MARGRET Bioshade – Bauphysikalische Quantifizierung der Beschattungs- und Kühlleistung durch Gebäudebegrünung

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MARGRET Bioshade widmet sich der wissenschaftlich fundierten Quantifizierung der Wirkungen von Gebäude- und Fassadenbegrünungen als Maßnahme zur Klimawandelanpassung. Begrünte Dächer und Fassaden können urbane Hitzeinseln reduzieren, den Wasserhaushalt positiv beeinflussen und den Wärmeeintrag in Gebäude und Stadtraum senken. Trotz ihrer wachsenden Bedeutung fehlen bislang jedoch belastbare, standardisierte Kennwerte zu ihrer Wirksamkeit. Die Quantifizierung dynamischer, pflanzenbasierter Systeme ist im Vergleich zu statischen, konventionellen Bauteilen besonders anspruchsvoll, insbesondere aufgrund der benötigen Anwuchs- und Entwicklungsphase und damit einhergehenden Wirkungsveränderungen im Wachstumsverlauf.

Aufbauend auf der im Vorprojekt MARGRET etablierten, hochinstrumentierten Prüfinfrastruktur adressiert MARGRET Bioshade diese Forschungslücken gezielt. Ziel ist die Entwicklung übertragbarer Kenngrößen für Planung, Simulation und Normung. Dazu wird die Verschattungswirkung von Vertikalbegrünungen vor Fensterflächen systematisch quantifiziert und anhand von Transmissionsgraden und g-Werten mit konventionellen Beschattungssystemen verglichen. Ergänzend werden Wasserhaushalt und energetische Effekte unterschiedlicher Dach- und Fassadenbegrünungen analysiert, mit Fokus auf Abflussverhalten bei Starkregen, reduziertem Wärmeeintrag und Verdunstungskühlung.

Die Untersuchungen erfolgen an fünf Vertikalbegrünungssystemen sowie an intensiv und extensiv begrünten Dachtestständen im fortgeschrittenen Wachstumsstadium. Zum Einsatz kommen innovative Messmethoden wie flächige Strahlungsdurchgangsmessungen (Pyroscanner), kamerabasierte Transmissionsanalysen, Methoden zur Wasserbilanzierung sowie standardisierte Erfassung der Pflanzenkennwerte (u. a. Wall Leaf Area Index und Deckungsgrad). Ein digitaler Zwilling mit Echtzeit-Datenvisualisierung unterstützt Auswertung und Vergleichbarkeit der Daten. Als Ergebnis werden reproduzierbare, saisonal differenzierte Kennwerte zur energetischen und hydrologischen Wirkung von Gebäudegrün erwartet. Damit wird eine fundierte Grundlage für die Integration grüner Infrastruktur in Energieausweise, Richtlinien und Simulationsmodelle geschaffen.

DI Dr med. Martina Majcen

DI Dr med. Martina Majcen

Arbeitsschwerpunkte:

Gebäude- und Quartiersbegrünung, klimawandelangepasste Raumplanung, integrierte Entwicklung klimaneutraler Quartiere sowie nachhaltige Gebäudezertifizierung.