Neues Wohn-Quartier in Wien: Nachhaltige Bi-Generation mit Wärmepumpen
Im Projekt Hybrid LSC (Local Sustainable Communities) wird untersucht, wie gesamtheitliche Nachhaltigkeit für Siedlungsgebiete und Quartiere durch einen optimalen Mix an technischen, ökonomischen und sozialen Maßnahmen erreicht werden kann. Das Projekt wurde im Rahmen der Vorzeigeregion- Green Energy Lab gefördert und begleitet mehrere Demonstratoren bei der Umsetzung der entwickelten Lösungen. AEE INTEC betreut im Projekt zwei Demonstratoren mit den Standorten Wien und Graz.
Am Standort Wien handelt es sich um ein Neubau-Quartier im Bereich der Sargfabrik. Die neu gebauten Flächen umfassen insgesamt 201 Wohnungen mit einer Gesamtnutzfläche von 13.000 m², deren Bezug bereits gestartet hat. Die Gebäude sind jeweils mit Fußbodenheizung für die Konditionierung der Innenräume ausgestattet – im Winter wird mit einer Versorgungsleistung von 355 kW und Versorgungstemperaturen um die 40°C geheizt, im Sommer können die gleichen hydraulischen Kreise für die Kühlung/Temperierung genutzt werden (135 kW aktive Kühlleistung mit 21°C Versorgungstemperatur). Die Versorgungsleistung für die Bereitstellung von Warmwasser mit 191 kW (63°C) komplettieren den thermischen Bedarf des Quartiers.
Hier setzt nun das Projekt Hybrid LSC an – in Kooperation von Wien Energie und AEE INTEC wurde ein auf Wärmepumpen und Fernwärme basierendes Energiekonzept ausgearbeitet, das mehrere innovative Arten der Energiebereitstellung in sich vereint.
Aufgrund der niedrigen Versorgungstemperaturen für die Fußbodenheizung, wird die benötigte Raumwärme nicht dem Fernwärmevorlauf, sondern direkt dem kühleren Fernwärmerücklauf entnommen. Dadurch kann der Rücklauf weiter abgekühlt werden, wodurch die Übertragungskapazität des Netzes gesteigert wird, und damit die Effizienz der Wärmeerzeugungsanlagen zunimmt. Die Versorgung eines ganzen Quartiers aus dem Fernwärmerücklauf ist in Österreich bisher einzigartig und hat großes Potential für Replikation.
Nicht nur der Heizwärmebedarf wird innovativ abgedeckt, auch die Energie für die aktive Kühlung des Quartiers wird neu gedacht. In diesem Fall stellt eine Wärmepumpen die benötigten Temperaturen von 21°C bereit, nutzt aber gleichzeitig die erzeugte Abwärme zur Warmwasserbereitstellung bzw. zur Einspeisung in das Fernwärmenetz. Diese Betriebsweise der „Bi-Generation“ erlaubt somit die Nutzung beider Temperaturniveaus der Wärmepumpe und schafft dadurch ein signifikant verbessertes Verhältnis von eingesetzter elektrischer Energie zu genutzter thermischer Energie.
Insgesamt steht das Quartier Sargfabrik prototypisch für ein vernetztes Energiesystem, dass die Anforderungen des Gebäudesektors mit denen der übergeordneten Netze verschneidet und effizient Synergiepotentiale nutzt. Derzeit wird die Wärmepumpe in Betrieb genommen welche, ebenso wie die restlichen Teile des Energiesystems, einem kontinuierlichen Energiemonitoring unterzogen wird, um die Performance, während der kommenden Kühl- und Heizsaison auf Basis realer Betriebsdaten bewerten zu können.
Auftraggeber/Fördergeber
Klima- und Energiefonds
Programm
Vorzeigeregion – Green Energy Lab
Projektkoordinator
Technische Universität Wien – Energy Economics Group
Projektpartner
- AEE INTEC
- BAR Vermögensverwaltung GmbH
- Burgenland Energie AG
- Energie Zukunft Niederösterreich GmbH
- EVN AG
- Forschung Burgenland GmbH
- JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH
- NÖ Energie- und Umweltagentur GmbH
- Thomas Schwarzl IT – Smart Energy Management
- Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie
- Wien Energie GmbH
Kontakt
Philipp Gradl