„Wir baden CO2-frei!“
Österreich ist mit seinen Thermen nicht nur eine beliebte Tourismusregion in Europa, wo in Summe 38 Thermalbäder Jung und Alt begeistern, sondern auch eine der Regionen, in der die energetische Nutzung der tiefen hydrothermalen Geothermie großes ökologisches Potenzial bietet. Bei dieser Art der Energiegewinnung handelt es sich um Wärme aus dem Erdinneren. Das genutzte Thermalwasser weist Temperaturen im Bereich von etwa 40 bis 100 Grad Celsius auf, je nachdem, aus welcher Erdschicht man es bezieht, ob aus ca. 400 Metern oder mehreren Kilometern Tiefe.
Diese tiefe Geothermie als zuverlässige Quelle „grüner Energie“, wird für die Energiewende unabdingbar. Für Thermalbäder bietet sich dadurch eine CO2-freie Energieversorgung mittels dieser exergetisch hochwertigen Wärmequelle an. Durch Wärmepumpen kann zusätzlich auch das Thermal-Abwasser für die Energieversorgung genutzt und der Bohrlochertrag damit erhöht werden.
Trotz des Vorliegens dieser erneuerbaren Wärmequelle mit hohem Temperaturniveau im Inneren der Erde stellen Thermalbäder aus ökologischer Sicht bedeutende Energieverbraucher dar, die zum Teil nach wie vor mit fossilen Energieträgern beheizt werden. Besonders viel Energie bedarf es zur Abdeckung der Wärmeverluste der Becken, vor allem der Außenbecken. Um einen Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung zu erreichen, sollten diese wichtigen Verbraucher im Fokus stehen, da die Nutzung erneuerbarer Energien wie tiefer Geothermie in diesen Bädern viel einfacher umzusetzen ist als in urbanen Zentren.
Dabei sollen alle möglichen Abwärmequellen der Thermen, vor allem aber das Abwasser aus den Becken, das sogenannte Rückspülwasser, genutzt werden. Grund dafür ist, dass dieses meist mit einem Temperaturniveau von ca. 30 °C energetisch ungenutzt in den Abwasserkanal abgeleitet wird. Genau da setzt das kooperative Forschungsprojekt „Geo.Mat“ an. Im Rahmen dieses Projektes, welches von AEE INTEC geleitet wird, werden verschiedene Wärmepumpentypen zur energetischen Aufwertung dieses Rückspülwassers für die Beheizung der Thermalbecken als größte Wärmeverbraucher entwickelt, implementiert und gemonitort. Das Projektkonsortium besteht aus drei Thermen, drei Forschungseinrichtungen, zwei Planern und einem Wärmepumpenlieferanten und deckt somit die gesamte Wertschöpfungskette ab. Dadurch ist es möglich, im Projekt alle Forschungsfragen der Integration des Rückspülwassers in den Energieversorgungskreislauf zu adressieren, von der Vermeidung von Fouling und Verblockung der Wärmetauscher bis hin zu digitalisierten Energiemanagementsystemen mit modernster Schnittstelle zwischen Modell- und Daten-prädiktiver Regelung. Durch die Kopplung der thermischen Kapazitäten der Hotels, der Spa-Bereiche, Service-Bereiche, Schwimmbäder etc. mit der Energieversorgung kann ein hohes Maß an Flexibilität genutzt werden.
Aus der Planung und dem Betrieb dieser Demonstrations-Standorte werden leicht reproduzierbare Integrationskonzepte und ein Fahrplan für den flächendeckenden Einsatz abgeleitet, um die Marktakzeptanz für CO2-frei Energieversorgung von Thermen in Österreich und Europa zu beschleunigen. In diesem Zusammenhang könnte die Steigerung der Energieeffizienz und die Entwicklung zu einer CO2-neutralen Therme ein Alleinstellungsmerkmal sein („Grüne Therme“). Das Ergebnis dieses für die Energiewende wichtigen Projekts bietet eine Lösung für eine CO2-neutrale und gasfreie Energieversorgung, mit einem hohen Replikationspotenzial für alle Thermen in Österreich und Mitteleuropa.
Das Projekt „Geo.Mat“ wird durch den Klima- und Energiefonds im Rahmen des Green Energy Lab der Forschungsinitiative „Vorzeigeregion Energie“ gefördert.
Projektpartner
AEE – Institut für nachhaltige Technologien – www.aee-intec.at
Forschung Burgenland GmbH – www.forschung-burgenland.at
BEST-Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH https://best-research.eu
H2O Hotel-Therme-Ressort – www.hoteltherme.at
Sonnentherme Lutzmannsburg-Frankenau GmbH – www.sonnentherme.at
Reduce Gesundsheitsressort – www.reduce.at
StepsAhead Energiesysteme GmbH – https://stepsahead.at
Ing. Haas GmbH – https://haas-rohrbach.at
Ing. Leo Riebenbauer GmbH – www.riebenbauer.at
Kontakt
Gerald Zotter