Modernisierung von Biomasse-Heizwerken: Was Forschung und Praxis zeigen

© Klimafonds / Barbara Krobath
Vortragende des BM Retrofit Abschlussworkshop im Rahmen der CEBC, © AEE INTEC / Stefan Retschitzegger
BM Retrofit Innovationsmethodik, © Green Energy Lab

Rund die Hälfte des Energieverbrauchs in Österreich entfällt auf Wärme für Raumwärme, Prozesswärme und Warmwasser. Biomassebasierte Wärmenetze leisten bereits einen wichtigen Beitrag zur erneuerbaren Versorgung, stehen jedoch vor steigenden Effizienzanforderungen, höherem Flexibilitätsbedarf und dem Ziel weiterer Emissionsreduktionen.

AEE INTEC entwickelte im Forschungsprojekt BM Retrofit als Projektkoordinator gemeinsam mit den Projektpartner*innen ganzheitliche Modernisierungskonzepte für bestehende biomassebasierte Wärmenetze, die demonstriert und bewertet wurden. Im Fokus standen technologische Lösungen, intelligente Betriebsstrategien sowie Ansätze für Planung, Wirtschaftlichkeit und die Integration der beteiligten Akteur*innen.

Demonstration und Umsetzung

Die entwickelten Lösungen wurden unter realen Bedingungen in drei Anlagen umgesetzt:

Wald im Pinzgau: Integration einer Wärmepumpe zur Nutzung von Abwärme aus einem Wasserkraftwerk, kombiniert mit Speicher und Power-to-Heat. Dadurch kann der Biomassekessel im Sommer abgeschaltet und jährlich bis zu 10.000 Liter Öl sowie 1.000 Schüttraummeter Biomasse eingespart werden.

Kreuzstetten: Optimierung von Netzbetrieb und Speicherbewirtschaftung durch verbesserte Regelstrategien, effizientere Nutzung der Pufferspeicher und reduzierte Rücklauftemperaturen. Die Wärmeverluste sanken um rund 15 %, die Anzahl der Kesselstarts um über 60 %, verbunden mit höherer Betriebsstabilität und geringerer Netzpumpenleistung.

Saalfelden: Effizienzsteigerungen am Heizwerk durch Rauchgaskondensation mit kaskadierender Wärmepumpe sowie optimierte Verbrennungsregelung mittels CO-Lambda-Messung. Ergebnis: rund 1.000 MWh Gaseinsparung pro Jahr, etwa 4.000 MWh Mehrertrag aus dem Biomasse-System inklusive Wärmepumpenintegration und Anschluss von 15 neuen Wärmekunden ohne Ausbau der Erzeugerkapazität.

Die Demonstrationen zeigen, dass bestehende Anlagen durch gezielte Modernisierung effizienter, flexibler und zukunftsfähiger werden und zusätzliche erneuerbare Energiequellen integrieren können.

Projektergebnisse und Skalierung

Das Projekt analysierte die technischen, ökonomischen und ökologischen Wirkungen auf Basis eines detaillierten Monitorings sowie techno-ökonomischer Simulationen unterschiedlicher Anlagentypen und Netzstrukturen.

Die Ergebnisse belegen, dass die entwickelten Maßnahmen in einem großen Teil bestehender biomassebasierter Wärmenetze wirtschaftlich umsetzbar sind. Besonders Effizienzsteigerungen, Optimierungen der Betriebsführung und die Integration von Abwärmenutzung besitzen ein hohes Replikationspotenzial, da sie modular in bestehende Systeme integrierbar sind.

Damit liefern die Konzepte eine belastbare Grundlage für die systematische Modernisierung von Wärmenetzen und stärken deren Beitrag zu einer erneuerbaren und resilienten Wärmeversorgung.

Die Projektergebnisse wurden auf der Central European Biomass Conference 2026 (CEBC 2026) im Rahmen einer Session zu „Modernisierung und Optimierung biomassebasierter Wärmenetze“ präsentiert. Dort stellten Projektpartner*innen die Ergebnisse aus den drei Demonstrationsstandorten vor und diskutierten Übertragbarkeit sowie Weiterentwicklung mit Fachpublikum aus Forschung, Energieversorgung und Praxis.

Ein abschließender Workshop mit Podiumsdiskussion ermöglichte den Austausch zu Herausforderungen und Perspektiven. Die Zielgruppe umfasste insbesondere Betreiber*innen von Wärmenetzen, Planer*innen, Technologieanbieter*innen sowie Vertreter*innen von Gemeinden und Energieorganisationen.

Ausblick

BM Retrofit zeigt, dass großtechnische Modernisierungen bestehender Wärmenetze kurzfristig umsetzbar sind. Eine integrierte Systembetrachtung, datenbasierte Optimierung und langfristige Strategieplanung ermöglichen die Steigerung von Effizienz und Flexibilität bei gleichzeitiger Emissionsreduktion sowie die bessere Nutzung lokaler Ressourcen.

Die entwickelten Lösungen leisten damit einen Beitrag zu einer zukunftssicheren, nachhaltigen und skalierbaren Wärmeversorgung.

 

Auftrag/Fördergeber

Klima- und Energiefonds 

Programm

Vorzeigeregion Energie – Green Energy Lab

Projektkoordinator

AEE INTEC

Projektpartner

 

Kontakt

Joachim Kelz