Wie wirksam ist Gebäudebegrünung wirklich?

© Universität Graz / Simon Benal
© Universität Graz / Simon Benal
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Gebäudebegrünungen gelten als zentrale naturbasierte Lösung, um die Auswirkungen des Klimawandels im urbanen Raum zu reduzieren. Es gilt allgemein als anerkannt, dass sie sommerliche Überhitzung mindern, den Kühlenergiebedarf senken, das Mikroklima verbessern und die Biodiversität fördern. Mit der 2024 in Kraft getretenen EU-Gebäuderichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) gewinnen Bauwerksbegrünungen zusätzlich als Maßnahme zur Steigerung der Energieeffizienz an Bedeutung. Doch wie hoch sind die Effekte tatsächlich? Für eine breite Umsetzung und Berücksichtigung in Energieausweisen fehlen bislang belastbare wissenschaftliche Daten aus realen Anwendungsfällen.

Diese Lücke soll das FFG-Demonstrationsprojekt HeinrichBiCool schließen. An einem Gebäude der Theologischen Fakultät der Universität Graz mit sommerlichen Überhitzungsproblemen wurde im Herbst 2025  eine umfassende Fassaden-, Balkon- und Dachbegrünung umgesetzt, die nun unter realen Nutzungsbedingungen wissenschaftlich untersucht wird. Pergolen, die mittels einheimischer Pflanzenarten wie Hopfen, Geißblatt und Wilder Wein Fassaden und Terrassen beschatten, Kübelpflanzen mit Sträuchern auf den umlaufenden Balkonen, inklusive verschiedenste Beeren zum Naschen; Dachlandschaften mit Gräsern, Kräutern und Blühpflanzen, dazwischen kleine Steinhäufchen, Sandflächen und leichtes Totholz als Unterschlupf für Wildbienen und viele andere Insekten. Auch Nisthilfen für Mehlschwalben und Fledermäuse wurden angebracht. Am 23.6. 2026 wurde der neu gestaltete Gebäudeaußenraum feierlich eröffnet (Link: ORF Story zum Eröffnungsevent)

Bereits im Sommer vor der Umsetzung wurde die gesamte Messtechnik in Betrieb genommen, sodass nun erstmals vorher/nachher Daten zu Temperaturen, Raumklima, Verschattung und vorhandener Tierwelt verglichen werden können. Damit soll die Wirksamkeit auf Basis belastbarer Messdaten bewertbar werden. Obwohl aktuell im ersten Jahr durch die Anwuchsphase ein spürbarer Kühleffekt in den Innenräumen noch nicht zu erwarten ist, ist eine deutliche Aufwertung der Terrassenräume bereits jetzt erfahrbar.

Die wissenschaftlichen Arbeiten bauen auf Erkenntnissen der Projekte MARGRET (abgeschlossen) und MARGRET Bioshade (laufend) auf, in der Begrünungssysteme unter kontrollierten Bedingungen untersucht wurden. Mit HeinrichBiCool werden diese Ergebnisse nun an einem real genutzten Bestandsgebäude validiert.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist der Vergleich naturbasierter Begrünungsmaßnahmen mit technischen Kühlsystemen hinsichtlich thermischem Komfort, Energiebedarf, Wirtschaftlichkeit und Treibhausgasemissionen. Konkrete Ergebnisse dazu sind aufgrund des Pflanzenwachstums 2028 zu erwarten.

Mit seinem interdisziplinären Forschungsansatz liefert HeinrichBiCool wissenschaftlich fundierte Bewertungsgrundlagen für die Planung und Umsetzung klimaresilienter Gebäude. Die Projektergebnisse tragen dazu bei, naturbasierte Lösungen für die Gebäudeklimatisierung evidenzbasiert zu bewerten und ihre Anwendung in der Bau- und Sanierungspraxis sowie bei der Umsetzung der europäischen Energie- und Klimaziele zu unterstützen.

AEE – Institut für Nachhaltige Technologien ist für die wissenschaftliche Projektleitung und das Monitoring zuständig und hat die vorbereitenden bauphysikalischen Analysen, Gebäudesimulationen und Strahlungsberechnungen durchgeführt.

 

Auftrag/Fördergeber

Bundesministerium Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI)

Programm

Mission Klimaneutrale Stadt – Technologien und Innovationen für klimaneutrale Städte (TIKS)

Projektkoordinator

Universität Graz – Direktion für Ressourcen und Planung

Projektpartner

 

Kontakt

Martina Majcen