien.

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Wie kann die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden schnell, sauber und nahezu ohne Eingriff in den Alltag der Bewohner*innen gelingen? Genau diese Frage stand im Zentrum der zweiten LIVE DEMO zur Seriellen Sanierung, die am 14. November 2025 in der Arenberggasse im dritten Wiener Gemeindebezirk stattfand. Im Rahmen des von AEE INTEC geleiteten Forschungsprojekts RENVELOPE wurde dort nicht nur über innovative Sanierung gesprochen – sie wurde direkt am Gebäude erlebbar gemacht.

Der sechsgeschoßige Wohnbau der SOZIALBAU AG aus dem Jahr 1977 mit seinen 24 Mietwohnungen steht exemplarisch für einen großen Teil des österreichischen Gebäudebestands. Vor Ort konnten die Besucher*innen lernen, wie vorgefertigte, multifunktionale Fassadenmodule montiert werden – ein Prozess, der in der Arenberggasse weniger als zehn Tage dauerte. Die Module integrieren Dämmung, eine Bauteilaktivierung und dadurch die Möglichkeit zur aktiven Beheizung und Kühlung direkt über die Fassade.
Das Ergebnis dieser seriellen Sanierung ist beeindruckend: Der Wärmebedarf des Gebäudes wird um rund 80 Prozent reduziert, bestehende Gasthermen werden durch Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik ersetzt, und die CO₂-Emissionen sinken um etwa 100 Tonnen pro Jahr. Eine Sanierung, die nicht nur effizient, sondern auch leise, sauber und mit minimalen Beeinträchtigungen für die Bewohner*innen umgesetzt wird.

Über 40 Vertreter*innen aus Immobilien- und Wohnungswirtschaft, Bauwirtschaft sowie der öffentlichen Verwaltung nutzten die Gelegenheit, diese neue Form der Sanierung aus nächster Nähe kennenzulernen. Inhaltliche Impulse von Ernst Bach, Tobias Weiss, Daniela Huber, und Stefan Nussmüller, Thomas Ramschak und Christian Fink lieferten den fachlichen Rahmen für eine intensive Diskussion zu den bisherigen Erfahrungen aus dem Projekt.

In der von Cornelia Ninaus moderierten Diskussion standen neben technischen Aspekten insbesondere Fragen der Standardisierung, der Prozessabläufe, der Förderlogiken sowie der Einbindung der Bewohnerinnen im Fokus. Trotz der beeindruckenden Schnelligkeit der seriellen Sanierung zeigt das Projekt, dass bauordnungsrechtliche Vorgaben – etwa zur zulässigen Bauteildicke im innerstädtischen Bereich – ebenso wie stadtbildprägende Anforderungen und erhöhte Brandschutzauflagen einen wesentlichen Einfluss auf Planung und Umsetzung haben. Für eine breite Anwendung serieller Sanierungslösungen braucht es daher rechtliche Rahmenbedingungen, die gezielt auf Vorfertigung, Standardisierung und serielle Prozesse abgestimmt sind.
Als zentraler Erfolgsfaktor erwies sich die frühe Einbindung der Bewohnerinnen: Rund 84 % der Haushalte entschieden sich für den Umstieg von Einzelgasthermen auf ein zentrales Heiz- und Kühlsystem über die Fassade in Kombination mit Wärmepumpen. Infolge der Sanierung können die laufenden Energiekosten in den Mietwohnungen um rund 50 % reduziert werden. Für eine breite Anwendung solcher dekarbonisierungsorientierten Lösungen ist künftig jedoch eine ausgewogene Balance zwischen Investitionskosten und Einsparpotenzial erforderlich. Innovative Eigentümer*innen wie die Sozialbau AG bereiten bereits weitere Forschungs- und Umsetzungsprojekte zur gezielten Weiterentwicklung der Sanierungsmethode vor. Damit die erzielten Kostenvorteile insbesondere im Mietrechtsgesetz (MRG) unterliegenden Wohnbestand zur Refinanzierung von Sanierungsmaßnahmen genutzt werden können und gleichzeitig die Kostenneutralität für Mieterinnen gewährleistet bleibt, sind Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen notwendig.
Darüber hinaus wurde in der Diskussion betont, dass insbesondere im Schulbestand ein hohes Potenzial für serielle Sanierung besteht. Energetische Maßnahmen sind mit qualitätsgesicherten Lüftungskonzepten verbunden, die mit seriellen, vorgefertigten Lösungen effizient, standardisiert und wirtschaftlich umgesetzt werden können.

Die LIVE DEMO machte deutlich: Serielle Sanierung ist eine realistische und skalierbare Antwort auf die Herausforderungen der energetischen Gebäudesanierung. Als einer von drei Demonstratoren im Projekt RENVELOPE leistet die Arenberggasse einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Sanierungsrate in Österreich und zur Erreichung der Klimaziele. Begleitende Kosten- und Energiemonitorings in den kommenden Monaten werden die gewonnenen Erkenntnisse weiter wissenschaftlich absichern und die Optimierungspotentiale aufzeigen.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen der FTI-Initiative „Vorzeigeregion Energie“ mit Green Energy Lab durchgeführt.

 

Auftrag/Fördergeber

Klima- und Energiefonds

Programm

Vorzeigeregion Energie – Green Energy Lab

Projektkoordinator

AEE INTEC

Projektpartner

 

Kontakt

Cornelia Ninaus

Florine Leighton